Bestände und Entwicklung

Nabu zählt Vögel in Deutschland

Bei der Nabu-Aktion „Stunde der Wintervögel“ können Vogelfreunde Kohlmeise und Co. in ihrem Garten oder auf dem Balkon zählen und so helfen, Informationen über die Bestände und ihre Entwicklung zu gewinnen.
04.01.2019, 19:55
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Nabu zählt Vögel in Deutschland
Von Justus Randt
Nabu zählt Vögel in Deutschland

Die Kohlmeise verdrängt die Amsel bei der aktuellen Wintervogelzählung von Platz eins auf Rang drei in Gärten und auf Balkons in Bremen – vorläufig.

Patrick Pleul /dpa

Es gibt Tage, an denen es völlig okay ist, einen Vogel zu haben. Besser noch: viele Vögel. Bis einschließlich Sonntag dauert die neunte Auflage der bundesweiten Aktion „Stunde der Wintervögel“, mit der der Naturschutzbund (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern versuchen, Veränderungen der Vogelbestände festzustellen. Die Vogelzählaktion funktioniert nur dank der Beteiligung vieler Helfer, die jeweils eine Stunde lang zählen, welche Wintervögel in welcher Anzahl sich in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon tummeln.

Voraussichtlich wird sich auch in diesem Jahr der „kontinuierliche Abwärtstrend“ fortsetzen, den der Nabu verzeichnet. Bundesweit waren im vergangenen Jahr innerhalb einer Stunde 34 Vögel pro Garten im Bundesdurchschnitt gezählt worden, zwölf weniger als beim ersten Vogelzensus 2011. In der Stadt Bremen zählten 718 Vogelfreunde 14.909 Vögel in 521 Gärten – mit jeweils 28,6 Tieren lag die Zahl leicht über der des Vorjahres (26,6). „Allerdings muss man die statistischen Ergebnisse in der Stadt und im Land Bremen mit einem gewissen Augenzwinkern betrachten“, sagt Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann. „Das ist nicht ganz repräsentativ, man sieht aber Bestandstrends.“

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Die Zahl der sogenannten Invasionsvögel, zu denen Hofmann Seidenschwanz und Bergfink zählt, lasse beispielsweise Rückschlüsse auf die Qualität der Ernte in Sibirien zu. „Ich bin richtig gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Sönke Hofmann.

Zwei Arten stehen im Fokus

Dabei geht es ihm vor allem um die Zählung zweier besonders gebeutelter Vogelarten: Die Usutu-Epidemie hatte im Sommer die Zahl der Amseln stark dezimiert. Trichomonaden, die an Futterstellen und Tränken von Vogel zu Vogel übertragen wurden, rafften die Grünfinken dahin. Seit 2013 hat ihre Zahl laut Nabu um mehr als die Hälfte abgenommen – Hauptgrund sei der Parasit. Amseln waren demnach erstmals fast deutschlandweit, vor allem aber in Norddeutschland vom Usutu-Virus betroffen.

Am Freitag, dem ersten Vogelzähltag, lag die Kohlmeise mit einer Verbreitung in 85,3 Prozent der beobachteten Gärten ganz vorn. Amseln, die am Ende der 2017er-Zählung Rang eins einnahmen, lagen nun bei Einbruch der Dunkelheit – vorläufig, versteht sich – auf Platz drei hinter Kohl- und Blaumeise. Die Amsel ist dabei zwar ebenso weit verbreitet wie die Kohlmeise, aber in deutlich geringerer Zahl. Bundesweit landete sie im vergangenen Jahr auf Platz fünf.

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Am ersten Tag haben 63 Vogelbeobachter 1143 Vögel in 41 Bremer Gärten gezählt. Das Gesamtergebnis wird erst Ende des Monats erwartet. Mit der Bremer Zählung der Wintervögel rücke „zu 95 Prozent urbaner Raum“ in den Fokus der Beobachter, sagt Sönke Hofmann. „Von ausgeräumter Landschaft und von Pestiziden sieht man hier ja nichts. Aber wenn wir auch hier Rückgänge haben, sollte uns das zu denken geben.“

Hofmann hat schon länger die Stadtgärten und ihre oftmals vogelunfreundliche Gestaltung kritisch im Blick: „Exoten wie Lebensbaum, Scheinzypresse, Kirschlorbeer oder Rhododendron“ seien nicht gerade erste Adressen für Insekten und könnten heimische Vögel nicht ernähren. Dass energiereiche Kost für Jungvögel unverzichtbar ist, zeigt das für Sönke Hofmann beeindruckende Meisenbeispiel besonders gut: „Aus einem nur 1,5 Zentimeter großen Ei schlüpft ein Vogel, der nach anderthalb Wochen schon fast so groß ist wie seine Eltern.“

Weitere Informationen

Vogelzähler können ihre Ergebnisse unter www.nabu.de/onlinemeldung bis zum 15. Januar einreichen. Diese Frist gilt auch für Briefe. Näheres und telefonische Meldungen am 5. und 6. Januar von 10 bis 18 Uhr unter (0800) 1157115.

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