Galerie Kunstmix setzt Leuchtpunkt

Lichtblicke in der Galerie Kunstmix

Die einzige Möglichkeit, sich momentan an Kunst zu erfreuen, besteht in Galerien. In der Galerie Kunstmix im Schnoor ist bis zum 21. Januar die Gruppenaustellung „Leuchtstoff IV“ zu sehen.
21.12.2020, 05:00
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Lichtblicke in der Galerie Kunstmix
Von Sigrid Schuer
Lichtblicke in der Galerie Kunstmix

Ulrike Brockmann aus Findorff bekennt Farbe in der Galerie Kunstmix.

Roland Scheitz

Einer der wenigen Farbtupfer in der Vorweihnachtszeit, die in diesem Jahr dunkler als sonst ist, bieten die Bremer Galerien. Die Künstlerschaft mühte sich nach Kräften, etwas Farbe, ja einen Leuchtpunkt in den doch tristen Alltag zu bringen. So auch in der Produzentengalerie Kunstmix im Schnoor, Kolpingstraße 18. Dort wird, nach Beendigung des Lockdowns, bis zum 22. Januar die Gruppenausstellung „Leuchtstoff IV“ gezeigt. Der Name ist Programm. Schon anlässlich einer der letzten Gruppenausstellungen hatte Kunstmix-Künstler Martin Koroscha betont, dass kunstinteressierte Menschen auch in der Pandemie durchaus bereit seien, Kunst zu kaufen.

Daran habe sich nichts geändert, sagen Koroscha und seine Künstler-Kollegin Ulrike Brockmann, die ein Atelier in der Plantage in Findorff und ein weiteres auf dem Gelände des Güterbahnhofes betreibt. Auch wenn die Publikumsfrequenz im Schnoor ebenfalls abgenommen habe, wie sie einräumen. Die Kauflaune von Kunstinteressierten, zumindest ein Silberstreif am Horizont in einem Jahr, das für die meisten solo-selbstständigen Künstlerinnen und Künstler existenzbedrohend ist. 2020 hat ihnen allen viel Improvisationstalent, Geduld und Anstrengungen abverlangt. So auch Ulrike Brockmann, die mit acht Bremer Künstlerinnen und Künstlern für die Galerie Herold am Güterbahnhof eine Gruppenausstellung mit großem Begleitprogramm konzipiert hatte und sie nun schon zum vierten Mal, jetzt auf August 2021 verschieben musste.

Von Brockmann gibt es in der Galerie kleine, handliche, farbenfrohe „Art to go“-Kunstwerke zu kaufen, genauso wie von Dirk Lohmann, wie ein Leuchtturm mit gewollt unscharfen Konturen auf schwarzem Grund. Kunst zum in die Tasche-Stecken sozusagen. „Das praktische an diesen kleinen Kunstwerken ist es, dass sie bequem mitgenommen und gerade dort, wohin die Reise auch immer geht, wieder aufgestellt werden können“, sagt Brockmann. Ähnliches gilt für die Fotografien von Kata Maler. Ihre symbolistisch angehauchten Unikate mit den passend ausgewählten Rahmen bedecken dicht an dicht eine Wand der Galerie in Manier der Petersburger Hängung.

„Kata beschäftigt sich immer wieder mit dem Vanitas-Topos, mit dem Thema der Vergänglichkeit“, erläutert Koroscha. Und so gleichen ihre Foto-Kunstwerke von Blumen-Stilleben von Duktus und Farbgebung her altmeisterlichen Gemälden. Wie die Blumen mit Schmetterling oder aber das Abbild einer Schönen auf dem ein Schmetterling ruht. Auch ein Totenkopf ist zu sehen. Hier schwingt das „Memento mori“ – bedenke, dass Du sterblich bist – mit. Alles hat seine begrenzte Zeit, die menschliche Schönheit, aber auch das kurze Leben eines Schmetterlings.

Wie hingegossen räkelt sich eine von Kata Maler in Jugendstil-Manier fotografierte Venus unbekleidet auf Aquarell-Papier. Die Motte mit dem Blick durchs Fenster, die unweit der Venus drapiert ist, weckt bei so manchen Betrachtern entsprechende Assoziationen: „Männer umschwirren mich wie Motten das Licht, doch wenn sie verbrennen, ja dafür kann ich nicht“, sang einst Marlene Dietrich. Besonders begehrt seien in diesem Jahr die Aufnahmen von durch Masken verdeckten, gesichtslosen Gesichtern, sagt Koroscha. Und dann gibt es da bei Maler auch noch den berühmten, leicht verruchten Sixties-Blick aus Schwarz umrandeten Augen zu entdecken.

Ulricke Brockmanns künstlerisches Interesse gilt von jeher einer strengen Farbflächen-Malerei. Die Art und Weise, wie zwei oder mehrere Farbtöne eine Beziehung zueinander eingehen, interessiert sie schon lange. Treffen zwei unterschiedliche Farbflächen aufeinander, wie das momentan in zwei Werken im Kunstmix zu sehen ist, dann stellt sich für sie die Frage: Knirscht es zwischen ihnen oder vertragen sie sich? Brockmanns Ziel ist es, keine wie auch immer geartete Aussage mit ihrer puristischen Malerei zu treffen, sondern den Betrachtenden zu ermöglichen, sich der Kontemplation hinzugeben, ohne sich irgendwie dazu verhalten zu müssen.

Und so lässt es sich voll und ganz in das Feuerrot, das mit dem hellen Himmelblau kontrastiert, eintauchen. Oder aber auf sich wirken zu lassen, wie sich das kräftige Azurblau gegen das Rostbraun zu behaupten weiß. Auch von Koroscha sind drei Werke in der Produzentengalerie zu sehen: In exakt abgezirkelte Landschaften platziert er mit seiner Acrylmalerei grafische Elemente und eröffnet damit Assoziationsräume. Sein Markenzeichen.

Eine Zeit lang hat der Künstler und Kunst-Pädagoge mit seiner Hamburger Kollegin Kathrin Hoffmann zusammen gearbeitet. Die künstlerische Seelenverwandtschaft zwischen den beiden lässt sich beim Anblick von Hoffmanns Werken durchaus herauslesen. Nur tauchen in ihren Ölgemälden desöfteren sogenannte Ufos, unbekannte Flugobjekte, in Neonfarben in einem dunklen Wald auf. Oder es ist dort urplötzlich violetter Funkenflug sowie ein Sternschnüppchen, das darüber fliegt, zu sehen. Das hat schon etwas Rätselhaftes und ist zuweilen auch von einer unterschwelligen Doppelbödigkeit.

Einen besonderen Leuchtpunkt in der Galerie setzt Andrea Köhn mit ihren Kunstwerken. Mal kommen sie als handliche Collagen in Türkis mit grasgrünen Einsprengseln und einem übermütigen roten Tupfer daher. Wie ein sonnendurchfluteter Tag am Meer samt frischer Brise wirken die anderen beiden Gemälde, in denen trotz einer gewissen Tiefe verschiedene Pastellfarben duftig ineinander fluten. Köhn erzeugt damit zuweilen eine Atmosphäre, als stammte es vom britischen Maler des Lichts, dem genialen William Turner.

Unverhohlen kritisch gegenüber der Durchkommerzialisierung des Kunstmarktes gibt sich Sascha Bläsi, der von der Street Art her kommt, mit seinem ironischen Kommentar zu Jeff Koons Ballon-Hunde-Plastik. Der Titel des Werkes spricht Bände: „Schillernder Kapitalismus“. Die Hand mit der Stecknadel steht allerdings schon bereit, um genau jenen zum Zerplatzen zu bringen. Last not least: Janka Köhler, in ihren Werken scheint immer wieder der Bezug zur Natur auf, ob nun in den Siebdrucken „Licht und Schatten unter Bäumen“ oder in ihren in Neonfarben oder Meerblau getauchten, stilisierten Quallen in Linoldruck. Neu in der Produzentengalerie ist Lena Berns. Sie zoomt per Handy-Fotografie Alltags-Motive sehr nah heran und beginnt Details dann in teilweise poppig bunten Abstraktionen zu malen.

Die Ausstellung „Leuchtstoff IV“ ist nach dem Lockdown nach derzeitigem Stand bis 22. Januar in der Galerie Kunstmix, Kolpingstraße 18, zu sehen, dann wieder donnerstags und freitags zwischen 11 und 13 und 16 und 18 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 16 Uhr. Infos und Kontaktaufnahme über E-Mail info@kunstmixbremen.de.

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