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Neuer Beiratssprecher gesucht

Insgesamt 39 Kandidatinnen und Kandidaten aus sechs Parteien bewerben sich um ein zeitintensives Ehrenamt im Beirat Mitte. Hier eine Kurzvorstellung inklusive kurzem Rückblick.
18.05.2019, 06:12
Lesedauer: 6 Min
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Neuer Beiratssprecher gesucht
Von Sigrid Schuer
Neuer Beiratssprecher gesucht

Künftig nicht mehr im Beirat Mitte dabei: Michael Rüppel

Walter Gerbracht

16 Jahre war er Mitglied des Beirats Mitte, davon zwölf dessen Sprecher. Nun wird sich das Stadtteilparlament Mitte einen neuen Sprecher suchen müssen: Michael Rüppel, seit Mitte der 1990er-Jahre Mitglied der Grünen, wird nicht wieder für dieses Amt kandidieren. Er saß genau wie seine Parteikollegin Waltraut Steimke, die dem Beirat seit 2015 angehört, im Koordinierungsausschuss. In den letzten vier Jahren seiner Amtszeit war er zudem Mitglied des Fachausschusses Bau und Verkehr, davor in verschiedenen anderen Gremien tätig. Der pensionierte promovierte Literaturwissenschaftler, der gerade an einer Publikation über den Briefwechsel des Freiherrn Adolph von Knigge arbeitet, findet, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, dass auch einmal andere die so vielfältige Verantwortung im Beirat übernehmen. So kann er sich wieder verstärkt seinem Arbeitsschwerpunkt, der Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts widmen.

„Ich bleibe ja noch Mitglied der Fraktion und werde meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger als Beiratssprecher versuchen, einige Tipps mit auf den Weg zu geben“, betont der 69-Jährige. „Als Sprecher hat man schon eine besondere Verantwortung für die Außendarstellung des Beirates und dazu kommen erheblich mehr Termine als sie die Beiratsmitglieder sonst haben, so im Gesamt-Beirat, bei der Beiräte-Konferenz oder bei Behörden-Terminen.“ Wie das alles zu schaffen ist? „Na ja, eigentlich ist das ein ehrenamtlicher Fulltime-Job, der nur schwer mit einem Acht-Stunden-Arbeitstag vereinbar ist und das sollte ja im Idealfall eigentlich so sein“, resümiert er. Selbstverständlich nahm Rüppel auch an der Ideenmeisterschaft im Frühjahr 2018 teil, bei der über das neue Gesicht der Innenstadt diskutiert wurde.

Hoffnung auf intensives Mitspracherecht

Wenn er die vergangenen 16 Jahre Revue passieren lässt, dann ist ihm eines ganz wichtig: „Wir werden als Beirat bei der Neugestaltung der Innenstadt ernst genommen und haben ein Mitspracherecht. Das war nicht immer so. Gerade beim Thema Innenstadt haben wir doch viel erreicht.“ Auf ein intensives Mitspracherecht hofft er auch bei den Libeskind-Türmen, die am Brill geplant sind. Die Entwicklung der Innenstadt wird für ihn auch künftig Priorität haben. Und die möchte er auch seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger ans Herz legen: „Vor allem, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird!“ Gleiches gilt für das Thema klimafreundliches Bauen. Rüppel setzt eher auf begrünte Dächer anstatt großflächiger Verglasung, die zu einer Aufheizung der City führe. Und noch so ein Wunschthema des passionierten Radfahrers: „Das Radwege-Netz sollte in der Innenstadt dringend ausgebaut werden.“ Wenn der promovierte Literaturwissenschaftler auf die vergangenen vier Jahre seiner Amtszeit zurückblickt, fällt ihm eines besonders negativ auf: „Der Umgang miteinander ist auch im Beirat rauer geworden. Es werden seitens mancher Bürgerinnen und Bürger Maximalforderungen gestellt. Politik bedeutet aber eben auch die Kunst des Kompromisses.“

Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Populismus liegt das Projekt Europa ihm genauso am Herzen wie Viola Mull von der CDU, die nach der Bürgerschaftswahl „nur“ noch Parteimitglied bei den Christdemokraten sein wird, die ja nach wie vor von einer starken männlichen Führungsriege geprägt sind. Nach 16 Jahren wird sie genauso wie Michael Rüppel nicht mehr für das zeit- und arbeitsintensive Ehrenamt im Beirat kandidieren. Viola Mull ist Vollblutpolitikerin und überzeugte Europäerin. Gut könnte sie sich vorstellen, noch einmal für das Europa-Parlament zu kandidieren. Das hat sie schon einmal, 1994, ganz zu Beginn ihrer politischen Karriere getan. „Die Welt ist rund und bunt. Darauf bin ich neugierig, auch auf neue Ideen und Impulse“, sagt die Bankkauffrau, die bei der Sparkasse Bremen im Kommunikationsmanagement arbeitet. Der Blick über den Tellerrand auf andere Perspektiven und Meinungsbilder ist ihr genauso wichtig wie das Kosmopolitische generell.

Ernüchternde Arbeitsbilanz

Und warum nicht sogar ein Bundestagsmandat? Das Zeug dazu hätte sie ohne Frage. Politik empfindet sie immer noch als reizvoll und spannend. Viola Mull war von 1993 bis 1998 Landesschatzmeisterin der Jungen Union Bremen und danach Beisitzerin im dortigen Landesvorstand. Von 1994 bis 1996 war sie Beisitzerin im CDU-Stadtbezirksverband Stadtmitte. 1994 wurde sie auch Mitglied des CDU-Landesvorstandes. Zwei Jahre später wurde sie schließlich zur Vorsitzenden des CDU-Stadtbezirksverbandes Stadtmitte gewählt. Von 1995 bis 2003 war Mull Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Umwelt und Kultur. Ab 2003 wechselte sie in verschiedene Gremien des Beirates.

Ihr Fazit nach Ihrer langjährigen politischen Tätigkeit? „Bremen ist doch manchmal zu kommod, es müsste bei einigen Themen schneller in die Hufe kommen. Denn hier gibt es viele kreative, engagierte Köpfe, die etwas bewegen wollen“, betont Mull. Doch dann würden immer wieder Widerstände auftauchen und den Wunsch artikulieren, dass doch bitte lieber alles so bleiben solle, wie es ist. Ernüchternd, wie sie findet. Die Beteiligungsverfahren sind ihr oftmals zu kleinteilig. „Das dauert meiner Meinung nach alles viel zu lange. So lassen sich keine großen Sprünge machen“, resümiert die CDU-Politikerin.

Bei der Entwicklung der Innenstadt seien seit 20 Jahren dieselben Themen diskutiert worden. Jetzt bewege sich endlich etwas. Auch für Mull hat Politik etwas mit der Kunst des Kompromisses zu tun. „Mein Ziel ist es immer gewesen, lösungs- und zielorientiert über Parteigrenzen hinweg zu arbeiten und im Beirat gemeinschaftliche Lösungen zu finden.“ Was sie Dirk Paulmann, dem Spitzenkandidaten der CDU für den Beirat Mitte wünscht? „Durchhaltevermögen, langen Atem und natürlich ein glückliches Händchen bei den Entscheidungen für die Stadt“, betont sie.

Dirk Paulmann ist seit vier Jahren Sprecher des Fachausschusses Bildung und Soziales. Außerdem sitzt er im Koordinierungsausschuss. Der Schiffsmakler aus dem Ostertor kandidiert auf Platz 1 der CDU-Liste für den Beirat Mitte, gefolgt von der Hausfrau Ingrid Kreiser-Saunders aus der Bahnhofsvorstadt. Außerdem im Rennen: Der Student Philipp van Gels aus der Altstadt, die Oberschulrätin Andrea Herrmann aus dem Ostertor, dort wohnt auch die Angestellte Jutta Eiben. Last but not least im Kandidatenreigen: der Chemielaborant Simon Beckmann aus der Bahnhofsvorstadt.

Doch noch einmal zurück zu den Grünen. Die Kunsthistorikerin Waltraut Steimke aus dem Ostertor ist Spitzenkandidatin für den Beirat Mitte. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode saß sie im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bildung und Soziales sowie im Koordinierungsausschuss. Auf den folgenden Plätzen kandidieren der promovierte Politikwissenschaftler Jonas Friedrich, die Diplom-Sozialpädagogin Astrid Selle und die Lehrerin Insa Drechsler-Konukiewitz. Sie alle wohnen im Ostertor. Auf den nächsten Plätzen folgen der Angestellte Norbert Rafael Schyska aus der Bahnhofsvorstadt, der Angestellte und Baustoffprüfer Michael Adebar aus der Altstadt, der Technische Betriebswirt Jürgen Werner Brunschei sowie der Apotheker Uwe Voigt. Beide wohnen im Ostertor. Auf Position vier kandidiert wieder der Rechtsanwalt und Notar Joachim Musch, der streitbare langjährige Sprecher des Fachausschusses Bau, der ebenfalls im Ostertor wohnt.

Spitzenkandidat der SPD für den Beirat Mitte ist der Jurist Holger Ilgner aus dem Ostertor, der bislang Mitglied des Koordinierungsausschusses und stellvertretender Sprecher des Beirates Mitte war. Auf Platz zwei kandidiert die Diplom-Biologin Birgit Olbrich, die ebenfalls im Ostertor wohnt. Bislang war sie Sprecherin des Fachausschusses Stadtentwicklung und Mitglied des Fachausschusses Bau und Verkehr genauso wie der Diplom-Politologe Michael Steffen aus der Altstadt, der auf Listenplatz drei kandidiert. Auf den nächsten Listenplätzen folgen die Diplom-Finanzwirtin Ann-Kathrin Jung, der Referent Jörn Hendrichs und die Kunsthistorikerin Jutta Wohlers. Alle drei wohnen im Ostertor. Weitere Kandidaten sind der Student Hakan Özbek aus der Bahnhofsvorstadt, die Lehrerin Edith van den Berg sowie der Ingenieur Jens Elsner, beide aus dem Ostertor. Dort sind auch die folgenden Kandidaten zu Hause: die Wissenschaftlerin Bärbel Kühn, die Schulleiterin Monika Maria Steinhauer und die Diplom-Ingenieurin Hella Poppe.

Linke mit Rauch auf Platz 1

Matthias Rauch aus der Altstadt geht für die Linke auf Platz 1 ins Rennen der Beiratswahl, gefolgt von dem Paketzusteller Jörg Windszus, der schon jetzt dem Beirat Mitte angehört hat und im Ostertor lebt. Bislang war Rauch Mitglied des Fachausschusses Stadtentwicklung, stellvertretender Sprecher des Fachausschusses Bau und Verkehr und Mitglied im Fachausschuss Bildung und Soziales. Außerdem saß er im Koordinierungsausschuss. Neu für den Beirat kandidieren der Sozialökonom John Hellmich aus der Altstadt, der Produktionsassistent Jan Strauß aus dem Ostertor, die Social-Media-Managerin Kerstin Posch aus der Altstadt sowie der Rentner Wolfgang Bielenberg aus dem Ostertor. Für die FDP tritt wieder der Unternehmer Peter Bollhagen als Spitzenkandidat an, der in der Altstadt wohnt. Bislang saß er im Fachausschuss Bau und Verkehr und im Koordinierungsausschuss. Wieder im Rennen ist an zweiter Stelle der Diplom-Ingenieur Frank Dziarnowski aus der Bahnhofsvorstadt, der bisher im Fachausschuss Stadtentwicklung saß. Er lebt in der Bahnhofsvorstadt. Außerdem kandidiert noch der Angestellte Dirk Ludwig aus dem Ostertor für die FDP.

Jürgen Sieling ist Diplom-Ingenieur in der Projektsteuerung und Spitzenkandidat für die Bürger in Wut. Auf Platz zwei kandidiert der Politiker Klaus Remkes. Beide wohnen in der Altstadt.

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