Fritz-Theater

Neues Stück: „Sisters in Trouble“

Das Fritz-Theater setzt mit „Sisters in Trouble“ auf den Spaßfaktor singender Nonnen, wie es einst der Film „Sister Act“ tat. Das Ergebnis ist eine humorvolle Show, die zum Tanzen und Mitsingen einlädt.
30.09.2019, 17:36
Lesedauer: 3 Min
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Neues Stück: „Sisters in Trouble“
Von Alexandra Knief
Neues Stück: „Sisters in Trouble“

Oberin Maria Violetta (von links, Maike Merkel), Dr. von Wildesmatt (Philipp Trant), Schwester Maria Rosalinda (Lena Wischhusen), Schwester Maria Klaustrophobia (Tim Reichwein) und Schwester Maria Purpura (Sarah Fleige) machen ein Kloster zur Showbühne und beeindrucken mit großartigem Gesang.

Thomas Holz

Es ist eine Zahl, die einem wieder einmal bewusst macht, wie schnell die Zeit vergeht: 27 Jahre ist es her, dass die Filmkomödie „Sister Act“ mit Whoopi Goldberg in die Kinos kam und Goldberg als untergetauchtes Showgirl ein Nonnenkloster aufmischte. Heute ist der Film ein Klassiker, den wohl jeder kennt. Es gab eine Fortsetzung und es wurde eine Musicaladaption auf die Bühne gebracht. Spätestens seit 1992 weiß man, dass singende Nonnen, die nicht ganz so fromm sind, wie man meinen könnte, Spaß machen. Das Fritz-Theater macht sich dies zunutze und bringt mit „Sisters in Trouble“ seine eigene Nonnen-Komödie auf die Bühne – mit zahlreichen Anleihen beim filmischen Vorbild.

Der Bankdirektor Dr. von Wildesmatt (Philipp Trant) plant, 20 Millionen Euro von der Bank zu stehlen und sich damit in die Karibik abzusetzen. Irgendwie scheint auch noch die Mafia mit in der Sache drinzuhängen. Wie und warum, das bleibt für den Zuschauer leider etwas schwammig. Der unwissende Bankangestellte Klaus Müller (Tim Reichwein) soll auf den Koffer voller Geld aufpassen und ihn schließlich übergeben, doch es gibt einen für alle Beteiligten folgenschweren Zwischenfall: Oberin Maria Violetta (Maike Merkel) kommt zu Müller in die Bank und bittet um einen Kredit für ihr kleines, verarmtes Nonnenkloster. Als Pfand bringt sie einen Koffer voller historischer Bibeln mit – und nimmt am Ende des Gesprächs versehentlich den falschen, ziemlich wertvollen Koffer mit ins Kloster „Zur heiligen Maria Colorium“.

Kruzifix und Exodus

Als Dr. von Wildesmatt und Klaus Müller die Verwechslung bemerken, schleusen sie sich beide unabhängig voneinander ins Kloster ein, um das Geld zurückzuholen – Müller als Pilger-Nonne Maria Klaustrophobia, von Wildesmatt als vom Papst geschickter Geistlicher. Im Kloster treffen sie auf die Schwestern Maria Rosalinda (Lena Wischhusen) und Maria Purpura (Sarah Fleige/Maria Kristina Nissen). Erstere verbringt ihre Tage gerne damit, auf Knien den Kirchenboden zu putzen, und leidet, wenn sie nervös ist, an einer leichten Form des „Katholiken-Tourettes“, das sie unkontrolliert Dinge wie „Kirchensteuer!“ oder „Kruzifix!“ rufen lässt. Schwester Maria Purpura hingegen lebt das lasterhafte Leben, das sie führte, bevor sie Nonne wurde, auch im Kloster weiter, brennt selber Schnaps und trinkt diesen auch rund um die Uhr. Und so nimmt das überspitzte Versteckspiel seinen Lauf. Bis alle Beteiligten merken, dass es wichtigeres gibt als Geld – die Scheinchen aber auch nicht schaden, wenn man teure Träume hat.

Mit Theater-Geschäftsführer Christopher Kotoucek als Autor, Tim Reichwein als Regisseur, Sarah Fleige als Choreografin und Lena Wischhusen/Oliver Ahlbrecht als musikalische Leitung bleibt das Theater bei seiner mittlerweile gut etablierten Rollenverteilung. Auf der Bühne werden in „Sisters in Trouble“ neben den Ensemblemitgliedern Tim Reichwein und Lena Wischhusen allerdings ganz neue Akzente gesetzt.

Gesang auf höchstem Niveau

Maike Merkel, Philipp Trant und Maria Kristina Nissen sind erst in dieser Spielzeit neu zum Fritz-Team gestoßen. Und alle drei überzeugen vor allem gesanglich. Trants Version von Billy Joels „Piano Man“ hinterlässt Gänsehaut und auch Maria Kristina Nissen, die am Sonntag als Zweitbesetzung für Sarah Fleige als Maria Purpura auf der Bühne stand, beeindruckte mit ihrer verruchten Variante des Beatles-Klassikers „Come Together“. Als Zuschauer will man mehr von ihnen hören, und auch Maike Merkel präsentiert eine gesangliche Leistung auf höchstem Niveau.

Und so wird „Sisters in Trouble“ schnell zu einem sangesstarken Musical, die eigentliche Geschichte des Stückes sowie deren Auflösung werden zur Nebensache. Alle wichtigen Songs aus „Sister Act“ – von „I Will Follow Him“ bis „Oh Happy Day“ – finden genauso ihren Platz wie große Nummern von Aretha Franklin, Queen, ABBA und Madonna. Und zwischendurch bleibt wie immer auch noch Zeit für ein paar gesellschaftskritische Seitenhiebe – in Richtung der Katholischen Kirche, des Berliner Flughafens, der AfD oder des Bremer Stadtteils Borgfeld. Ein leichtes und kurzweiliges Theatervergnügen mit Witz und Charme.

Weitere Informationen

Die nächsten Termine im Fritz-Theater, Herdentorsteinweg 39: 17., 20. und 31. Oktober, 19.30 Uhr; 18. und 19. Oktober, jeweils um 20 Uhr. Tickets gibt es unter anderem bei Nordwest-Ticket. Weitere Infos online unter www.fritz-bremen.de.

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