Neubewertung des Projekts Neustart beim Bau des Westbads

Überraschende Wende in Sachen Westbad: Die Bremer Bäder GmbH hat sich vom bisherigen Architekten getrennt und das Bauvorhaben neu ausgeschrieben.
03.08.2018, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Neustart beim Bau des Westbads
Von Frank Hethey

Überraschender Neustart in Sachen Westbad: Die Bremer Bäder GmbH hat den Vertrag mit dem bisherigen Architekturbüro aufgelöst und das Bauvorhaben noch einmal neu ausgeschrieben. Der Generalplanervertrag zum Ersatzneubau des Westbads mit der Studio Gollwitzer Architekten GmbH sei „im gegenseitigen Einvernehmen“ aufgehoben worden, heißt es dazu vonseiten des Sportressorts.

Als Grund werden „nicht vorhersehbare bautechnische Umstände“ angegeben – eine Anspielung auf den zu weichen Untergrund, der entgegen erster Expertenurteile doch eine Pfahlgründung erforderlich macht. Deshalb konnten der vereinbarte Kostenrahmen und die Zeitplanung laut Sportbehörde nicht mehr eingehalten werden, es habe eine Neubewertung des Projekts vorgenommen werden müssen.

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Vor einer Woche hat die Bremer Bäder GmbH die Ausschreibung auf dem Deutschen Vergabeportal veröffentlicht. Zum Auftragsvolumen gehören wie zuvor die Planungen für das Gebäude, die Freianlagen, das Tragwerk und die technische Ausrüstung. Ein weiterer bekannter Bestandteil: die Sanierung der Fassade der Eissporthalle Paradice. Insgesamt erwarten die Bremer Bäder Investitionskosten in Höhe von rund 14,2 Millionen Euro.

„Dieses Budget darf nicht überschritten werden“, so die kategorische Vorgabe in der Ausschreibung. Potenzielle Interessenten können jetzt bis zum 27. August ihre Unterlagen einreichen. Mindestens drei und höchstens fünf Bewerber sollen nach einer ersten Eignungsprüfung aufgefordert werden, ein detailliertes Angebot abzugeben. Im Bremer Westen wurde der Neustart mit Genugtuung, aber auch einer gehörigen Portion Skepsis aufgenommen.

"Etwas weltfremd"

Von einem „kleinen Erfolg“ sprach der stellvertretende Sprecher des Beirats Gröpelingen, Raimund Gaebelein (Linke). Seine Hoffnung: "Jetzt ist die Chance da, alles noch einmal neu durchzuplanen." Allerdings bezweifelt er, ob die veranschlagten Kosten ausreichen, um den Bedürfnissen vor Ort gerecht zu werden. Als "etwas weltfremd" erscheint ihm die Summe von 14,2 Millionen Euro.

Ohne einen kräftigen Aufschlag werde es neuerliche Proteste geben. "Bleibt es dabei, wird noch einiges an Aktion aus dem Bremer Westen kommen." Ähnlich äußerte sich auch Gönül Bredehorst (SPD), Sprecherin des Beirats Findorff. Über die neue Perspektive sei sie nur glücklich, wenn die Größe der Wasserflächen erhalten bleibe.

"Der Spaßbereich muss so abgebildet werden, dass man wirklich von einer Spiellandschaft sprechen kann und nicht nur von einem kleinen Bassin." Doch die veranschlagte Investitionssumme stimmt sie skeptisch. "Das klingt nicht so, als sei viel mehr geplant als ohnehin angedacht." Wie Gaebelein kündigt sie für diesen Fall parteiübergreifenden Widerstand der Beiräte im Bremer Westen an. "Dann gehen wir wieder in die Diskussion mit der Sportsenatorin."

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Danach sieht es tatsächlich aus, ließ doch das Sportressort wissen, durch die Neuausschreibung ändere sich nichts am Rahmen der Planung des Westbads. "Dieser steht durch das Bäderkonzept und die entsprechenden Beschlüsse des Senats fest", so Ressortsprecher David Lukaßen. Soll wohl heißen: Modifikationen sind nur innerhalb des vorgesehenen Kostenrahmens möglich.

Durch die neuerliche Ausschreibung dürfte sich die Fertigstellung des Westbads weiter verzögern. In der Bekanntmachung sind vier Jahre als Laufzeit des Vertrags angegeben, das Ende ist auf den 31. Dezember 2022 datiert. Über die Mehrkosten für die zunächst nicht vorgesehenen Gründungsarbeiten gibt es bis jetzt keine verlässlichen Angaben, nach Auskunft des Sportressorts werden sie derzeit noch ermittelt. Dem Vernehmen nach ist mit einem Plus im mittleren einstelligen Millionenbereich zu rechnen.

Am wirklichen Bedarf vorbei

Damit wird das Westbad abermals teurer als ursprünglich geplant: In der ersten Ausschreibung vom September 2016 waren noch 12,5 Millionen Euro veranschlagt worden, später 13,6 Millionen, nun stehen 14,2 Millionen im Raum. Dazu kommt das Ausfallhonorar für den bisherigen Architekten. Wie hoch es ist, will die Behörde nicht preisgeben. Es sei nach den "vertraglichen und gesetzlichen Grundlagen abgerechnet" worden, sagt Ressortsprecher Lukaßen.

Eine Auskunft, mit der sich der sportpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Marco Lübke, nicht zufriedengeben will. Er werde die Sache in der nächsten Sitzung der Sportdeputation zum Thema machen, kündigte er an. "Ich werde Transparenz einfordern", sagte Lübke. "Ich will wissen, was für Gelder geflossen sind." Für ihn stellt sich die Westbad-Planung als eine Abfolge von "Pleiten, Pech und Pannen" dar. Sein Eindruck: "Es wird nicht nur am wirklichen Bedarf vorbeigeplant. Die ständigen Pannen kosten auch Geld, das dann an anderer Stelle wieder fehlt."

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