Bremer Ex-Reeder muss ins Gefängnis

Niels Stolberg vor Haftantritt

Fast zwei Jahre nach dem Urteil des Bremer Landgerichts gegen den Bremer Ex-Reeder Niels Stolberg muss der 59-Jährige jetzt die Haft antreten. Er war zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden.
16.01.2020, 15:59
Lesedauer: 2 Min
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Niels Stolberg vor Haftantritt
Von Jürgen Hinrichs
Niels Stolberg vor Haftantritt

Niels Stolberg wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Frank Thomas Koch

Die Schonzeit für Niels Stolberg ist um. Fast zwei Jahre nach dem Gerichtsurteil gegen den Bremer Ex-Reeder muss der 59-Jährige die Haft antreten. Einen entsprechenden Bericht der Oldenburger Nordwest-Zeitung von Donnerstag hat die Bremer Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt.

Stolberg war im März 2018 vom Bremer Landgericht wegen Kreditbetrugs und Untreue zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Er hatte gegen das Urteil Revision eingelegt. Im Dezember wurde dieser Widerspruch vom Bundesgerichtshof verworfen. Erst durch diese Entscheidung bekam das Urteil Rechtskraft.

Stolberg hatte seine Reederei Beluga in nur wenigen Jahren zu einem Unternehmen mit enormen Umsätzen gemacht. Nach seiner Einschätzung von damals war Beluga die größte Schwergutreederei der Welt. Doch dann kam im Zuge der Schifffahrtskrise der jähe Absturz.

Stolberg steckte schnell in Finanznöten. Sein Mittel der Wahl war der Betrug. Zusammen mit drei Managern der Reederei, die vom Landgericht damals zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden, frisierte er die Bilanzen des Unternehmens, um einen Investor ins Boot zu locken.

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Stolberg überzeugte schließlich den US-amerikanischen Hedgefonds Oaktree und gewann dadurch einen dreistelligen Millionenbetrag. Die Amerikaner merkten danach aber schnell, dass ihnen fingierte Zahlen über den Zustand von Beluga präsentiert worden waren. Sie warfen Stolberg raus und zeigten ihn wegen Betrugs an. Im Jahr 2011 ging die Reederei in die Insolvenz.

Stolberg hatte auch Banken betrogen. Um an hohe Darlehen zu kommen, gab er beim Bau seiner neuen Schiffe falsche Preise an. Die Eigenkapitalquote ging auf diese Weise gen Null. Die Banken, in erster Linie die damalige Bremer Landesbank (heute NordLB), zahlten deutlich mehr als sie es üblicherweise getan hätten.

Die Bremer Staatsanwaltschaft erklärte auf Nachfrage, dass sie Stolberg zum Haftantritt geladen habe. Nach Zustellung der Ladung habe der Betroffene eine Woche Zeit, um sich im Gefängnis einzufinden. Welche Haftanstalt gewählt wird, richtet sich nach dem Wohnort des Verurteilten. Stolberg hatte lange in Oldenburg gelebt. Ins Gefängnis geht er nach Auskunft der Staatsanwaltschaft aber in Schleswig-Holstein. Offenbar hat sich sein offizieller Wohnsitz verändert.

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