Festgottesdienst im St.-Petri-Dom Pastor Ulrich in den Ruhestand verabschiedet

Pastor Peter Ulrich von der St.-Petri-Domgemeinde in Bremen ist am Sonntag mit vielen Dankesworten in den Ruhestand verabschiedet worden. Rund 1000 Besucher kamen zu dem Gottesdienst.
24.02.2019, 17:42
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Von Kornelia Hattermann

Nun müssten ihm alle dabei helfen, Abstand zu gewinnen und Nähe zu bewahren, sagte Pastor Peter Ulrich am Sonntag zum Abschluss des feierlichen Gottesdienstes zu seinem Abschied. Die St.-Petri-Domgemeinde hat ihren Domprediger nach 26 Jahren in den Ruhestand entlassen. „Es war uns eine Freude und Ehre, dass Du in der Domgemeinde tätig warst“, sagte Bernhard Bitter, der verwaltende Dombauherr.

Peter Ulrich hatte Herzklopfen vor seinem Abschiedsgottesdienst. Vor seiner allerersten Predigt sei er aufgeregter gewesen als an diesem Tag, erklärte er bei den Vorbereitungen in der Sakristei, aber seine Gefühle jetzt seien völlig ambivalent. „Ich freue mich, und deshalb pocht mein Herz, ich bin wehmütig, und mein Herz pocht auch.“ Er vertraue sich völlig seinen Kollegen an, sagte er, bevor er in deren Begleitung in Richtung Altar schritt.

Bitte um Nachsicht

„Seien Sie nachsichtig mit mir und mit der Predigt“, bat der scheidende Domprediger die rund 1000 Besucher des Gottesdienstes, der von den Domorganisten Stephan Leuthold und Wolfgang Baumgratz, dem Bremer Domchor unter Leitung von Tobias Gravenhorst, der Mädchenkantorei am Bremer Dom unter Leitung von Markus Kaiser und Kirchenvorsteherin Edda Koch-Bodes mitgestaltet wurde. Ein festlicher Rahmen.

In seiner Predigt stellte Peter Ulrich die Bedeutung der Bibel in den Mittelpunkt und zitierte Dietrich Bonhoeffer, den er gern zu Rate ziehe: „Man muss bereit sein, sie wirklich zu fragen.“ Pastor Renke Brahms, der Schriftführer des Kirchenausschusses der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), sagte bei der Entpflichtung, dass Ulrich als Gemeindepastor seine Berufung gefunden habe und erinnerte beispielsweise an legendäre Fahrradtouren mit Konfirmanden. Ulrich habe Theologie immer auch als eine fröhliche Wissenschaft verstanden, so Brahms.

"Schiff auf Kurs gehalten"

Peter Ulrichs Freude am Kontakt mit Menschen, das Vertrauen zu und von den Menschen, die Begleitung der Gemeindemitglieder, hoben die Redner hervor. So viele hätten sich mit ihm gefreut, dass er spät noch Frau und Familie gefunden habe. „Bis dahin war ich der Einzige, der mit ihm vor dem Altar kniete“, gab Brahms eine Witzelei weiter.

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Das Engagement des Dompredigers, der stets vorangestellt habe, was der Gemeinde diene, hob Edda Bosse hervor, die Präsidentin des Kirchenausschusses der BEK. „Du hast das Schiff, was sich Gemeinde nennt, auf Kurs gehalten.“ Ein bürgerlicher Mensch sei er, Mitglied im Rotary Club und im Eiswettverein, und „bestimmt trägst Du auch Socken in Bremer Grau“. Er habe aber auch den Finger in die Wunden der Domgemeinde gelegt und unter anderem die Geschichte des Nazi-Predigers Weidemann wieder öffentlich zur Sprache gebracht, sagte Edda Bosse.

"In der Stadt präsent"

„Du warst als Domprediger in der Stadt präsent“, betonte Bernhard Bitter, der verwaltende Dombauherr, in seinem Grußwort. Ulrichs Wort habe Gewicht, auch den Diskurs mit der Politik habe er geführt, was auch bei der Trauerfeier in der Vorwoche für den verstorbenen Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber deutlich geworden sei. Peter Ulrich hatte den Trauergottesdienst geleitet.

An Ulrichs Anfangszeiten im Beruf erinnerte der Pastor im Ruhestand, Manfred Schulken aus Bremerhaven. Dorthin kam der 1953 in Bremen geborene Peter Ulrich nach dem Theologiestudium und lebte als Vikar unterm Dach bei Pastor Schulken. „Der dritte unserer Söhne“, habe Schulkens Frau oft ­gesagt. Eine besondere Nähe und Freundschaft sei in den fast zehn Jahren entstanden und habe sich bis heute erhalten. Aber er sei ihm noch etwas schuldig geblieben: Gemeinsam habe man Texte von Friedrich Nietzsche lesen wollen, sagte Schulken. Und schenkte dem scheidenden Domprediger zwei Nietzsche-Bände.

Familienforschung und Sport

Lesen, dafür will sich Peter Ulrich mehr Zeit nehmen, ebenso möchte er Familienforschung und Sport betreiben. „Ein Pastor ist auch nur ein Mensch“, zitieren ihn seine drei Domprediger-Kollegen Henner Flügger, In­grid Witte und Christian Gotzen. „Deine Stärke war das Zusammenklingen des Pastors und des Menschen.“ Und sie heben die Verwurzelung Ulrichs in Bremen hervor: „Von Dir konnten wir immer erfahren, wer mit wem verwandt ist.“

„Wir können viel, aber keinen Kreuzstich“, gab Pastorin Ingrid Witte dann zu und präsentierte das über und über bestickte Kissen, das ein langjähriger Pastor in früheren Zeiten zum Abschied erhalten hatte. Das habe sie angestachelt und so habe sie an Winterabenden an dem Abschiedsgeschenk für den Kollegen gestickt: „Ruhe Kissen“ lautet der Schriftzug darauf. Sein Engagement in der theologischen und seelsorgerischen Arbeit habe ihn aber auch an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht, deshalb sei es jetzt ein verdienter und notwendiger Ruhestand, betonte Renke Brahms, in den ihn die Domgemeinde mit großem Dank entließ.

Die Stelle des Dompredigers soll ab 1. April ausgeschrieben werden, die Pastoren hoffen, dass sie zum 1. Januar besetzt werden kann.

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