Bremer Musiker in Kooperation Philharmoniker nehmen Song mit Faakmarwin auf

Die einen machen Klassik, die anderen deutschsprachigen Pop. Beides funktioniert auch zusammen, wie die Bremer Philharmoniker und die Band Faakmarwin mit dem Song „High wie Kometen“ beweisen.
27.06.2019, 16:26
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Philharmoniker nehmen Song mit Faakmarwin auf
Von Alexandra Knief

„Achtung – CD-Aufnahme“ steht auf den weißen Zetteln, die an den Türen zum Konzertsaal der Glocke kleben. Hier ist Ruhe geboten, zu der Marko Letonja, Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker, auch all diejenigen, die bereits Zutritt erhalten haben, immer wieder ermahnt. Denn störendes Geraschel will auf der Aufnahme, die hier gerade entsteht, wirklich niemand haben. Also: Klappe halten.

Es ist die Aufnahme des Songs „High wie Kometen“, den die Bremer Band Faakmarwin bereits im Mai herausgebracht hat, die nun aber noch einmal ein ganz neues, orchestrales Gewand bekommt. Der Song handelt davon, wie wichtig es ist, die Welt auch als Erwachsener noch als etwas Magisches zu erleben, erzählt Alexander Skipka. „Früher bist du durch die Gegend gerannt und fandest es übelst krass, wenn du zum Beispiel ein Eichhörnchen gesehen hast“, sagt der Faakmarwin-Sänger. „Aber irgendwann verliert man das Gefühl dafür, wie wunderbar alles ist.“

Mehr als „Pop trifft Klassik“

Die Botschaft des Songs hat Marko Letonja gefallen. Er traf die Jungs vor einer Weile bei einem Pressetermin, die Chemie stimmte, und so war die Idee für ein Projekt geboren: Warum nicht eine Kooperation starten? Aber keine à la „Pop trifft Klassik“, bei der ein Orchester nur die nette Klangkulisse für einen fertigen Song liefert. Wenn, dann wollten der Generalmusikdirektor und die Band es auch richtig machen. Und so schrieb der Arrangeur Axel Tenner gemeinsam mit Chriz Falk, dem Produzenten der Band, Arrangements für das Orchester. „Unser Ziel war es, etwas ganz Neues zu schaffen, bei dem das Orchester die melodischen Linien übernimmt“, sagt Letonja.

Rund einen Monat lang haben die Vorbereitungen laut Letonja gedauert, nicht besonders viel Zeit für so ein Projekt. Trotzdem musste am Donnertag alles sitzen, als die Orchestermusiker und die drei jungen Popmusiker sich die Bühne in der Glocke teilten, umringt von Kamerateams, die Aufnahmen für ein Making-of und ein Musikvideo machen.

Für das Orchester sind neue, gerne auch mal nicht klassische Songs, Alltag. „Täglich Brot“, wie Letonja betont. Alexander Skipka, Jannik Ost und Ole Janßen von Faakmarwin erleben allerdings nicht jeden Tag, dass ein 70-köpfiges Orchester ihren Song einspielt. Dementsprechend nervös, man könnte fast sagen ehrfürchtig, stehen die drei Musiker auf der Bühne, als die ersten Töne der Bläser und Streicher erklingen. „Du gehst mit einem Traum auf eine Bühne und plötzlich darfst du so etwas hier machen. Das ist unfassbar“, fasst Sänger Skipka seine Emotionen in der Aufnahmepause zusammen, noch immer sichtlich ergriffen.

Während der Proben zückt er sein Smartphone, um diesen besonderen Moment für sich und sicher auch für die sozialen Netzwerke festzuhalten. Bandkollege und Gitarrist Janßen schließt immer wieder die Augen, lächelt und schüttelt den Kopf, als könne er noch nicht ganz glauben, was um ihn herum gerade geschieht. Jannik Ost, der dritte im Bunde, hat währenddessen ganz andere Probleme: Er muss nicht nur Schlagzeug spielen – das kann er – er muss gleichzeitig auch die Anweisungen beachten, die Letonja ihm gibt. Eine ungewohnte Situation.

Mehr Wumms, bitte!

Auch aus dem Off kommen von Arrangeur Tenner immer wieder Anweisungen, die das ganze Orchester betreffen: Ein bisschen mehr Pauke hier, ein bisschen mehr Bratsche da, und immer wieder vor allem eines: „Mehr Crescendo bitte!“ Für den Laien: mehr Wumms. Das Orchester soll an einigen Stellen deutlich lauter werden.

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Ob die Bremer Philharmoniker aus dieser Kooperation ein langfristiges Konzept machen und zukünftig auch noch mit anderen Bremer Bands zusammenarbeiten? „Wir sind da sehr offen“, sagt Letonja. Denn natürlich hätten solche Projekte nicht nur einen Mehrwert für die jungen Popmusiker, wie er betont: „Auch wir müssen versuchen, in einem breiten Terrain präsent zu sein, damit wir auch das Publikum erreichen, das wir sonst nicht erreichen.“

Das Video zur Orchesterversion von „High wie Kometen“ wird es auf Youtube geben, den fertigen Track auch auf Spotify. Wann genau, kann Skipka noch nicht sagen. Angedacht ist ein Release im Spätsommer. Ihr Ziel, die Welt wieder mehr durch Kinderaugen zu sehen, haben Faakmarwin aber schon heute erreicht. Dank einer musikalischen Zusammenarbeit, die sie nicht so schnell vergessen werden.

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