Gewinner-Entwurf steht fest

Pläne für Busbahnhof Bremen kommen voran

Nach Jahren des Zagens und Zauderns und einer weiteren Zeit, in der zermürbend lange über das Grundstück verhandelt wurde, gibt es für den geplanten Busbahnhof in Bremen jetzt einen Entwurf.
08.10.2018, 06:00
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Pläne für Busbahnhof Bremen kommen voran
Von Jürgen Hinrichs
Pläne für Busbahnhof Bremen kommen voran

Wo ab 2020 die Busse halten und rollen sollen, sieht es noch trostlos aus. Im Güterschuppen ist die Diskothek "Gleis 9" untergebracht.

Frank Thomas Koch

Das geplante Fernbusterminal am Bremer Hauptbahnhof ist einen weiteren wichtigen Schritt vorangekommen: Nach Informationen des WESER-KURIER gibt es eine Entscheidung über die Art der Bauten auf der Fläche hinter dem Übersee-Museum. An dem Architekturwettbewerb waren zehn Büros beteiligt. Die Stadt bestätigt zwar, dass ein Gewinner-Entwurf gekürt wurde, will aber noch nicht verraten, wie er aussieht. Erst für Mitte dieses Monats ist geplant, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Im April hatte die Stadt nach drei Jahren Verhandlungsdauer eine Einigung über den Kauf der Flächen erzielt, die sie für den Busbahnhof benötigt. Der größte Teil, genau 3613 Quadratmeter, gehörte dem Bremer Unternehmen Buhlmann-Immobilien. Weitere 800 Quadratmeter steuerten der Eigentümer des ehemaligen Fruchthofes und die Weser-Ems-Bus GmbH bei, die an der Stelle einen Betriebshof unterhält. Probleme hatte die Stadt insbesondere mit Buhlmann. Die beiden Seiten kamen bei den Vertragsmodalitäten einfach nicht zusammen und gaben sich gegenseitig die Schuld dafür.

Unternehmen baut auf eigenem Grund

Auch Jens Lütjen von der Maklerfirma Robert C. Spies, der Buhlmann in dem Verfahren berät, lässt sich keine konkreten Angaben über den Architektenentwurf entlocken, der nun verwirklicht werden soll. Nur so viel: „Es ist das Beste aus vielen Welten, eine deutliche Aufwertung der Bahnhofsvorstadt.“ Gebaut werden solle so schnell wie möglich. „Es gibt keine Gründe zu warten.“ Allerdings müsse dafür zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden und der Bauantrag durchgehen.

Entstehen soll nicht nur ein Fernbusterminal mit elf Haltebuchten, für das die Stadt alles in allem 5,7 Millionen Euro ausgibt. Geplant ist auch ein Hotel mit rund 200 Betten und ein Parkhaus mit 500 Einstellmöglichkeiten. In die beiden Gebäude wird Buhlmann-Immobilien investieren. Das Unternehmen baut auf eigenem Grund, es hat genug davon. Neben der Fläche, die an die Stadt gegangen ist, besitzt Buhlmann in dem Bereich weitere 6000 Quadratmeter.

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Wesentliche Vorarbeiten für die Planung hatte das Bremer Büro Westphal Architekten geleistet. Zum Zuge kommen jetzt aber andere. Westphal hat in dem Wettbewerb, zu dem Architekten aus dem gesamten Bundesgebiet eingeladen waren, lediglich eine Anerkennung zugesprochen bekommen, wie aktuell auf der Homepage des Büros vermeldet wird. Der Plan sah für beide Hochbauten eine kraftvolle Ziegelarchitektur vor, das Dach des Fernbusterminals sollte eine gefaltete Betonstruktur bekommen. Dieser Entwurf ist nun Makulatur.

Beginnen werden die Arbeiten mit dem Abriss der Häuser, die auf dem Areal stehen. Darunter ist ein großer, alter Schuppen, der lange Zeit dem Umschlag von Bananen diente und damals noch einen Gleisanschluss hatte. Später wurde dort Werkzeug verliehen und mit Matratzen, Fahrrädern und Gartenmöbeln gehandelt. Das ist vorbei, doch einen Mieter gibt es noch: die Diskothek Gleis 9.

Suche ging nicht voran

„Wir machen solange weiter, wie es geht“, sagt Disko-Betreiber Kolja Beckmann. Mit Buhlmann-Immobilien, dem Vermieter, werde gerade an einer Vereinbarung gearbeitet. Beckmann bringt das ein bisschen Sicherheit für seine Planung, und Buhlmann wird in die Lage versetzt, der Diskothek den Stecker zu ziehen, wenn es wegen der Abrissarbeiten notwendig wird.

Gleis 9 gibt es in dieser Form seit zehn Jahren. Ein Vorläufer mit gleichem Namen hatte im Jahr 2000 dichtgemacht. Die Diskothek ist mit seinen rund 500 Quadratmetern mehr ein Club. An den Wochenenden wird Programm gemacht, elektronische Musik mit unterschiedlichen Schwerpunkten oder Partys, die sich in diesem Monat zum Beispiel gezielt an die Freunde polnischer Feierkultur richten. Beckmann würde die Diskothek gerne an einem anderen Ort weiter betreiben, hat aber noch keine Alternative: „Es wäre schön, wenn die Stadt uns ein Angebot machen würde, wohin wir ausweichen können.“

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Bremen hat sehr lange gebraucht, bis klar war, wo das ersehnte Fernbusterminal entstehen kann. Zurzeit halten die Busse am Breitenweg, unter Bedingungen, die von den Verkehrspolitikern aller Parteien seit Jahren als unzumutbar beurteilt werden. Trotzdem ging es nicht voran bei der Suche nach einem Standort. Zeitweise wurde erwogen, das Terminal nicht am Bahnhof zu platzieren, sondern am Flughafen. Das ist seit April endgültig vom Tisch.

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