Popbüro und Schallschutzfonds

Wie die Bremer Clubkultur gefördert wird

Bremens Regierungskoalition hat im Haushalt Gelder für ein Popbüro, Schallschutzfonds und ein Bühnen-Budget verabschiedet. Die Mittel kommen aus dem Etat des Wirtschaftsressorts.
09.07.2020, 05:00
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Wie die Bremer Clubkultur gefördert wird
Von Pascal Faltermann
Wie die Bremer Clubkultur gefördert wird

Um Künstler wie Grillmaster Flash zu fördern, soll es ein Popbüro geben.

Pascal Faltermann

Für Clubs, Bühnen, Schallschutz und ein Popbüro fließen Gelder. Mit mehreren Maßnahmen wollen die Regierungsfraktionen den Bereich Popmusik unterstützen. Teilweise zum ersten Mal stehen Programme und Förderungen in dem am Mittwoch von der Bremischen Bürgerschaft beschlossenen Haushalt. Ein Großteil des Geldes kommt aus dem Topf des Wirtschaftsressorts und nicht – wie anzunehmen war – aus dem Kulturetat.

Einigen der nun angeschobenen Projekte gehen jahrelange Forderungen und Anträge aus der Musik- und Clubszene voraus. Mehrere Städte und Länder fördern ihre Popkultur durch Einrichtungen wie etwa den Verein Rockcity in Hamburg, die LAG Rock in Hannover oder den Verband für Popkultur in Bayern. Nach diesen Vorbildern soll in Bremen nun ein Popbüro eingerichtet werden, um Musiker zu unterstützen – 150 000 Euro sind dafür eingeplant.

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Spielstätten, Clubs und Freiluft-Veranstalter sollen durch einen Schallschutzfonds dabei unterstützt werden, bauliche und technische Lärmschutzmaßnahmen – von Fenstern bis hin zu immissionsarmen Anlagen – umzusetzen. Im laufenden Jahr sind 5000 Euro zur Planung eingestellt, 2021 wird der Fonds mit 200 000 Euro für Lärmschutzmaßnahmen gefüllt. 150 000 Euro sind im Haushalt für ein Bühnen-Budget eingeplant. Damit sollen Clubs, die ihr Programm durch gastronomische Tätigkeit finanzieren, gefördert werden, wenn sie eine Mindestanzahl von Kulturveranstaltungen pro Jahr organisieren. Zudem wird die Arbeit des Vereins Clubverstärker, eine Interessenvertretung von Spielstätten, mit 35 000 Euro (2020) und 75 000 Euro (2021) subventioniert.

„Ich arbeite seit acht Jahren an einem Popbüro für Bremen, um Beratung und Professionalisierung für Musikschaffende anzubieten und Förderprogramme zu vermitteln“, sagt Julia von Wild, freie Kulturmanagerin. Vor zweieinhalb Jahren sei bereits ein entsprechender Antrag mit Konzept bei den Behörden eingereicht worden. „Musiker wollen Musik machen und keine Anträge und Verträge ausfüllen“, sagt von Wild. Die Szene sei so divers, gute Vernetzung und individuelle Beratung seien notwendig. Sie hat in Bremen die Musikszene mit aufgebaut, leitet Projekte wie Stage Europe Network oder unterstützte Bremer Musikschaffende bei Förderprogrammen der Initiative Musik. Doch all dies müsse gebündelt, vernetzt und organisiert werden, um die Musik- und Clubszene zu stärken.

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„Das ist ein Statement für die Clubkultur und zeigt, dass Veränderungen möglich sind“, sagt Kai Wargalla (Grüne), die sich für diese Punkte eingesetzt hatte. Im ersten Haushaltsentwurf waren sie noch nicht enthalten, die Grünen hatten dann Änderungsanträge gestellt. Langjährige Wünsche und Forderungen würden nun angeschoben und umgesetzt, so Wargalla. „Das ist ein Richtungswechsel, den wir erkämpft haben. Das wird einen riesigen Unterschied für Bremen machen.“

Unterstützung für die Projekte erfolgte durch die Linken. So komme nun ein Teil des Geldes aus den Eckwerten des Wirtschaftsressorts, weil die Clubs zwar Kultur machten, aber Wirtschaftsbetriebe seien, sagt Sprecher Kai Stührenberg. „In einem engen Schulterschluss mit Kultur werden wir ressortübergreifend die Projekte entwickeln“, so Stührenberg. Noch stehe nicht fest, wie und in welcher Form das Popbüro eingerichtet werde. Auch über die Umsetzung des Schallschutzfonds werde man viele Gespräche führen. Ziel sei es, alle Ideen nach dem Sommer zusammen zu haben. „Es geht insgesamt darum, eine Struktur zu schaffen“, sagt der Sprecher.

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Kritik kommt von der CDU: „Politik hat etwas mit Schwerpunktsetzung zu tun„, sagt Finanzpolitiker Jens Eckhoff. Vielleicht gehöre zu solch einem Schwerpunkt in der Kultur irgendwann ein Popbüro – wenn die Koalition dann auch erklären könne, was das genau sei und welchen Auftrag es haben solle, so der CDU-Mann. “Für diesen Haushalt sehe ich hier aber keinen Schwerpunkt.“ Die CDU-Fraktion fordere einen großen Wurf für die Bildung. Es gehe nicht darum, Ressorts gegeneinander auszuspielen. „Wir wollen eine Strategie für die Zukunft Bremens verankern, Schwerpunkte setzen und uns nicht in Einzelmaßnahmen verlieren“, so Eckhoff.

„Es ist ein starkes Zeichen und ein lange überfälliger Schritt, die Arbeit und Leistung der privat geführten Clubs in dieser Form anzuerkennen“, sagt Olli Brock, Betreiber des Pier 2 und des Tower Musikclubs. Bremen sei damit relativ spät dran, andere Städte seien bereits viel weiter und hätten von solchen Maßnahmen durchaus profitiert. In Hamburg etwa übernehme die Stadt seit einigen Jahren die Gema-Gebühren für Clubkonzerte, was einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Liveclubs in Bremen darstelle. „Das Gesicht einer Stadt braucht aber diese kleinen Läden und Bühnen“, betont Brock.

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