Bremer RCDS-Vorsitzender zum Semesterticket

Pricop: Ich bin gegen Proteste für Preissenkungen“

Paul-Theodor Pricop ist Landesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS und JU-Mitglied. Im Interview äußert er sich zum Thema Semesterticket für den ÖPNV.
12.05.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Pricop: Ich bin gegen Proteste für Preissenkungen“
Von Pascal Faltermann
Pricop: Ich bin gegen Proteste für Preissenkungen“

Paul-Theodor Pricop

Privat

Herr Pricop, das Semesterticket in Bremen ist laut Studierendenvertretungen bundesweit mit am teuersten. Wie bewerten Sie die Preise für das Ticket?

Paul-Theodor Pricop: Ein bundesweiter Vergleich bringt für Semestertickets wenig, weil sie unterschiedlich große Bereiche abdecken. Außerdem gibt es starke regionale Unterschiede in der Organisation und Struktur der Verkehrsbetriebe und der angebotenen Streckennetze. Der Bremer Preis ist angemessen, weil wir weit über das Umland hinausfahren können – theoretisch von Magdeburg bis nach Holland.

Die Studierenden fordern eine deutliche Preissenkung für das Semesterticket. Wie stehen Sie dazu?

Die Forderung hat mich überrascht, weil der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Erhöhung erst letzten Herbst zugestimmt hat. Das Streckennetz ist sehr groß und wird von vielen Studierenden für den täglichen Weg zur Universität genutzt. Für den Hochschulstandort finde ich es wichtig, dieses Netz zu erhalten. Deshalb bin ich gegen Proteste für Preissenkungen. Und die lehne ich angesichts der aktuellen Krise auch explizit ab.

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Haben Sie als Mitglied der Jungen Union (JU) und Vorsitzender des RCDS unterschiedliche Betrachtungsweisen zu dem Thema?

Nein, habe ich nicht. Ich engagiere mich ja nicht für eine gewisse Klientel, sondern für das Interesse einer Mehrheit, an die ich glaube. Sowohl der RCDS als auch die JU, die eng miteinander kooperieren, haben sich immer offen und ideologiefrei für die Belange der Studierenden hier in Bremen eingesetzt.

Die Verkehrsbetriebe bieten wiederum einen konstanten Preis an. Ist der vertretbar?

Der VBN ist dem Asta damit einen großen Schritt entgegengekommen. Ein konstanter Preis ist zurzeit durchaus vertretbar. Mit dem neuen Semester erfolgt kein Ausbau des Geltungsbereichs. Das heißt, die Angebote bleiben vorerst gleich. Und weil auch vielen Studenten die Einnahmen in ihren Nebenjobs wegfallen, ist es nur fair, dass der Preis konstant bleibt.

Der öffentliche Nahverkehr fährt durch die Corona-Krise Verluste ein. Wäre eine Preiserhöhung für das Semesterticket legitim?

Studenten können nicht die Rettung des ÖPNV finanzieren. Ich hätte die drei Euro Erhöhung, die auch vom VBN entschieden wurde, mitgetragen. Aber das wäre auch nur ein ganz normaler Inflationsausgleich gewesen. Eine weitere Preiserhöhung müsste immer gut begründet sein, aber in der aktuellen Situation sehe ich das Land und den Bund in der Pflicht, dem ÖPNV auch im Hinblick auf die von uns allen angestrebte Verkehrswende zu helfen.

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Was glauben Sie, was der Asta mit seinem Vorgehen bezwecken will?

Ich halte es für gut und wichtig, dass der Asta seinen Verpflichtungen nachgeht und für die Belange der Studenten eintritt. In diesem Fall scheint er aber alte ideologische Wege zu gehen. Was die vielen Studenten der Universität brauchen, sind umsetzbare Ideen und eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Die Uni ist kein Schauplatz mehr für Werbung politischer Ideen und Krawalle.

Wie sehen Sie es, dass eine Vertretung von jungen Menschen, die sicherlich mehrheitlich zur Verkehrswende steht, den ÖPNV in der größten Krise die Pistole auf die Brust setzt?

Das hat mich echt überrascht. Ich kenne niemanden an der Uni, der die Verkehrswende nicht will. Dazu brauchen wir Studenten ein günstiges Ticket und der ÖPNV die verlässlichen Einnahmen. Alle anderen Beiträge sind bei BSAG und VBN in der Krise stark eingebrochen. Deshalb ist für mich offensichtlich, dass jetzt kein passender Zeitpunkt ist, diese Diskussion zu führen, geschweige denn die Verträge zu kündigen. Das Ergebnis wäre ein Rückschritt in Sachen Verkehrswende. Und viele Studenten wären aufgeschmissen, weil die wenigsten sich ein Auto leisten könnten.

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Auch die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future fordert, dass der ÖPNV günstiger werden muss, damit die junge Generation nicht für eine verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik doppelt zahlen muss. Was halten Sie davon?

Grundsätzlich wollen wir auch, dass der ÖPNV günstiger wird, damit viele Menschen darauf umsteigen und dem Klimawandel entgegenwirken. Nichtsdestotrotz denke ich, dass die Forderung der Fridays und auch der Students for Future allein nicht funktioniert. Ein günstigeres Semesterticket schafft nicht alle erforderlichen Anreize für die Verkehrswende. Gerade in Bremen müssen die Streckennetze ausgebaut werden, damit der ÖPNV für alle attraktiv wird.

Wie muss sich Ihrer Meinung nach eine Verkehrswende gestalten? Wie soll sich der öffentliche Nahverkehr aufstellen?

Die Verkehrsbetriebe brauchen Investitionen in Digitalisierung und umweltfreundliche Antriebe. Und das Streckennetz muss endlich ausgebaut werden. Das sind alles Maßnahmen, die eine langfristige Strategie verlangen. Ich bin persönlich enttäuscht, dass sich einige Parteien Themen wie den Klimawandel seit Jahren auf die Fahne schreiben, aber nicht wirklich etwas gemacht haben – außer ihren Arbeitsplatz zu verwalten.

Das Gespräch führte Pascal Faltermann.

Info

Zur Person

Paul-Theodor Pricop ist Landesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und Mitglied der JU Bremen. Der 24-Jährige studiert Politik und Jura an der Uni Bremen.

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