Anti-Corona-Demos in Bremen

Domglocken lassen „Bremer Freiheit“ verstummen

Bremens gute Stube war am Mittwoch Kulisse für zwei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Die Zahl der Teilnehmer blieb dabei überschaubar, die Zahl der Polizisten überwog.
18.11.2020, 15:30
Lesedauer: 2 Min
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Domglocken lassen „Bremer Freiheit“ verstummen
Von Joerg Helge Wagner
Domglocken lassen „Bremer Freiheit“ verstummen

Die Zahl der Teilnehmer an den Demonstrationen auf dem Bremer Marktplatz gegen die Corona-Maßnahmen blieb überschaubar.

Frank Thomas Koch

So ein massives Polizeiaufgebot hat es in Bremens „guter Stube“ lange nicht gegeben: Gut ein Dutzend Mannschaftswagen umstellen auf dem Marktplatz ein Karree, davor noch einmal Absperrgitter. Polizistinnen und Polizisten in voller Einsatzmontur sichern das Ganze, zumeist in Vierer- oder Fünfergruppen. Am Nachmittag sind die meisten von ihnen augenscheinlich von der Bundespolizei. In der Mitte des Geschehens: 20 bis 30 Demonstranten der Initiative „Querdenken 421“, darunter auch kleinere Kinder. Ihr Protest richtet sich gegen die staatlichen Coronaschutzmaßnahmen, vor allem gegen die am Dienstag von Bundestag und Bundesrat beschlossene Novelle des Infektionsschutzgesetzes.

Gegendemonstranten sind anfangs noch nicht zu sehen. Das ändert sich, als wenige Stunden später eine zweite Kundgebung stattfindet, dieses Mal von einer Initiative „Bremer Freiheit“ mit etwas mehr Teilnehmern, vielleicht 60 bis 80. Die Polizei hat sich bis auf wenige Beamte zunächst in die Mannschaftswagen zurückgezogen, ist aber schnell wieder massiv auf dem Platz vertreten: Zu fünft oder sechst umstellt man Demonstranten, die ohne Maske herumlaufen, und nimmt deren Personalien auf. Dabei kommt es teilweise zu heftigen Wortgefechten, aber dabei bleibt es dann auch.

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Während die Aktivisten der „Bremer Freiheit“ den Marktplatz immer wieder mit dem selben Protestsong beschallen, baut sich in einer Ecke der Widerstand aus dem links-alternativen Spektrum auf und antwortet mit Punkrock aus der Bluetooth-Box - was die Polizei aber nach einigen Minuten unterbindet. Dafür verhindern die Domglocken lange, dass Redner von „Bremer Freiheit“ das Wort ergreifen. Die lassen zunächst ihre selbstgemalten Plakate sprechen: „Die Maske ist ein Symbol des Gehorsams“ liest man da oder „Wider die Hygiene-Diktatur“.

Das eigenartige an diesem Bremer Herbstnachmittag ist, dass hier quasi junge Linke gegen alte Linke demonstrieren. Denn zum Sympathisantenkreis der „Bremer Freiheit“ gehören etliche Veteranen der Friedens- und Gewerkschaftsbewegung. Ihr „Bremer Aufruf zum Dialog“ richtet sich nicht nur gegen die Corona-Maßnahmen, deren Verfassungs- und Verhältnismäßigkeit bezweifelt wird. Ebenso sehr wehrt man sich gegen digitalisiertes Geld, Gesichtserkennung, neue elektronische Ausweise mit europaweiter Identitätsnummer oder die 5G-Technologie im Mobilfunk. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen Rudolph Bauer, Toni Brinkmann, Johannes Feest, Walter Ruffler, Willi Schulze-Barantin und Georg Maria Vormschlag.

++ Dieser Artikel wurde um 18.54 Uhr aktualisiert ++

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