Was Bremen fordert Raum für die Menschen

Umdenken in der Stadtentwicklung, bessere Mobilitätskonzepte und mehr Einsatz für die Energiewende: Der BUND erhofft sich von der nächsten Bremer Landesregierung vor allem Fortschritte für den Klimaschutz.
09.01.2019, 06:00
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Raum für die Menschen
Von Lisa-Maria Röhling

Der Klimaschutz muss in der kommenden Legislaturperiode massiv vorankommen, das ist für Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Landesverbandes, ein wichtiges Anliegen. Zwar liege eine erfolgreiche Klimapolitik nicht alleine in Bremer Hand. Allerdings könne gerade mit der Stadtentwicklung und der entsprechenden Verkehrspolitik ein wichtiger Beitrag geleistet werden. Deswegen fordert der Umweltverband von der nächsten Bremer Landesregierung ein Umdenken in der Stadtentwicklung, bessere Mobilitätskonzepte und mehr Einsatz für die Energiewende.

Stadtentwicklung:

Rode ist sicher: Mit den aktuellen Planungen werde das Stadtbild für die kommenden 50 oder sogar 100 Jahre festgelegt. „Die Stadtentwicklung hat eine Schlüsselfunktion.“ Der BUND erhofft sich deshalb eine Begrenzung der Neuflächenerschließung auf maximal zehn Hektar pro Jahr. Siedlungserweiterungen wie in Brokhuchting und in der Osterholzer Feldmark soll es nicht mehr geben; Wohnraum soll im Bestand geschaffen werden.

Dafür gäbe es eine große Spanne an Möglichkeiten: brachliegende Industrieflächen wie das Brinkmann-Gelände für neue Wohngebäude nutzen, bestehende Gebäude entsprechend effektiv umbauen. Zudem gebe es in der gesamten Stadt unternutzte Bereiche, die man erschließen könne. Dazu gehören laut Rode die Parkflächen an der Waterfront, die in dieser Menge schlichtweg nicht nötig seien, oder das Rennbahngelände. „Dort müsste bei einer Wohnbebauung aber ein Drittel grün bleiben“, betont er.

Zudem fordert der BUND, dass die Politik „ehrgeizige Vorgaben für Klimaschutz, Gebäudebegrünung, Sicherung von Altbaumbeständen und ökologische Baustoffverwendung“ mache. „Die Frage, wie gebaut wird, ist sehr wichtig“, sagt Rode. Deswegen erwarte der BUND auch für den Klimaschutz strenge gesetzliche Vorgaben für die Nutzung von beispielsweise Photovoltaik oder Solarthermie bei Neubauten. „Wir können nicht bei allem auf Freiwilligkeit setzen“, so Rode.

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Mobilität und Verkehrspolitik:

Neue Strategien für den Stadtverkehr erhofft sich der BUND nicht, sondern vielmehr eine Verwirklichung der vorhandenen Pläne, sagt Rode. Denn im Verkehrsentwicklungsplan seien der Bau von Radpremiumrouten, flächendeckendes Parkraummanagment in der Innenstadt oder Fahrradbrücken festgelegt. „Die Politik muss umsetzen, was bereits beschlossen ist“, so Rode. Dafür mangele es allerdings an dem entsprechenden Fachpersonal.

Das müsse sich in den nächsten Legislaturperiode ändern, denn der Stadtraum müsse für die Menschen zurückgewonnen werden. Konkret bedeutet das für den BUND: mehr Wege für Radfahrer und Fußgänger, Tempo-30-Zonen in Wohnquartieren, günstigere Tickets für den Öffentlichen Nahverkehr. Für die Bahn- und Bustickets könne er sich beispielsweise kostenfreie Fahrten im Innenstadtraum oder Vergünstigungen für bestimmte Gruppen vorstellen. „Momentan sind Tickets für eine vierköpfige Familie teurer als die entsprechenden Parkgebühren“, sagt Rode.

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Zudem müsse nicht nur der Autoverkehr reduziert werden, sondern auch der Güterverkehr auf den Straßen. Für den BUND ist bei stetig wachsendem Güterverkehr eine Verlegung auf die Schiene eine Alternative, um damit auch die Belastung der Straßen zu reduzieren. Doch laut Rode fehlen die Konzepte: „Am Autobahnausbau wird viel gearbeitet, an Fahrtwegen auf der Schiene kaum.“

Klimaschutz und Energiewende:

Förderung von erneuerbaren Energien und Reduzierung des Verbrauchs sowie der Ausstieg aus der Kohleverstromung sind für den BUND zentral für eine erfolgreiche Energiewende. Neben den schärferen Regeln für neue Gebäude müsse auch die Sanierungsquote im Altbestand steigen. „Dabei muss die öffentliche Hand endlich Vorbildfunktion übernehmen“, sagt Rode. Zudem gebe es auch für die Elektromobilität einiges zutun: nicht nur E-Autos, sondern andere Fahrzeugtypen und eine andere Verkehrsdichte seien entscheidend. Auch hier sieht der BUND erneut den Nahverkehr als zentralen Hebel: Dort liege ein erhebliches Potenzial, so Rode, um Busse mit Strom aus erneuerbaren Energien auf die Straße zu bringen und so gleichzeitig die Quote der einzelnen Fahrer zu reduzieren.

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