Neujahrsempfang des WESER-KURIER

Redner heben Bedeutung der Demokratie hervor

Rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zum Neujahrsempfang des WESER-KURIER in die Kunsthalle. Bürgermeister Sieling und Vorstand Döbler betonten die Bedeutung der demokratischen Werte.
07.01.2019, 20:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn und Kim Torster
Redner heben Bedeutung der Demokratie hervor

Imposante Kulisse für den Neujahrsempfang des WESER-KURIER: die Bremer Kunsthalle.

Christina Kuhaupt

Ein paar Tage Erholung auf Sardinien, Skifahren mit der Familie in Österreich oder besinnliche Tage bei Freunden und Verwandten sind vorbei, das norddeutsche Nieselgrau hat die Vertreter aus Politik, Sport und Gesellschaft wieder. Weil die Bremer aber ihr winterliches „Schietwedder“ nun mal gewohnt sind, tat es der Stimmung keinen Abbruch beim Neujahrsempfang des WESER-KURIER in der Kunsthalle. Herzliche Begrüßungen, Neujahrswünsche und auch die eine oder andere Frotzelei hallten dort, wo Betrachter sonst eher stille Zwiegespräche mit Alten Meistern oder Vertretern der Moderne pflegen.

Zum ersten Mal in ihren neuen Ämtern als Vorstände der Bremer Tageszeitungen AG begrüßten David Koopmann und Moritz Döbler (der weiterhin auch Chefredakteur ist), rund 250 Gäste, darunter Senatoren und Abgeordnete ebenso wie Vertreter von Vereinen und Initiativen. Das Winterwetter hatte bei seiner Ansprache auch Koopmann im Sinn, weil Eis und Schnee, so sie es denn aus dem Süden in den kommenden Monaten noch bis an die Weser schaffen, besonders in den Morgenstunden die Arbeit der mehr als 1600 Zustellern des WESER-KURIER und anderer Zeitungen erschweren. „Ich möchte mich für ihre tägliche Arbeit bedanken“, sagte Koopmann.

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Was täglich zu lesen ist auf den Zeitungsseiten, ist oftmals im Wortsinn ausgezeichnet. So wie das Dossier „Am Ende“ über die letzten Wochen einer Bremerin in einem Hospiz, für das Redakteurin Katharina Frohne den Katholischen Medienpreis gewann. „Wir sind stolz darauf, solche Texte in der Zeitung zu haben“, sagte Döbler. Im neuen Jahr werden natürlich die Wahlen von Bürgerschaft und Beiräten sowie des neuen Europaparlaments in der Berichterstattung großen Raum einnehmen. „Die Werte der Nachkriegsordnung, also Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder, wie man heute besser sagt, Solidarität, sind unter Druck geraten“, sagte Döbler. Mit einer AfD, die voraussichtlich in Bremen erstmals in Fraktionsstärke in die neue Bürgerschaft gewählt werde, verändere sich auch hier die Demokratie. Mit dem Driften der Gesellschaft nach rechts umzugehen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen werden aus Döblers Sicht wesentliche politische Aufgaben. Für den Wahlkampf wünscht er sich von den Spitzenkandidaten vor allem Glaubwürdigkeit. „Ich glaube, dass das Rennen erst auf den letzten Metern entschieden wird“, sagte Döbler.

Sieling wünscht sich hohe Wahlbeteiligung

Auch Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) betonte in seiner Rede, wie wichtig "eine starke Demokratie" sei. "Ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung, um die AfD und die ganz Rechten kleinzuhalten. Bremen muss eine solidarische und weltoffene Stadt bleiben", sagte Sieling, der bei seinem Aufruf unfreiwillig für Gelächter sorgte, weil er die Gäste zum Gang "in" die Urne aufrief – was eine hohe Wahlbeteiligung natürlich erheblich erschweren würde. Seinen Fauxpas nahm Sieling anschließend mit Humor: "Bitte folgen Sie ein Mal nicht meinem Rat.“

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Der Senat habe in den vergangenen Jahren auf Bremen und Bremerhaven als wachsende Städte gesetzt, sagte Sieling. „Bremens neue Stärke belegen auch die Zahlen aus der Wirtschaft und vom Arbeitsmarkt.“ So habe man zusammen mit den Unternehmen der Stadt 50 000 neue Arbeitsplätze geschaffen, die Arbeitslosenquote gesenkt. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagte Sieling. Vor einem Jahr hatte der Vorstand des Senats für Diskussionen nicht nur unter Historikern gesorgt, als er für den konsolidierten Bremer Haushalt den Begriff „Zeitenwende“ gewählt hatte. Sie sieht Sieling nun endgültig gekommen, „die ersten spürbaren Signale werden deutlich. Wir sind an einer Stelle, an der wir aus dem Schuldenmachen herauskommen.“

Davon gerne profitieren würde Heike Binne. Die Quartiersmanagerin von Lüssum-Bockhorn erzählte den Gästen mit ebensoviel Humor wie Herz von ihrer Arbeit im „Mysterium Bremen Nord“, wo Einrichtungen wie das „Haus der Zukunft“ und der Verein „Glückliche Gartenfreunde“ mit ihren Angeboten helfen, Neubremer wie die aus Afghanistan mit ihrer Familie geflohene Sharife zu integrieren. „Ich möchte stellvertretend für die haupt- und ehrenamtlich Engagierten sagen, dass wir eine bessere finanzielle Absicherung für die Arbeit im Quartier benötigen“, sagte sie. Institutionen wie die ihre benötigten Stabilität, um die Zivilgesellschaft zu stärken. Genügend Ansprechpartner aus Wirtschaft und Politik gab's für Binne beim anschließenden Gespräch.

Einig waren sich wohl alle Besucher in einer Sache: „Es wird ein spannendes Jahr.“ Keinen anderen Satz hörte man im Gedrängel zwischen den Stehtischen häufiger.

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