Maike Schaefer ist Gast im WESER-Strand

Schäfer spricht mit Schaefer

Fast zu kurz ist die Stunde WESER-Strand mit der Bremer Umwelt- und Bausenatorin, denn zu den vielen Themenfeldern ihres Amtes kommt auch noch Biografisches aus dem Leben von Maike Schaefer.
07.03.2020, 16:34
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Schäfer spricht mit Schaefer
Von Timo Thalmann
Schäfer spricht mit Schaefer

Moderatorin Bärbel Schäfer und Bremens Bürgermeisterin und Bau-, Umwelt- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer.

Frank Thomas Koch

Bärbel Schäfer hat es wirklich versucht. Gleich mehrfach hat die Moderatorin nachgebohrt, wen Maike Schaefer denn lieber als grünen Kanzlerkandidaten oder eben -Kandidatin sehen würde: Robert Habeck oder Annalena Baerbock. Aber da blieb die Bremer Bau- und Umweltsenatorin als Gast beim WESER-Strand, dem Talk-Format des WESER-KURIER am Freitagabend auf der Oceana, ganz Politprofi und ließ sich nicht in die Karten gucken. „Die Frage ist völlig verfrüht“ oder „Das steht einfach noch nicht an“ – was Politiker halt so sagen, wenn sie tatsächlich nicht antworten wollen. Denn dass sie nicht wollte, obwohl sie eine Antwort hätte, gab Schaefer durchaus zu. „Wir sind ja eine Partei, die bei sowas gerne ihre Mitglieder befragt. Und wo ich dann mein Kreuz in der Wahlkabine mache, weiß ich schon.“

Shopping mit Jens Spahn

Anders sah das bei der Suche nach einem CDU-Vorsitzenden aus. „Herr Laschet wäre mir da schon am liebsten“, ließ sich Schäfer schließlich entlocken. Und beim Entweder-Oder-Spiel machte Schaefer aus ihrem Herzen ebenfalls keine Mördergrube und entschied sich zumeist sehr schnell für eine der beiden von Namensvetterin Schäfer vorgegebenen Varianten: Die Katze in den Ferien lieber zu Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) als zu FDP-Fraktionschefin Lenke Wischhusen, lieber mit Annalena Baerbock als Kapitänin auf einem Segelschiff als mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), lieber mit Grünen-Urgestein Jürgen Trittin zum Fünf-Gänge-Menü als mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), lieber mit Grünen-Bundesfraktionschef Anton Hofreiter zum Frisör als mit Jürgen Kemmerich auf eine FDP-Sitzung, lieber mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Ikea-Regal aufbauen als mit FDP-Chef Christian Lindner, lieber mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Shoppingtour als mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Nur bei der Frage, ob sie lieber mit dem CDU-Politiker Norbert Röttgen oder SPD-Justizstaatsrat Björn Tschöpe in Quarantäne ginge, bevorzugte sie dann doch die selbst gewählte Alternative Robert Habeck.

Am Thema Coronavirus und seinen Folgen kam man ohnehin nicht vorbei. „Ich bin noch im Modus des Händeschüttelns“, gestand Schaefer zur Begrüßung. Gastgeberin Schäfer reichte demonstrativ Desinfektionsmittel. Doch die Senatorin sah bei aller gebotenen Vorsicht keinen Anlass zu ernsthafter Sorge. Zu größeren Vorräten „Dosenfutter“ mochte sich die Grüne bislang nicht durchringen, aber immerhin: Statt einer Packung Spaghetti seien es bei ihrem vorigen Einkauf doch zwei geworden.

Weser Strand Talk - mit Moderatorin Bärbel Schäfer

WESER-Strand-Talk - mit Moderatorin Bärbel Schäfer

Foto: Frank Thomas Koch

Schaefer machte sogleich deutlich, dass Sorgen des Einzelnen durchaus ernst zu nehmen seien, es gebe nur keinen Grund zu allgemeiner Aufregung oder gar Panik. „Wir können nichts anderes tun, als die Entwicklung von Tag zu Tag zu bewerten.“ Genau das tue der Krisenstab des Senats. Doch schon jetzt könne man zumindest die Lehre ziehen, wie abhängig Deutschland von internationalen Lieferketten sei, die nun ins Stocken geraten seien. „Da wäre es schon angebracht zu überlegen, wo können wir uns solche Abhängigkeiten nicht mehr leisten.“

Wie sie eigentlich zur Politik gekommen sei, wollte Bärbel Schäfer wissen und öffnete damit einige Einblicke in die Biografie ihres Talk-Gastes. Sie sei in einem politisch interessierten Haushalt groß geworden, erzählte Schaefer. „Ob bei der abendlichen ,Tagesschau' oder am Mittagstisch: Politik war Thema.“ Beide Eltern seien als Sozialarbeiter sehr engagiert gewesen. „Da war mir früh klar, dass ich etwas anders machen will.“ Die Entscheidung Biologie zu studieren, habe sie im Grunde schon mit 14 getroffen. In die Politik sei sie eher so „hineingeschlittert“, aber noch immer sei ihr Antrieb, etwas für die Umwelt zu tun. „Das war immer mein Motiv.“

Etwas für seine Interessen zu tun und am Ende vielleicht etwas zu bewegen, das bezeichnete Schäfer als die positiven Erfahrungen ihres politischen Lebens. Aber sie berichtete auch von „grenzwertigen Begegnungen“ mit Widersachern, die einem jeden Respekt versagten. Sie erinnere sich noch gut an ungerechtfertigte und beleidigende Vorwürfe in Bürgerversammlungen, die sie auch mit nach Hause genommen habe. „Mit der Zeit härtet man etwas ab und ich als Senatorin bekomme inzwischen ja Geld dafür“, sagte Schaefer. Aber für jemanden, der sich zum Beispiel in einem Beirat ehrenamtlich engagierte, könne das schwierig werden. Die Frage, ob der Ton in der Politik rauer geworden ist, bejahte Schäfer ohne jedes Zögern.

Bewusst rational

Weser Strand Talk - mit Gast Maike Schaefer - das Honig Spiel

WESER-Strand-Talk - mit Gast Maike Schaefer (Grüne) beim Honig-Spiel. Den ganzen Talk sehen Sie auch im Video.

Foto: Frank Thomas Koch

An vielen Sachfragen machte sie quasi nebenbei deutlich, wie wenig gewillt sie ist, sich von allgemeiner Aufregung anstecken zu lassen. Stets verwies sie auf rationale Zusammenhänge. Beispiel Lesumbrücke und der allmorgendliche Stau durch die Sanierung: Da müsse sie als Nordbremerin ja selber jeden Tag durch und, ja klar, manchmal nerve es, wenn etwa ein Termin anstehe. Niemand stehe gern im Stau, das verstehe sie. „Aber die durchschnittliche Verzögerung beträgt fünf bis sieben Minuten, manchmal gibt es gar keine, manchmal sind es 20 Minuten. Das Gestöhne ist jedenfalls größer, als die es die Sache wert ist.“ Und dann folgt ganz rational die Einordnung. Schnell ist Schaefer dann bei der Gesamtlebensdauer der Brücken in Deutschland, dem zunehmenden Verkehr, für die die Brücken nicht gedacht waren und Unglücken mit eingestürzten Brücken in Italien und Frankreich. „Das sind ja alles auch Sicherheitsfragen.“

Zum Schluss wurde es nochmal privat. Schäfer präsentierte Schaefer ein Suchspiel mit Katzenbildern. Ob sie ihre eigene Katze Cleo an den Augen erkennen könne. Schaefer tippte richtig. „Die hat ein Freund mitgebracht und wir haben sie aufgepäppelt. Das Tier war herrenlos und sehr ausgehungert – und jetzt gehört sie halt dazu.“ Katzen kümmerten sich ja zum Glück ganz gut um sich selbst. „Für einen Hund fehlt gerade die Zeit.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+