Zwei Frauen

Schicksal der Bremer IS-Unterstützerinnen ist ungewiss

Die Frauen wurden im Irak zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Wo sie jetzt sind, ist unklar.
13.03.2019, 20:03
Lesedauer: 3 Min
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Schicksal der Bremer IS-Unterstützerinnen ist ungewiss
Von Birgit Svensson
Schicksal der Bremer IS-Unterstützerinnen ist ungewiss

Bewaffnete verschleierte Frauen in einem Propagandavideo der IS-Miliz.

Syriadeeply

Die beiden aus Bremen stammenden Frauen, die als Unterstützerinnen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in den Mittleren Osten gereist waren und im Irak zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, sind nicht von Syrien in den Irak überstellt worden. Wie der WESER-KURIER aus sicheren Informationsquellen in Bagdad erfuhr, wurden die beiden im Nordirak aufgegriffen, als das Kalifat dort sein letztes Territorium verlor. Danach seien sie in einem eigens für IS-Familien eingerichteten Lager in der Nähe von Tikrit gefangen gehalten worden, bis der Prozess in Bagdad gegen sie begann.

Die beiden Bremerinnen sind nicht die einzigen Deutschen, denen im Irak der Prozess gemacht wurde. Außerdem stehen noch etliche Verfahren gegen ausländische Kämpfer aus, darunter auch Deutsche. Insgesamt sollen noch mehr als 30.000 IS-Kämpfer und Sympathisanten in irakischen Gefängnissen sitzen. Überstellungen aus Syrien in den Irak habe es bislang nicht gegeben. Die Urteile gegen die im Irak aufgegriffenen Dschihadisten und deren Angehörige werden alle in Bagdad gefällt, die Verurteilten dann oft nach Nasserija im Süden Iraks verbracht, wo das größte Gefängnis für IS-Kämpfer ist. Ob die beiden Frauen aus Bremen inzwischen verlegt wurden, konnte bisher nicht ermittelt werden.

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Es wird immer enger für den „Islamischen Staat“, der Terrormiliz, die 2014 in Syrien und dem Irak ein Kalifat errichtete. Das Territorium, das sie gut drei Jahre lang kontrollierten, hatte zeitweilig die Größe Großbritanniens, obwohl es sehr viele unbewohnte Wüstengebiete umfasste. Doch der dann einsetzenden Anti-IS-Allianz aus 79 Staaten und internationalen Organisationen waren die Dschihadisten nicht gewachsen, die Übermacht war zu stark.

Nahezu täglich gibt es Meldungen über Festnahmen, auch deutscher IS-Kämpfer. Anfang Januar haben die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), Teil des SDF-Militärbündnisses, acht ausländische Dschihadisten festgenommen, darunter einen 31 Jahre alten Deutschen. Er ist einer der prominentesten ausländischen IS-Kämpfer, der nun im Osten Syriens gefangen gehalten wird, soll aus Sachsen-Anhalt stammen und Martin Lemke heißen. Unter seinem Kampfnamen Abu Zakaria al-Almani soll er in der Hierarchie der Terrormiliz ungewöhnlich schnell aufgestiegen sein und schließlich für den IS-Geheimdienst gearbeitet haben.

Ungewiss, was die Inhaftierten erwartet

Seine beiden noch lebenden deutschen Frauen nebst Kinder sollen in einem eigens für IS-Familien eingerichteten Lager untergebracht sein. Seine dritte Frau, eine Französin, ist bei einem Luftangriff in der ostsyrischen Provinz Deir es-Zor ums Leben gekommen. Was die Inhaftierten erwartet, ist noch höchst ungewiss. Weder Syrien noch der Irak unterhalten ein Auslieferungsabkommen mit Deutschland, außerdem sind die SDF nicht als Staatsregierung anerkannt.

Um ihr Schicksal kreist momentan eine heftige Debatte. Zum einen fordert US-Präsident Donald Trump die Europäer auf, ihre Staatsbürger zurückzunehmen, die mit dem IS gekämpft haben – also auch Deutschland. Frankreich ist der Aufforderung nachgekommen und hat sich bereit erklärt, Franzosen, die im kurdisch kontrollierten Nordosten Syriens verhaftet werden, zurück nach Frankreich zu führen. Großbritannien lehnt dies bis jetzt ab. Deutschland tut sich schwer mit einer Entscheidung.

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In der Diskussion ist die Aberkennung der Staatsbürgerschaft nach bestimmten Kriterien. Hat ein IS-Kämpfer zwei Staatsangehörigkeiten, so gilt die jeweils nicht-deutsche und die Bundesrepublik muss ihrem Auftrag, deutsche Staatsbürger zu schützen, nicht mehr nachkommen. Anders verhält es sich mit den Kindern deutscher IS-Kämpfer. Sie sollen nach Deutschland geholt werden. In einigen Fällen ist dies schon geschehen.

Die Lage in Syrien ist unübersichtlich

Dem Bundesinnenministerium in Berlin liegen Erkenntnisse zu 1050 mutmaßlichen Islamisten mit deutschem Pass vor, die bis 2018 nach Syrien und Irak aufgebrochen sind. Wie viele von ihnen Doppelstaatler sind, noch am Leben sind oder sich noch in der Region befinden, ist schwer auszumachen. Während im Irak die Lage einigermaßen übersichtlich ist und die fortlaufenden Prozesse einen Überblick ermöglichen, ist es in Syrien völlig unmöglich festzustellen, wer sich wo aufhält. Die unterschiedlichen Einflusssphären und die Zersplitterung des Landes lassen dies nicht zu.

So gibt es lediglich Meldungen über die kurdisch kontrollierten Gebiete im Nordosten Syriens, wo auch Amerikaner und Franzosen operieren. Von den Gebieten, die inzwischen wieder unter der Kontrolle der Regierung in Damaskus sind, gibt es so gut wie gar keine Informationen, was mit ausländischen IS-Kämpfern geschieht.

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