Emissionsfreier Transport

Schokolade on tour

Mit Fahrrädern haben ADFC-Radler 90 Kilo Schokolade von Amsterdam nach Bremen gebracht. Das einzige Problem: die warmen Ostertage, denn Kühlmöglichkeiten gibt es nicht auf den Lastenfahrrädern.
26.04.2019, 17:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Schokolade on tour

Emissionsfrei auf Achse: Per Lastenfahrrad wurde die süße Ladung transportiert, an der Schlachte war Endstation.

Anne Werner

Vor der Jugendherberge Bremen parken mehrere Lastenräder, schwer bepackt mit Alukisten und großen Schachteln. Der Inhalt: hochfeine Schokolade. „Wir haben die Tafeln von je 90 Gramm aus Amsterdam abgeholt und auf Fahrrädern nach Bremen gebracht“, sagt Wolfgang Bevern vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bremen, „90 Kilo Schokolade werden an Läden und Privatpersonen in Bremen ausgeliefert, der andere Teil der Gruppe fährt mit 180 Kilo weiter nach Hamburg und Schleswig-Holstein.“

Die Manufaktur „Chocolatemakers“ in Amsterdam kauft biologischen und fair gehandelten Kakao von hoher Qualität direkt bei Kooperativen aus dem Kongo, aus Peru und der Dominikanischen Republik an. Die Maschinen in der Manufaktur arbeiten mit Sonnenenergie, die Kakaobohnen werden dort auch selbst geröstet und gerührt, bis hochfeine Schokolade mit zartem Schmelz entsteht. Schon der Transport vom Anbauland über den Atlantik geschieht emissionsfrei: Aus der Karibik wird der Kakao mit dem Frachtsegler „Tres Hombres“ nach Europa gebracht, also unter Ausnutzung der Windenergie.

Und bei der Verteilung der fertigen Schokolade an die Zielstädte in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird konsequent weiter klimafreundlich verfahren: C auch auf der Schokofahrt von Amsterdam nach Bremen. Die Tour, veranstaltet vom ADFC in Kooperation mit dem Körner Klub Bremen, Bremen bike it, dem Bremer Liegeradtreffen und Slokoffie, will damit auf nachhaltige Mobilität und bewussten Genuss aufmerksam machen.

Das Luxusprodukt, das in mehreren Bremer Geschäften erhältlich ist, hat freilich auch seinen Preis: Die Tafel wird zum Preis von 3,99 bis 4,99 Euro verkauft. Die Veranstalter hoffen jedoch, dass die Käufer es zu schätzen wissen, dass vom Anbau und der Ernte des Kakaos bis zum Endverbraucher Ökologie, fairer Handel und Klimafreundlichkeit konsequent durchgehalten werden.

In drei Etappen nach Bremen

„Die knapp 200 Leute in Amsterdam haben zwei Tonnen Schokolade abgeholt, das entspricht zwei Monatsproduktionen“, berichtet Wolfgang Bevern, „und unter den vielen Privatpersonen, Vereinen und Initiativen ist nun auch Bremen erstmals dabei. Für andere war es bereits die fünfte Tour.“

Die lange Etappe mit schwer bepackten Lastenrädern hat manche Teilnehmer ziemlich gefordert: „Wir sind in drei Etappen von Amsterdam nach Bremen geradelt“, sagt Wolfgang Bevern, „und haben teils gezeltet, teils in festen Wohnungen übernachtet. Insbesondere bei den Campern musste sich erst noch ein Gruppengefüge bilden.“ Denn die Tour hatte es in sich: „Um sechs Uhr morgens hieß es aufstehen, am Zielort kamen wir nicht vor 18 Uhr an, dann hieß es Essen kochen, und danach war man nicht mehr in der Lage, noch viel zu tun. 700 Kilometer in drei Tagen waren für manchen schon eine ziemliche Herausforderung.“ Wolfgang Bevern hat sich für die Schokotour extra eine Woche Urlaub genommen. „Die Aktion lebt von viel Idealismus, doch in einer Art Schneeballsystem sind in jedem Jahr mehr Teilnehmer dazugekommen“, sagt ADFC-Mitglied Frank Heinrich, der auch mitgeradelt ist. „Denn die vielen Geschichten und Erlebnisse um die lange Fahrradtour herum locken immer mehr Leute an.“

Die warmen Ostertage machten allerdings der leicht schmelzenden Schokolade zu schaffen, denn Kühlmöglichkeiten auf den Lastenrädern gab es nicht.

Die Schokotour hat vor allem Event-Charakter, doch Wolfgang Bevern denkt auch an ähnliche Aktionen für Kaffee, für den ein Logistik-Netzwerk aufgebaut werden soll. Da die Ware unempfindlich gegen Erschütterungen sein muss und nicht allzu zu schnell verderben darf, kommen Obst und Gemüse aus anderen Erdteilen nicht in Frage.

„Unterwegs haben wir auf den Autobahnen gesehen, wie viele LKWs unterwegs sind, die Güter aus anderen Ländern transportieren“, sagt Bevern, „die Verteilung von Lebensmitteln und Luxusprodukten an die Endverbraucher ist immer noch mit erheblichem CO2-Ausstoß und damit Klimabelastung verbunden.“ Wolfgang Bevern schwärmt von der weit besseren Oberflächenqualität der Radwege in den Niederlanden. „Wir haben es sofort an der Fahrbahn gemerkt, als wir in Deutschland ankamen.“

Weitere Informationen

Geschäfte, in denen die emissionsfrei transportierte Schokolade angeboten wird, finden sich auf der Internetseite www.schokofahrt.de. Anmeldungen für die nächste Schokofahrt im Herbst nimmt der ADFC unter der E-Mail wolfgang.bevern@adfc-bremen.de entgegen.

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