Prachtbau am Bremer Marktplatz Schütting-Sanierung startet: Wat mutt, dat mutt

Viele Jahre wurden die Feuchtigkeits- und Salzschäden im Keller des Schütting nur übertüncht. Doch damit ist nun Schluss, die Handelskammer nimmt mehr als eine Million Euro für die Sanierung in die Hand.
11.01.2020, 19:45
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Schütting-Sanierung startet: Wat mutt, dat mutt
Von Frank Hethey

Zu Silvester sei in seinem Restaurant noch ordentlich Betrieb gewesen, sagt Gastronom Stefan Schröder. „Da war hier Highlife.“ Doch nun herrscht gähnende Leere in den Kellergewölben des Schütting, fürs Erste werden im „Feines 1783“ keine kulinarischen Leckerbissen mehr serviert. Der Grund: Weil sich Feuchtigkeit und Salz in den Außenmauern des Prachtbaus aus dem 16. Jahrhundert eingenistet haben, muss er saniert werden.

In der kommenden Woche sollen die Arbeiten beginnen. Bei der Gelegenheit soll auch der im Untergeschoss ansässige Club zu Bremen einen eigenen Eingang bekommen. Mit Kosten in Höhe von weit mehr als einer Million Euro rechnet Hausherr Günther Lübbe, Syndicus der Handelskammer.

Die Schäden hatten zuletzt Überhand genommen. Im Eingangsbereich des Restaurants platzt der Putz von der Wand, sogenannte Aufblühungen zeigen an, wie schlecht es um das Mauerwerk steht. Weiter unten ist davon zwar nichts zu sehen. Aber nur, weil Restaurantbetreiber Schröder die schadhaften Stellen mit voluminösen Platten abgedeckt hat. Kaum besser schaut es in der benachbarten Kaffeestube aus, der exklusiven Clubräumlichkeit. Mit bloßen Händen ist die Feuchtigkeit im Gemäuer zu spüren. In einer Sitznische haben sich erste Fliesen von der Wand gelöst. Dass auch der Tiefkeller unter dem Restaurant betroffen ist, versteht sich von selbst.

Keine Überraschung

Wirklich überraschend kommt der jetzt festgestellte Sanierungsbedarf nicht. Über Jahrzehnte begnügte man sich damit, die feuchten Stellen mit Sanierputz zu übertünchen. Mit der Flickschusterei soll nun endgültig Schluss sein, die Handelskammer als Eigentümerin des denkmalgeschützten Gebäudes strebt eine dauerhafte Lösung an. Und kann dabei auf die uneingeschränkte Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege setzen. „Es ist wichtig, die Ursachen zu beheben“, betont Landeskonservator Georg Skalecki, „es bringt nichts, nur an den Symptomen herumzudoktern.“

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Ursprünglich wollten die zu Rate gezogenen Experten dem feuchten Mauerwerk von außen zu Leibe rücken. Doch davon nahm man wieder Abstand, weil praktisch die gesamte Energieversorgung der Innenstadt rund um den Schütting verläuft. „Die Leitungen reichen teils bis zu 30 Zentimeter ans Gebäude“, sagt Architekt Andreas Uecker. Ein Bagger hätte versehentlich ein wichtiges Kabel durchtrennen können. „Deswegen haben wir uns für die zweitbeste Variante entschieden.“

Salzsperre geplant

Und die sieht vor, das Problem von innen statt von außen anzugehen. Dabei soll ein bei historischer Bausubstanz schon erprobtes System der Innenwandabdichtung zum Einsatz kommen. „Die endgültige Entscheidung fällt aber erst auf der Baustelle“, sagt Skalecki. Auf dem Fußboden und an den Wänden bis zu einer Höhe von 2,20 Metern ist zusätzlich eine Salzsperre geplant. Doch woher kommt das Salz überhaupt? Architekt Uecker verweist auf historische Begebenheiten. Auf dem Marktplatz sei früher viel Salz angeliefert worden, ein Teil davon sei im Erdreich versickert. „Daher gibt es hier eine viel höhere Salzbelastung als anderswo.“

Die überfällige Sanierung nutzt die Handelskammer für einige Modernisierungen. „Im Tiefkeller stehen Elektroarbeiten auf dem Programm, auch den Brandschutz wollen wir auf den neuesten Stand bringen“, sagt Lübbe. Für den bisher nicht beheizbaren Clubraum steht zumindest für einen Teilbereich eine Fußbodenheizung auf dem Wunschzettel. Den alten Eingang zur Kaffeestube am Markt wieder zu öffnen, drängt sich laut Lübbe geradezu auf. Denn: „Bisher müssen die Clubmitglieder hinten durch den Lieferanteneingang kommen.“ Mit der Club-Vorsitzenden Claudia Nottbusch sei das Vorhaben abgestimmt.

Immer mit von der Partie ist das Landesamt für Denkmalpflege. Sich um geschützte Altbausubstanz zu kümmern, gehört zu den Kernaufgaben der Fachleute aus der Sandstraße. Nichts darf am Schütting verändert werden ohne Zustimmung der Denkmalpfleger. Das gilt auch, obschon das historische Bauwerk infolge massiver Bombenschäden in den frühen Nachkriegsjahren erst wiederaufgebaut werden musste. Nur die Außenmauern standen noch, das Gebäude war laut Skalecki „komplett ausgebombt“.

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Ein Stresstest ist die Sanierung für Gastronom Schröder, auch wenn die Handelskammer ihm den voraussichtlichen Verdienstausfall vertragsgemäß erstattet. „Bei Umbauten bin ich immer sehr unentspannt“, sagt er. Deshalb werden die Arbeiten auch auf der Restaurant-Etage beginnen, erst danach kommt der Tiefkeller an die Reihe. Syndicus Lübbe rechnet mit einer Sanierungsdauer bis Ende Mai, Schröder würde gern schon früher wieder an den Start gehen. „In der wärmeren Jahreszeit ohne Außengastronomie, das wäre ein Problem.“

Für die Angestellten der Handelskammer in den oberen Etagen läuft die Arbeit indessen normal weiter, es ist allenfalls mit Lärmbelästigungen zu rechnen. Auch für die Teilnehmer der Schaffermahlzeit im Februar wird der traditionelle Gang vom Schütting zum Rathaus natürlich nicht gestrichen. „Von einer Baustelle loszugehen, ist vielleicht nicht gerade schön“, sagt Lübbe – aber wat mutt, dat mutt, wie man in Anlehnung an das Schütting-Motto „buten un binnen, wagen un winnen“ sagen könnte.

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