Neun Bremer Schulen betroffen

Bremer Schulküchenverein löst sich auf

Als Caterer war der Schulküchenverein in Bremen an neun Bildungsstätten für die Verpflegung zuständig. Nun löst sich der Verein auf, über die Zukunft der Angestellten wird verhandelt.
13.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Schulküchenverein löst sich auf
Von Frank Hethey
Bremer Schulküchenverein löst sich auf

Die Essensverpflegung in Schulen wird in den Bundesländern und Kommunen unterschiedlich geregelt.

Franziska Kraufmann /dpa

Wenn im August das neue Schuljahr beginnt, wird ein Akteur in der Schulverpflegung nicht mehr dabei sein: Der gemeinnützige Schulküchenverein, der als Caterer neun Schulen in Bremen und vier in Oldenburg mit Mittagessen versorgt, steht vor der Auflösung; die Verträge der 60 Angestellten werden dem Vernehmen nach zum 31. Juli gekündigt. Über ihre Zukunft verhandelt derzeit der Vereinsvorstand mit dem Betriebsrat sowie Vertretern der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), das nächste Gespräch ist für die kommende Woche angesetzt.

Kalt wird die Küche in den betroffenen Schulen, darunter vier der acht Bremer Gymnasien, zum Schulstart aber nicht bleiben. Laut Bildungsressort gibt es eine Nachfolgelösung mit den Bremer Küchenleitern des Vereins, die eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet haben, eine Art Mini-GmbH. Dennoch muss der Betrieb der neun Schulmensen jetzt neu ausgeschrieben werden. „Das wird vorbereitet“, sagt Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts.

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Vom Schulküchenverein selbst ist nur wenig zu hören. „Wir sprechen mit dem Betriebsrat unseres Schulküchenvereins auf vertraulicher Ebene“, lässt die Vorsitzende Katharina Reif wissen. Ihr angekündigter Rückzug aus dem Vorstand gilt als ausschlaggebender Grund für die Vereinsauflösung. Wie aus der Bildungsbehörde zu hören ist, liegen persönliche und berufliche Gründe dafür vor. Das bestätigt auch ihr Ehemann Michael Thun, Leiter der Vernetzungsstelle Schulverpflegung im Land Bremen. „Meine Frau arbeitet in einer Klinik, also in einem systemrelevanten Beruf.“

Kein Interesse am Schicksal der Mitarbeiter

Im Umfeld des Schulküchenvereins brodelt derweil die Gerüchteküche. Mit Hinweis auf Thuns Tätigkeit wird über einen „Interessenkonflikt der ersten Vorsitzenden“ gemunkelt. Der Vorwurf: Ein Reif-Nachfolger sei nicht ernsthaft gesucht worden, es gebe kein Interesse am Schicksal der Mitarbeiter. Spekuliert wird auch über Thuns Rolle als Inhaber der Beratungsfirma „esscooltur“, die als Träger der Vernetzungsstelle fungiert.

Thun reagiert gelassen auf die Gerüchte. „Mit der Bildungsbehörde unterhält 'esscooltur' keine Geschäftsbeziehungen, gerade damit es keinen Anschein von Interessenkonflikt geben kann.“ Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung wird mit Bundesmitteln betrieben, arbeitet aber im Auftrag der Bildungsbehörde als kommunalem Schulträger. Vernetzungsstellen gibt es in sämtlichen Bundesländern, eingerichtet wurden sie ab 2009 im Rahmen eines nationalen Aktionsplans zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens. Die Vernetzungsstellen sollen ein Netzwerk aller Akteure aufbauen, die an der Ernährung von Kindern und Jugendlichen in und mit den Schulen beteiligt sind.

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Mit der Auftragsvergabe für die Schulverpflegung hat die Vernetzungsstelle nichts zu tun, das ist Sache der jeweiligen Schulträger – ob Bildungsbehörde, private Träger, evangelische oder katholische Kirche. Derzeit präsentiert sich die Schulverpflegung in Bremen als bunter Flickenteppich völlig unterschiedlicher Akteure. Auf dem Markt tummeln sich gewerbliche Caterer, einige gemeinnützige Träger wie der Schulküchenverein und schließlich Schulvereine, die nur die Verpflegung in der eigenen Schule übernehmen wie am Gymnasium Horn.

Anfänge vor 14 Jahren

Der Schulküchenverein hat im Mai 2006 als Schulküche der Freien Waldorfschule Sebaldsbrück angefangen, firmiert aber inzwischen als Schulküche der Freien Waldorfschule Osterholz, die Bezeichnung als Schulküchenverein ist die Kurzform. Von zwölf Müttern ins Leben gerufen, versorgte der Verein bald auch andere Schulen mit Essen. Für den ehrenamtlichen Vorstand war das nicht zu bewältigen, die operative Arbeit übernahm eine hauptberufliche Geschäftsführung. „Und die war immer ausgesprochen schlank und schmal“, sagt Thun, „sonst wären die Essenspreise gestiegen.“ Das Innovative am Schulküchenverein: Pro Schule agiert immer nur ein autonomes Team. „Da gibt es keine zentrale Struktur, alles ist komplett dezentralisiert.“

Erste Überlegungen, einen radikalen Schnitt vorzunehmen, hat es laut Thun schon vor zwei Jahren gegeben. „Die Mütter haben schon lange keine Schulkinder mehr, die Struktur hat sich überlebt.“ Überraschend kommt die Vereinsauflösung für ihn daher nicht, mit der Corona-Krise habe die Entwicklung nichts zu tun. Aus seiner Sicht steht allerdings nur die übergreifende Vereinsstruktur auf dem Prüfstand, denn die Arbeit in Teams habe sich als „extrem gut funktionierendes Modell“ bewährt.

Die Auflösung des Schulküchenvereins ist in Thuns Augen ein passender Anlass, um über eine grundsätzliche Reform der unübersichtlichen Essensversorgung an den Bremer Schulen nachzudenken. Seine Idee: die Gründung eines kommunalen Eigenbetriebs, der nicht nur die Schulen mit qualitativ hochwertigem Essen versorgt, sondern auch andere Einrichtungen wie städtische Kitas und Krankenhäuser. „Man müsste eine Einrichtung aus einem Guss schaffen, dafür ist jetzt ein guter Zeitpunkt“, sagt Thun.

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