Wo der neue WESER-KURIER-Podcast spielt

Senatoren sind Stammgäste im Gasthof zum Kaiser Friedrich

Der Podcast „Hinten links im Kaiser Friedrich“ entsteht nicht von ungefähr in dem Bremer Traditionsgasthaus. Es ist seit vielen Jahren eine Nachrichten- und Informationsbörse über bremische Politik.
30.01.2020, 18:28
Lesedauer: 3 Min
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Senatoren sind Stammgäste im Gasthof zum Kaiser Friedrich
Von Wigbert Gerling
Senatoren sind Stammgäste im Gasthof zum Kaiser Friedrich

Uwe Richter ist Chef im Gasthof zum Kaiser Friedrich am Eingang des Schnoors, einem Treffpunkt für aktuelle und ehemalige Politiker.

Frank Thomas Koch

Er ist eine Institution. Geschichtsträchtig, keine Frage, und ein bisschen Stolz schwingt zu Recht immer mit. Es geht hier aber vorrangig nicht, wie man meinen könnte, um eine Person, auch nicht etwa um den deutschen Monarchen Friedrich III., jedenfalls nicht direkt, sondern es geht speziell um den Gasthof in einem historischen Haus am Eingang zum Schnoor. Benannt ist er allerdings genau nach jenem Hohenzollern-Herrscher. Und weil dieses Lokal wie kaum ein anderes in Bremen eine lange Tradition wegen politischer Hintergrundgespräche hat, ist es für den WESER-KURIER-Podcast ausgewählt worden: „Hinten links im Kaiser Friedrich.“

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Hoch zu Ross ist Kaiser Friedrich III. für viele Schnoor-Besucher gleich draußen auf einem gerahmten Gemälde an der Wand zu sehen. Stattlich – das Pferd, und er erst recht. Geht man dann in das Gasthaus hinein, wird man von gerahmten Bildern geradezu überflutet. Die Räume sind voller Bilder, im Schankraum rechts, und auch die Gäste, die sich an die Tische in den Räumen links des Eingangs setzen, können beim Blick an die Wände ein wenig rätseln: „Ist das nicht . . .?“

Ja, da hängt zum Beispiel ein Bild des hohen Parteifunktionärs Richard Boljahn, ein Sozialdemokrat, der im Zuge des Baulandskandals, der einst vom WESER-KURIER aufgedeckt wurde, zu zweifelhaftem zusätzlichem Ruhm kam. Ja, da hängt doch Ernst Waltemathe, der über 20 Jahre lang für Bremen im Bundestag war. Ja, da sieht man im Raum links an der Wand zum Beispiel auch einen „Orden“, der einst dem quirligen Uwe Richter verliehen wurde, dem Chef im Gasthof zum Kaiser Friedrich. „Dass Politiker sich hier bei uns zum Gespräch treffen, das hat eine Tradition, die bis 1951 zurückreicht,“ sagt er.

Besagter Orden wurde ihm – mit einer dazugehörigen, korrekt unterzeichneten Urkunde – unter anderem von Staatsräten verliehen, die zwar nicht mehr im Amt sind, aber diesen Gasthof am Schnoor-Eingang für ihren Stammtisch am Mittwochmittag auserkoren haben. Sie tagen dort bis heute. Uwe Färber gehört zum Beispiel dazu, von 1999 bis 2007 gleich nach dem Senator der stellvertretende Chef im Wirtschafts- und Häfenressort. Oder Günter Dannemann, Staatsrat im Haus des Reichs, zuständig vorrangig für die bremischen Finanzen (1994 bis 2003).

Zugehörig sind auch die ranggleichen Fritz Logemann und Arnold Knigge. Und willkommen sind auch Spitzenvertreter aus der Wirtschaftsförderung, Dieter Russ, und der Justiz, wie Rüdiger Tönnies, bis vor gut zehn Jahren mehr als anderthalb Jahrzehnte lang Präsident des Amtsgerichts Bremen. Oft gibt es Suppe.

Gasthaus-Chef Uwe Richter hat fest im Programm, dass sich unverändert der „Exil-Senat“ in seinem Lokal regelmäßig trifft. „Die ehemaligen Senatoren kommen an jedem zweiten Dienstag,“ sagt er. Diskretion ist für ihn Ehrensache – aber man kann selbst beobachten, wie dann zum Beispiel Helmut Fröhlich Platz nimmt, der im Senat von Hans Koschnick über drei Legislaturperioden hinweg Senator für Inneres war (bis 1983). Oder Bernd Meyer, einst Lehrer, dann aber unter anderem Bausenator. Er gilt im Kaiser Friedrich als Vorsitzender dieses „Exil-Senats“.

Häufig kommt dieser Kaiser Friedrich, mit dem die Erwartung und Hoffnung auf eine liberale Ausrichtung von Preußen und dem Deutschen Reich verknüpft war, im bremischen Stadtbild offenbar nicht vor. „So weit ich weiß, gibt es sonst nur das große Reiterstandbild an der Slevogtstaße,“ sagt Richter. Nicht nur, aber vorrangig ist in seinem Lokal, in dem die Politik überall präsent ist, vorne rechts im Schankraum der Platz an den Wänden für Royales aus dem Hause Hohenzollern reserviert. Das war im vorvorigen Jahrhundert schließlich für Deutschland höchste Politik. Da hängt drinnen auch nochmals der, der schon von draußen zu sehen ist: Kaiser Friedrich III. Auf größeren Bildern ist nicht nur er verewigt, sondern zum Beispiel auch Wilhelm I. sowie Wilhelm II., der ungeliebte Sohn des Namensgebers des Gasthofs, der 1888 nur 99 Tage auf dem Kaiserthron in seiner Potsdamer Residenz war und an Lungenkrebs starb.

Der WESER-KURIER-Podcast „Hinten links im Kaiser Friedrich“ wird produziert von Silke Hellwig und Wigbert Gerling.

„Hinten links im Kaiser Friedrich“ wird produziert von und mit Silke Hellwig und Wigbert Gerling.

Foto: Sebastian Schwind

Ganz hinten links im Kaiser Friedrich ist dann dieser Raum, der sich – in dieser traditionsreichen Umgebung – für einen Podcast über bremische Politik, über Hintergründe, Hinterbänkler („Vorderbänkler“ werden selbstredend nicht ausgenommen) eignet. Auch hier hängen die Bilder dicht an dicht an der Wand. Auch von Politikern, die hier Rast machten. Unter anderem vom langjährigen Parlamentspräsidenten Dieter Klink, der vom Foto auf die Tische unter sich schaut. Geradezu gnädig.

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