Glosse Senatorin für ordentlich Bums

FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner am Steuer ihres BMW 650i. Schon immer hatte sie eine Vorliebe für schnelle Karren. Diese Äußerungen betrachtet Jürgen Theiner aus unterschiedlichen Perspektiven.
26.04.2019, 10:00
Lesedauer: 2 Min
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Senatorin für ordentlich Bums
Von Jürgen Theiner

War es jetzt der BMW 650i mit 450 PS oder der 450i mit 650 PS? Details sind oft flüchtig, aber was man von den jüngsten Bekenntnissen der FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner auf jeden Fall im Gedächtnis behält, ist ihre Vorliebe für Autos mit „ordentlich Bums“.

In Deutschland sei man als Besitzer eines solchen Geschosses oft Objekt von Sozialneid. Nicht so in Gröpelingen. Wenn sie dort den Motor aufheulen lasse, „dann feiern mich die migrantischen Jungs richtig ab. Die haben noch den Drive, die wollen auch so einen Wagen und gönnen einem das“, ließ Steiner den WESER-KURIER wissen.

Was an dieser Äußerung auffällt, ist zweierlei. Zum einen das Stereotyp. Die „migrantischen Jungs“ als PS-geile Macker, die sich in ihren Tagträumen am Steuer eines hochmotorisierten BMW sehen. Die gibt es, aber gottlob ist die gesellschaftliche Realität auch in der Migranten-Community heute vielschichtiger als in Steiners Vorstellung. Soll heißen:

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Wahrscheinlich gibt es auch jede Menge türkisch- oder arabischstämmige Jugendliche, die den Boliden der FDP-Frontfrau mit der selben Gleichgültigkeit an sich vorbeifahren lassen wie den nachfolgenden Stadtbus der Linie 80. Ohnehin dürfte für die meisten „migrantischen Jungs“ der Wunsch nach einem BMW 650i unerfüllt bleiben.

Denn sie werden zumeist nicht – wie Frau Steiner – als Tochter eines wohlhabenden Unternehmers geboren und können auch nicht allesamt FDP-Fraktionsvorsitzender in der Bremischen Bürgerschaft werden (ein toller Job für 12 000 Ocken im Monat, in dem man auch dann keinen Tadel bekommt, wenn man häufiger als viele Kollegen dem Arbeitsplatz fernbleibt).

Bemerkenswert sind Steiners Bekenntnisse zum offensiven Individualverkehr aber noch anderer Hinsicht. Normalerweise betonen Politiker, die für die Zeit nach einer Wahl ein bestimmtes Bündnis anstreben, die Gemeinsamkeiten mit den Wunschpartnern.

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Lencke Steiner hat in den vergangenen Monaten kaum eine Gelegenheit ausgelassen, ihre FDP als Teil einer sogenannten Jamaika-Koalition anzupreisen. Schwarz, Grün und Gelb, das passe doch bestens zusammen! Mit ihrer Rhetorik und den parlamentarischen Vorstößen der FDP-Bürgerschaftsfraktion reißt Steiner jedoch Gräben auf, die nach dem 26. Mai kaum zu überbrücken sein werden.

Wie will sie sich – etwa als Senatorin für ordentlich Bums – mit den Grünen auf eine Verkehrspolitik für den Stadtstaat einigen? Ihre zahlreichen neuen Beschleunigungsstreifen kämen den Premium-Radrouten des Koalitionspartners unvermeidlich in die Quere.

Und auch in der Bremer CDU, deren Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder schicke Autos durchaus zu schätzen weiß, hat man die Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Denke lange überwunden. Dort sind manche Akteure eher peinlich berührt, wenn sie auf Steiners Profilierungsversuche angesprochen werden.

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Nicht von ungefähr hat Grünen-Spitzenkandidatin Maike Schaefer die FDP als eigentliches Hindernis für einen politischen Neubeginn im Senat ausgemacht. „Es hängt eher an den Dritten im Bunde“, meinte Schaefer erst vor wenigen Tagen mit Blick auf die Liberalen. Das wäre natürlich eine Pointe: Die FDP hält Carsten Sielings SPD an der Macht, weil Lencke Steiner ihr Wunschbündnis zu Schrott gefahren hat.

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