Postamt 5

Halfpipe und Bytes

Der Verein Sportgarten bietet neben einer Skaterhalle auch digitale Bildung an. Die Partner des Projektes sehen digitale Bildung als Schlüsselqualifikation der Zukunft an.
09.04.2020, 05:21
Lesedauer: 4 Min
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Von Margot Müller

Jugendliche die mit großer Begeisterung skaten, kennen sich zumeist auch in der digitalen Medienwelt gut aus. Davon ist Hanns-Ulrich Barde vom Verein Sportgarten überzeugt und hat deshalb Sport und Medien zusammengebracht. So wurde vor drei Jahren neben der großen Indoor-Skatehalle im ehemaligen Postamt 5 am Hauptbahnhof eine digitale Bildungsstätte eingerichtet.

„Bewegen – Spielen – Machen“ lautet dort das übergreifende Motto. In Kooperation mit dem Fablab der Uni Bremen und Bremer Schulen hat sich das P5 zu einem anerkannten Lernort entwickelt. „Die Partner des P5 halten den Zugang zu digitaler Medienkompetenz für eine Schlüsselqualifikation der Zukunft“, bekräftigt Ulli Barde.

Seit längerem gibt es die Projekte „Sport und Medien“ in Schul-AGs an der Oberschule im Park, Oberschule Helgolander Straße, der Gesamtschule Mitte, der Grundschule Lessingstraße sowie der Gesamtschule Bremen-Ost. Diese werden im P5 mit offenen Nachmittags-Angeboten ergänzt. Sogenannte Open-Lab-Days an drei Werktagen pro Woche ermöglichen den Schülern und anderen jungen Teilnehmern die Produktion von Video-Clips, Laserdruck oder die Animation von digitalen 3D-Objekten. Immer dienstags, mittwochs und donnerstags können sie von 15.30 bis 18.30 Uhr ins Lab kommen. Dabei geht es auch um den Transfer in den Freizeitbereich. „Für die medienpädagogische Anleitung haben wir inzwischen eine Gruppe qualifizierter junger Mitarbeiter aufgebaut. Mit hoher Kompetenz in Programmierung, Webdesign, Computerspielen und 3D-Druck geben sie Kenntnisse weiter“, erklärt Hanns-Ulrich Barde.

Außerschulischer Lernort im Postamt 5

Es sind Freizeit-Lerngruppen in ungezwungener Atmosphäre. In den Räumen des P5 stehen auf den Tischen leistungsfähige Computer, Lasercutter und Drucker bereit. Hier dürfen die Teilnehmer zum Beispiel Sensoren für Bewegungsabläufe basteln und gemeinsam mit dem Mobile-Game-Lab auf dem Bildschirm zum Leben erwecken. Beliebt ist auch das Aufnehmen von Musiksounds, nicht allein, sondern gemeinsam. Bei allen Aktivitäten können so auch Schüler mitmachen, die sich zuhause keine Medientechnik leisten können.

Es gab auch schon ganzjährig betreuten Projektunterricht. Dabei konnten Schulklassen ab dem 8. Jahrgang eigene Medienprojekte entwickeln für Film, Design, Programmieren, Spielen, Mode oder Musik. Andererseits stehen für Kinder das Bedrucken von T-Shirts sowie ein Recycle-Roboter-Workshop auf dem Programm.

„Digitale Medien haben für Kinder und Jugendliche hohen Stellenwert im alltäglichen Umgang und für ihre späteren Berufe. Deshalb ist das Wissen um sicheren Medienkonsum und Datenschutz wichtig“, sagt Hanns-Ulrich Barde und setzt auf eine Form von „Selbstermächtigung“ im Umgang mit neuen Medien. Die Verlockung des reinen Konsums sei groß, deshalb solle das Angebot im P5 eine selbstbestimmte und produktive Mediennutzung fördern. Die Jugendlichen können das digitale Equipment nutzen und sich von den jungen „Peers“ helfen und qualifizieren lassen. Dabei würden sie sich medial orientieren und Berufsperspektiven kennenlernen durch Einblicke in die Digitalisierung der Arbeitswelt. Wichtig sei auch, dass die Jugendlichen lernen ihren PC und die Software besser zu verstehen, um selbst bei Bedarf zu reparieren oder zu erweitern.

Hanns-Ulrich Barde überlegt, mit den Angeboten im P5 einen „Digitalpakt mit Jugendlichen“ zu initiieren. Junge Menschen in Bremen sollten aktive User der digitalen Welten sein und lernen, an der Digitalisierung in ihrer Schule und in ihrem Stadtteil selbst mitzuwirken. „Über den Sport hier in der Skatehalle erreichen wir dazu neue Zielgruppen – junge Leute ohne Berührungsängste aus allen Stadtteilen“, sagt Barde.

Er erlebt, wie die Skater ihre Rampen am Computer künstlerisch gestalten, dazu die Folien ausdrucken, eigene Video-Clips produzieren und auf Youtube hochladen oder eigene Logos entwerfen und auf ihre Jacken drucken. Mit Sport und digitalen Medien entsteht eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Nicht zuletzt kommt noch E-Sport hinzu, der sportliche Wettkampf mit Computerspielen. Im Medienangebot des P5 gibt es regelmäßig einen E-Sports-Nachmittag. Dann heißt es „Gemeinsames Zocken ausgewählter Games auf PC und X-Box“.

Öffentliche Förderung und Sponsoring

Finanziert wird die Jugendarbeit im Sportgarten sowohl über öffentliche Fördermittel der senatorischen Behörden als auch mit projektbezogenem Sponsoring oder durch Zuwendungen von Stiftungen. „Die Rahmenbedingungen sind extrem schwierig“, sagt Hanns-Ulrich Barde. Aktuell kann der Verein Sportgarten aber von der Neuordnung in der Finanzierung der Jugendarbeit in Bremen profitieren. Die Sozialdeputation hat gerade einen größeren Etat für stadtteilübergreifende Angebote dieses Bereichs angekündigt. Durch die gut erreichbare zentrale Lage des P5 am Hauptbahnhof trifft genau das zu.

Durch die Umstände in der Corona-Zeit ist momentan allerdings auch der Sportgarten betroffen. Die Indoor-Skatehalle An der Weide ist geschlossen und die Medienangebote im P5 können bis auf weiteres nicht veranstaltet werden. Hanns-Ulrich Barde und Linda Lowin sind aber stundenweise vor Ort und überlegen sich schon neue Ideen für die künftigen Monatsprogramme im P5.

Weitere Informationen

Sportgarten, P5, An der Weide 50a, Telefon 75808 www.sportgarten.de.

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