Papierstau

Bremens Banksy

Seit einigen Tagen steht sie da, die Bronze-Skulptur mit dem Einkaufswagen in den Bremer Wallanlagen. Wo sie herkommt weiß bisher niemand. Sie hat aber bereits einige Fans.
29.05.2020, 05:00
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Bremens Banksy
Von Alexandra Knief
Bremens Banksy

Seit einigen Tagen steht sie da, die Bronze-Skulptur mit dem Einkaufswagen in den Bremer Wallanlagen. Wo sie herkommt weiß bisher niemand.

Christian Walter

Bremen hat seinen eigenen Banksy. Doch der hiesige unbekannte Untergrund-Künstler macht es sich noch schwerer als sein britisches Vorbild – im wahrsten Sinne des Wortes. Er schleicht nicht etwa nachts mit Schablone und Farbdosen los, um heimlich gesellschaftskritische Kunstwerke auf Hauswänden zu hinterlassen. Nein, er stellt gleich eine schwere Bronzeskulptur mitten im öffentlichen Raum auf: in den Wallanlagen, nahe Herdentor. Die Skulptur zeigt einen gebückt gehenden Mann mit Kapuzenjacke und Wollmütze, der einen Einkaufswagen schiebt. Letzterer ist echt und nicht aus Bronze.

Die zuständigen Behörden wissen von nichts. Sicher ist nur: Geplant war diese Skulptur nicht. Soll die Arbeit auf Armut hinweisen? Auf Obdachlosigkeit? Ist sie Konsumkritik? Oder macht auf Hamsterkäufe während der Corona-Krise aufmerksam? Diese Fragen werden offen bleiben, solange der Künstler oder die Künstlerin nicht gefunden wurde. Der Verantwortliche ist auf jeden Fall nicht der erste, der den Einkaufswagen zum Kunstobjekt macht: 2010 stapelten Unbekannte rund 20 Einkaufswagen vor einer Leipziger Lidl-Filiale über Nacht zu einem Turm, auch Bilder von im öffentlichen Raum platzierten bestrickten Wagen, verschönert durch das sogenannte Guerilla Knitting, findet man mehrere.

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Die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury hat fürs Museum einen vergoldeten Wagen gestaltet, der sich wie Ware auf einem verspiegelten Sockel dreht. Und Duane Hanson stellt mit „Supermarket Lady“ eine dickliche Amerikanerin mit Lockenwicklern und Kippe im Mundwinkel aus, die einen prall mit Lebensmitteln gefüllten Einkaufswagen schiebt.

Bis man weiß, wo sie herkommt und ob sie eventuell anderswo gestohlen wurde, bleibt die Bremer Skulptur erst einmal stehen. Bürgermeister Andreas Bovenschulte findet sie zwar ein „bisschen illegal und anarchisch“, wie er auf Facebook schreibt, spricht sich allerdings dafür aus, dass sie dauerhaft bleibt. In seinen Worten: „Legalize it!“

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