„Wetten, dass...?“ auf dem Theaterschiff

So, Herrschaften!

Auf dem Theaterschiff läuft ab sofort die musikalische Komödie „Wetten, dass...?“. Das Stück ist eine satirische Hommage an die einstige Erfolgsfernsehshow mit Thomas Gottschalk.
29.11.2019, 19:39
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So, Herrschaften!
Von Alexandra Knief
So, Herrschaften!

Das neue Stück "Wetten, dass...?" auf dem Theaterschiff.

Theaterschiff Bremen

Wer wohl all diese Freundschaftsbändchen geknüpft hat? Das muss Wochen gedauert haben. Schließlich stehen kurz vor der Pause auf dem Theaterschiff gleich fünf Wolfgang Petrys in voller Montur gleichzeitig auf der Bühne. Wie das sein kann? Im Traum geht alles. Und das hier ist ein Traum.

Es ist der Traum von Heiner (Markus Weise), um genau zu sein. Dem „Dödel für alles“ hinter den Kulissen der erfolgreichen Fernsehshow „Wetten, dass...?“. Einmal im Leben Thomas Gottschalk sein, das wäre schön, denkt sich Heiner. Einmal eine Show ohne Wettkandidaten und Promis, sondern nur er und seine vier Kollegen: Aufnahmeleiter Peter (Theodor Reichhardt), Maskenbildnerin Babsi (Johanna Haas), Kostümbildnerin Anna (Corinna Buchholz) und Kameramann Waldemar (Andreas Eckel). Die können ihn im wahren Leben nämlich nicht wirklich leiden. Lachen über ihn, lassen ihn die Drecksarbeit machen. Als Thommy würden sie ihn ernst nehmen, vielleicht würden sie alle Freunde werden und vielleicht hätte er dann sogar eine Chance bei der hübschen Anna.

Bagger und Filzstifte

Die musikalische Komödie „Wetten, dass...?“ (etwas alberner Untertitel: Topf, die Watte quillt!), die am Donnerstag auf dem Theaterschiff ihre Premiere feierte, visualisiert genau diesen Traum. Heiner wacht als Thommy auf, und Peter teilt ihm panisch mit, dass die Show gleich beginnt und weder Wettkandidaten noch Gäste da sind. Und so schmeißen die fünf den Laden einfach selbst, einige mehr, andere etwas weniger begeistert: Peter wird zu Udo Jürgens, Anna zu Cher, und Waldemar und Babsi liefern eine urkomische Interpretation von Al Bano und Romina Power ab. Wetten gibt es auch: So wettet etwa der Bayer Alois Oberseppel, dass er einen Bagger auf vier rohen Eiern abstellen kann. Andreas Häberle ist sich sicher: er kann am Quietschen eines Filzstiftes erkennen, welcher Promi gerade seine Unterschrift setzt. Und natürlich dürfen bei einer waschechten „Wetten, dass...?“-Sendung auch die Saal- und die Außenwette nicht fehlen. Wie diese aussehen, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Regie führte William Danne, der bereits „Verliebt, verlobt, verschwunden“ auf dem Schiff inszenierte und das Buch zu „Käthe holt die Kuh vom Eis“ schrieb, das im Packhaustheater zu sehen war. Auf der Bühne feierten gleich vier der fünf Darsteller am Donnerstag eine Premiere im doppelten Sinne. Für sie war es der erste Auftritt auf dem Theaterschiff. Vor allem Johanna Haas überzeugte sowohl stimmlich als auch mit ihrem Schauspiel. Bei den anderen ging hin und wieder mal ein Ton daneben, doch das blieb dank der gelungenen Geschichte Nebensache. Auch für den Autor des Stückes war es ein erstes Mal: Bremen-Eins-Moderator Marcus Rudolph, der schon diverse Male als Darsteller auf der Bühne des Theaterschiffes stand, feierte mit „Wetten, dass...?“ sein – gelungenes – Drehbuch-Debüt.

Markus Weise war das einzig bekannte Gesicht auf der Theaterschiff-Bühne. Er war bis vor Kurzem im Ein-Personen-Stück „Hi, Dad!“ zu sehen. Das Besondere: Er ist gleichzeitig auch der einzige Laiendarsteller des Ensembles. Weise ist eigentlich Berufsschullehrer und nur in seiner Freizeit auf der Bühne unterwegs. Davon merkte man auf dem Theaterschiff aber nichts. –Im Gegenteil: Weise mimt einen so überzeugenden Gottschalk, imitiert Stimmlage, Gestik und Ausdrucksweise („So, Herrschaften“, „Mein Libber“, „Reeeschpekt“), dass es einfach nur eine Freude ist, ihm zuzuschauen. Seine Imitationen von Otto Waalkes und Udo Lindenberg gehören zu den Highlights des Abends, und insgesamt lebt das Stück vor allem durch Weises charmantes Schauspiel.

Das Premierenpublikum belohnt das Ensemble mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus. Verdient. Oder wie Thomas Gottschalk sagen würde: Reeeschpekt“.

Weitere Informationen

Tickets und kommende Termine finden Sie ­online unter www.theaterschiff-bremen.de

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