Bericht zur Preisentwicklung

So hoch sind die Immobilienpreise in Bremen

Die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen in Bremen haben sich 2018 weiter verteuert. Bei Altbau-Reihenhäusern betrug der Preisanstieg fünf Prozent, bei freistehenden Einfamilienhäusern sogar bis zu 22 Prozent.
14.07.2019, 19:24
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So hoch sind die Immobilienpreise in Bremen
Von Detlev Scheil
So hoch sind die Immobilienpreise in Bremen

Im vergangenen Jahr sind Preise für Häuser in Bremen um bis zu 22 Prozent gestiegen.

Christina Kuhaupt

Da staunt der Laie, und auch mancher Fachmann wundert sich: Der Höhenflug der Preise für Häuser und Wohnungen in Bremen findet kein Ende. Die Preisspirale dreht sich munter weiter. Der Grundstücksmarktbericht 2019 als verlässliche Übersicht zur tatsächlichen Kaufpreisentwicklung weist bereits im sechsten Jahr Steigerungen bei fast allen Haustypen und bei den Eigentumswohnungen aus. Allerdings fällt die Verteuerung in den Stadtteilen unterschiedlich aus.

Merklich teurer geworden sind auch die Mieten auf dem freien Markt: Innerhalb eines Jahres kletterte der Durchschnittsmietpreis laut Marktbericht um 8,5 Prozent.

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„Der Drang zum Betongold ist stärker denn je“, sagt Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte und stellvertretender Leiter von Geoinformation Bremen. Das Zinstief und die unstete Entwicklung an der Börse führten dazu, dass neben den Selbstnutzern auch immer mehr Geldanleger Häuser und Wohnungen suchen. So wächst die Nachfrage weiter, während das Angebot trotz verstärkter Neubau-Aktivitäten zu gering bleibt. Die Lage der Immobilie sei weiter eines der wichtigsten Kaufkriterien, stellt Dautert fest. Neben den besonders begehrten und damit sehr teuren Wohnquartieren in Schwachhausen, der Östlichen Vorstadt, der Alten Neustadt und in Findorff lassen sich die „normalen“ Lagen laut Dautert in zwei Kategorien einteilen: Große Teile von Bremen-Nord gleichen im Preisniveau Bremen-West, und der Bremer Süden weist starke Parallelen mit Bremen-Ost auf.

Anstieg der Verkaufszahlen von Reihenhäusern

Insgesamt 2095 neue und gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser, davon 1251 Reihenhäuser, wurden 2018 verkauft, 24 mehr als im Jahr davor. Außerdem wurden 210 Mehrfamilienhäuser veräußert, zehn weniger als im Jahr davor. Hinzu kamen 3325 Eigentumswohnungen, 45 weniger als im Vorjahr.

Am stärksten gefragt waren Einfamilienhäuser in beliebten Wohnlagen: Die Preise dieser Eigenheime sind durchschnittlich um 23 Prozent gestiegen. Aber auch freistehende Häuser in normalen Lagen wurden meist sehr zügig verkauft, die Verteuerung belief sich auf zwölf Prozent. Bei den Reihenhäusern war der Preissprung in den Normallagen (plus 13 Prozent) sogar stärker als in den besten Lagen (plus vier Prozent). Die Mehrfamilienhäuser verteuerten sich über alle Lagen um knapp vier Prozent. Gebrauchte Eigentumswohnungen stiegen um acht Prozent im Preis. Der Marktbericht 2019, der mit 92 Seiten umfangreicher ist als je zuvor, macht die Preise auch auf die Stadtteilebene bezogen transparent.

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Reihenhäuser: Dieser Haustyp ist in der Hansestadt traditionell der meist verkaufte. 2018 waren es 166 Verkaufsabschlüsse für Neubauten, sieben weniger als im Jahr davor. Im Schnitt kostet ein neues Reihenhaus in einer normalen Stadtlage etwa 300.000 Euro und in einer bevorzugten Wohnlage etwa 450.000 Euro, wobei die Häuser in besseren Lagen in der Regel auch größer sind. Ein Reihenhaus aus dem Bestand erzielte 2018 einen mittleren Kaufpreis von 229.000 Euro, das sind über alle Lagen rund fünf Prozent mehr als im Jahr davor. Von den 1085 verkauften Altbau-Reihenhäusern lagen die meisten in Gröpelingen (143), Walle (121), in der Neustadt (89), in Obervieland (81) und Hemelingen (74).

Doppelhaushälften: Vor einigen Jahren waren sie sehr beliebt, doch inzwischen ist die Nachfrage nach Doppelhaushälften abgeflaut. Nur noch 26 Neubauten wurden im Vorjahr verkauft, und zwar zum Durchschnittspreis von 458.000 Euro in den begehrten Lagen und 336.000 Euro in den normalen Lagen. Der Durchschnittspreis pro Quadratmeter beträgt bei den normalen Lagen 2630 Euro, das bedeutet einen Anstieg um sechs Prozent. Aus dem Altbestand wurden 221 Doppelhaushälften zum mittleren Preis von 233.000 Euro verkauft, damit sank dieser Preis um drei Prozent. Möglicherweise liege dieser statistische Rückgang auch nur daran, dass im Vorjahr besonders viele Haushälften in preislich günstigeren Stadtteilen wie Blumenthal, Hemelingen und Huchting veräußert worden seien.

Einfamilienhäuser: Die Anzahl der individuellen Neubauten von Einfamilienhäusern ist in den vergangenen Jahren aufgrund des Bauplatzmangels in Bremen stark zurückgegangen. Nur noch neun dieser Architektenhäuser werden im Marktbericht aufgeführt. Der Kaufpreis beträgt in normaler Wohnlage 346.000 Euro und in bevorzugter Lage 725.000 Euro. Bei den Häusern aus dem Bestand hat Dautert 523 Kauffälle registriert. Der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei 327.000 Euro, das sind knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als doppelt so viel muss in der Regel für ein Einfamilienhaus in Schwachhausen hingeblättert werden, dort pendelte sich der mittlere Preis bei 855.000 Euro ein. Die durchschnittlichen Preise in weiteren Stadtteilen: Horn-Lehe 695.000 Euro, Oberneuland 617.000 Euro, Borgfeld 459.000 Euro und Villen in Bremen-Nord 374.000 Euro.

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Eigentumswohnungen: 196 neu geschaffene Eigentumswohnungen wurden zum mittleren Preis von 4448 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verkauft. Der Quadratmeterpreis bei Neubauten verteuerte sich um elf Prozent. In Schwachhausen liegt er inzwischen bei 5640 Euro. Am günstigsten ist er in Blumenthal mit 2882 Euro. Bei den Kaufverträgen für gebrauchte Wohnungen wurden durchschnittlich pro Quadratmeter 1886 Euro gezahlt, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Somit kostete eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Durchschnitt 132 000 Euro. Spitzenpreise pro Quadratmeter Altbau wurden in Oberneuland (2630 Euro) sowie Mitte, Schwachhausen und der Östlichen Vorstadt (jeweils etwa 2500 Euro) erzielt, Tiefstpreise in Blumenthal (1048 Euro) und Gröpelingen (1224).

Mietpreisniveau: Einen Mietspiegel gibt es für Bremen nicht, daher kommt der vom Gutachterausschuss erarbeiteten Mietübersicht große Bedeutung zu. Ausgewertet wurden rund 3500 Mieten des freien Wohnungsmarktes; der preisgebundene Wohnraum etwa bei der Gewoba blieb außen vor. Die Werte beziehen sich auf die Nettokaltmiete. „Der durchschnittliche Mietpreis über alle Stadtlagen auf dem freien Markt beträgt 7,23 Euro pro Quadratmeter, 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr“, erläutert Dautert. Die teuersten Mieten werden in Schwachhausen, Horn-Lehe, Borgfeld, Oberneuland und Findorff (durchschnittlich 10,80 Euro pro Quadratmeter), in der Neustadt, in Mitte und der Östlichen Vorstadt (10,50 Euro) verlangt. Diese Zahlen beziehen sich auf Wohnungen ab Baujahr 1981.

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Foto: Grafik WESER-KURIER

Weitere Informationen

Der Grundstücksmarktbericht Bremen 2019 ist gegen eine Gebühr von 60 Euro bei Geoinformation Bremen, Lloydstraße 4, Telefon 04 21 / 361 49 01, erhältlich oder kann per E-Mail an die Adresse gutachterausschuss@geo.bremen.de bestellt werden.

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