Kampf gegen Lehrermangel So möchte Bremen Quereinsteiger fördern

In Zeiten des Lehrermangels will Bremen Hochschul-Absolventen und Aushilfskräfte nachqualifizieren und an Schulen einsetzen. Ein neues Modell für den Seiteneinstieg ist dazu nun angelaufen.
11.09.2018, 06:00
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So möchte Bremen Quereinsteiger fördern
Von Sara Sundermann

Es gibt neue Wege für Seiteneinsteiger an Schulen in Bremen. In Zeiten des Lehrermangels werden schon lange neue Formen des Quereinstiegs gefordert – zumal viele nicht voll ausgebildete Aushilfslehrer an den Schulen unterrichten. Zum Start des Schuljahres konnten nach Angaben der Bildungsbehörde 50 Lehrerstellen an allgemeinbildenden Schulen und 50 Stellen an Berufsschulen in Bremen nicht besetzt werden.

Ein neuer Seiteneinstieg wurde nun auf den Weg gebracht, andere sind in Planung, und es ist ungewiss, wann sie umgesetzt werden. Welche Wege gibt es, in Bremen Lehrer zu werden, ohne klassisch auf Lehramt zu studieren und ein 18-monatiges Referendariat an einer Schule zu machen? Schon länger gibt es den sogenannten Seiteneinstieg A, bei dem auf ein Nicht-Lehramts-Studium ein Referendariat folgt.

Er wird vor allem von Berufsanfängern genutzt. Eine Option ist dieser Weg für alle, die ein Fach auf Diplom oder Master abgeschlossen haben, das in Bremen Mangelfach ist und aus dem sich ein zweites Fach ableiten lässt. So können Diplom-Physiker aufgrund der Mathematik-Anteile im Studium Mathe als zweites Fach benennen.

Für ältere Interessenten attraktiv

Der Seiteneinstieg A wurde zuletzt der Behörde zufolge pro Jahr von knapp einem Dutzend Anwärtern genutzt – zu wenig in Zeiten des Lehrermangels. Neue Seiteneinstiege sollen hinzukommen, um mehr ausgebildete Lehrer zu gewinnen. Dazu haben der Personalrat Schulen und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) Gespräche geführt, um Modelle zu entwickeln.

Eines davon ist der Seiteneinstieg B. Dieses Modell gab es in Bremen schon einmal, der Behörde zufolge wurde es aber zwischenzeitlich wegen zu geringer Nachfrage wieder eingestellt. Zum Start des Schuljahres wurde es neu belebt: Derzeit werden 30 Personen auf diesem Weg seit 1. August weitergebildet. Diese Option kann für etwas ältere Interessenten attraktiv sein, die zum Beispiel als Aushilfslehrkräfte beim externen Personaldienstleister Stadtteilschule beschäftigt sind.

„Der Seiteneinstieg B wird momentan oft von Personen genutzt, die schon länger an Schulen arbeiten“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. Der Kern: Wer bestimmte Kriterien erfüllt, kann statt eines Referendariats eine zweijährige Weiterbildung am Landesinstitut für Schulen machen.

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In dieser Zeit kann er oder sie 16 bis 20 Stunden an einer Schule unterrichten, ist bei der Behörde angestellt und verdient mehr als ein Referendar. Die Unterrichtsverpflichtung ist höher als im Referendariat, wo acht Wochenstunden vorgesehen sind, und niedriger als bei einer ausgebildeten Lehrkraft, die im Schnitt laut Behörde in Bremen 26 bis 27 Stunden unterrichtet.

Voraussetzung für den Seiteneinstieg B ist ein Studium für ein in einer Stellenausschreibung ausgewiesenes Mangelfach, mindestens drei Jahre Berufserfahrung in dem studierten Bereich und ein zweites Fach, das sich aus dem Studium ableiten lässt. Zudem muss pädagogische Eignung nachgewiesen werden.

Ein Beispiel: Wer Sport auf Diplom studiert hat, drei Jahre für einen Sportverein eine Jugendmannschaft trainiert hat und zudem Englischseminare an der Uni belegt hat, so dass er Englisch unterrichten könnte, für den käme dieser Weg infrage. Eine weitere Form des Seiteneinstiegs, der Einstieg U, ist derzeit in Arbeit. Es geht darum, dass Bremen Ein-Fach-Lehrer beschäftigen will. Dies wurde bereits vor einem Jahr angekündigt.

Musiklehrer an Grundschulen gesucht

Wann es umgesetzt wird, ist aber laut Behördensprecherin Kemp noch immer nicht absehbar. Gespräche dazu würden seit mehreren Monaten mit der Uni Bremen geführt. Der Plan: Wer ein Studium für ein Mangelfach abgeschlossen hat, aber kein zweites Fach vorweisen kann, soll bereits an einer Schule unterrichten können und parallel an der Uni ein zweites Fach neu studieren.

Zum Beispiel werden Musiklehrer an Grundschulen gesucht – doch wer Musik studiert hat, kann meist kein zweites Fach vorweisen und müsste berufsbegleitend noch einmal zum Beispiel Deutsch auf Lehramt studieren. Für die Beschäftigung von Ein-Fach-Lehrern und für eine einfachere Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse, die ebenfalls seit Langem gefordert ist, sei noch einiges zu tun, räumt Behördensprecherin Kemp ein.

Und für Berufsschulen müssen neue Formen des Seiteneinstiegs erst noch erarbeitet werden. „Dazu laufen Gespräche mit dem Personalrat“, so Kemp. Für Bewerber von Belang ist beispielsweise, dass für die Arbeit an Bremer Berufsschulen bislang nicht alle Fachhochschulabschlüsse anerkannt werden, sondern ausschließlich Master-Abschlüsse.

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