Neubau am 1. Oktober bezugsfertig

Sparkasse Bremen hält Termin für Umzug an die Universität

Corona hin oder her: Der Termin für den Einzug in die neue Bremer Sparkassen-Zentrale kann gehalten werden. Am 1. Oktober ist es soweit.
16.06.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Sparkasse Bremen hält Termin für Umzug an die Universität
Von Jürgen Hinrichs
Sparkasse Bremen hält Termin für Umzug an die Universität

Blick in den voluminösen Innenhof des neuen Sparkassengebäudes an der Universitätsallee.

Frank Thomas Koch

Es bleibt dabei, Punktladung: Am
30. September verlassen rund 600 Mitarbeiter der Sparkasse Bremen den bisherigen Hauptsitz der Bank am Brill. Einen Tag später ziehen sie in ihr neues Domizil an der Universitätsallee. Der WESER-KURIER hatte am Montag Gelegenheit, sich über den Fortschritt der Arbeiten an dem 80-Millionen-Projekt zu informieren. Die Sparkasse wird in dem Neubau ihre gesamten Arbeitsprozesse umkrempeln. Sie setzt auf totale Digitalisierung und flexible Verteilung der Arbeitsplätze. Geldautomaten oder Kundenschalter gibt es keine mehr, dafür aber einen „Tresor“: Das ist das Restaurant in dem Gebäude.

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Joachim Döpp bekommt immer mal wieder Anrufe von Leuten, die ein Geschäft mit ihm machen wollen. Der Sparkassen-Vorstand ist ein gefragter Mann, und er war es auch jetzt wieder, als sich ein Umzugsunternehmen meldete. Doch keine Chance: „Ich habe ihnen gesagt, dass sie im Irrtum sind.“ Er lacht, die Augen blitzen: Auszug ja, Einzug auch, aber kein Umzug, das nicht. Alles, was die Beschäftigten vom Brill mitbringen, sind ihre elektronischen Geräte, Laptop und Smartphone. Und alles, was die Bank mitbringt, ist der Rest an Akten und Papieren, die bislang noch unverzichtbar sind, Urkunden der Notare zum Beispiel. Sonst aber wird nichts transportiert, fast nichts, das Allerwenigste, aber davon später.

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Die Kunden kommen durch eine große Drehtür ins Haus. Genauso die Gäste des öffentlichen Restaurants mit 80 Plätzen, das gleich rechts vom Eingang liegt. Betrieben wird es vom selben Unternehmen, das in Bremen bereits die Lokale Riva, Quai, Deck 20 und Q 1 bewirtschaftet. Der Name „Tresor“ – klar, weil’s eine Bank ist, die hier residiert: Alte Zeiten, Nostalgie, Panzerknacker und der ganze Bargeldkram. In Berlin ist der „Tresor“ ein weltweit bekannter Techno-Club, was wiederum in die neue Zeit weist.

In der Empfangshalle mit ihrer 4,60 Meter hohen Decke wird ein langer Tresen stehen, an denen sich anmeldet, wer zu Gesprächen kommt. An anderer Stelle gibt es ein Angebot wie bei Starbucks, davor Sofas und Sessel. Lounge-Charakter, gerne ein bisschen lümmelig und offen für alle. Dahinter, in Richtung Innenhof und Konferenzräume, ist die Bank, was eine Bank ist – eine ziemlich vertrauliche und von Sicherheit bestimmte Angelegenheit.

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„Man kann rund und spektakulär bauen, den Schwerpunkt auf die Architektur legen“, sagt Döpp, „wichtiger ist uns aber das Innere des Gebäudes.“ Der mit viel Grün bepflanzte Innenhof, er nennt sie Oase. Die beiden Terrassen in den Hof hinein, sie gehen von der ersten Etage ab und sind riesengroß. Eine weitere, noch größere Terrasse, die mit einer Dachlandschaft abschließt, in der auf Erdhügeln Bäume stehen.

Viel Licht und Luft auch in den Großräumen und kleineren Abteils, die für Besprechungen genutzt werden. Arbeiten, sozusagen, im Vorübergehen. Fließende Grenzen zwischen Konzentration und Kommunikation. Ein Wechsel aus vertiefender Analyse und den Ideen auf Zuruf. So die Theorie. In der Praxis wird es der größte Test in der Geschichte der Sparkasse.

Döpp rechnet so: 600 Mitarbeiter, die kommen könnten. 360, die tatsächlich da sind, weil es Krankheit gibt, Urlaub und Homeoffice. Und 720 Plätze im Neubau, an denen gearbeitet werden kann. Mal hier, mal da, je nach Aufgabe. Die Büroflächen sind also nur zur Hälfte ausgelastet – „bekämen wir noch einmal die harte Coronazeit, wären wir bestens präpariert“, sagt der Vorstand.

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130 Beschäftige der Sparkasse seien gerade im Homeoffice. Döpp kann sich das auch für die Zukunft vorstellen, aber nie so, dass in der Zentrale kaum noch Leben ist: „Wir brauchen den direkten Austausch, das ist effizienter und kreativer.“ Die Leistungspakete für die Kunden seien heute mitunter dermaßen komplex, dass nur Teams das schaffen könnten, nicht am Telefon oder per Videokonferenz, sondern im engen Miteinander.

Döpp wird die neue Arbeitswelt bei der Sparkasse nicht erleben. Er geht in sieben Wochen in den Ruhestand. Der Vorstand lässt etwas zurück, eine Idee, wie die Bank der Zukunft funktionieren könnte. Aber das ist nicht alles, das andere ist schwer und muss getragen werden: Die Büste von Wilhelm Kaisen. Sie stand in der Zentrale am Brill und soll nun auch den Neubau schmücken. Die Büste, kann man sagen, wird umgezogen.

Info

Zur Sache

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Die Einweihungsfeier war mit 600 Gästen geplant. Sie wurde wegen Corona abgesagt, auch wenn es bis zum Einzug der Mitarbeiter noch ein bisschen hin ist. Sonst aber lief alles nach Plan, nachdem im November 2018 der erste Spatenstich getan war. Entstanden sind ein Bürogebäude mit 13 800 Quadratmetern, zu dem ein Anbau für Start-ups gehört, und ein Parkhaus mit 210 Stellplätzen. Das Bürohaus ist unterkellert und ragt mit fünf Geschossen etwa 30 Meter auf. Anders als zum Beispiel beim neuen August-Kühne-Haus an der Weser, wo die Haustechnik auf dem Dach platziert wurde, hat die Sparkasse sie im obersten Stockwerk versteckt. Entsprechende Vorgaben waren in der Baugenehmigung enthalten. Ganz oben liegen auch die Räume, in denen der Vorstand wichtige Kunden empfängt und bewirtet. Außerdem gibt es dort für die Mitarbeiter ein Fitnessstudio.

Das Bürogebäude ist voll klimatisiert, die Fenster können deswegen nicht geöffnet werden. Es gibt aber schmale Lüftungsschlitze, die zu entriegeln sind, damit im Notfall Rauch entweichen kann. Energie gewinnt das Haus zu zwei Dritteln aus Geothermie. Dafür sind 70 Erdsonden 150 Meter tief ins Erdreich gebohrt worden. Zusätzlich gibt es auf dem Dach eine Solaranlage. Außerdem verfügt die Sparkasse über einen Anschluss ans Fernwärmenetz.

In Spitzenzeiten sind auf der Baustelle bis zu 150 Leute von 40 Firmen beschäftigt. Federführend sind die beiden Bremer Bauunternehmen Kathmann und Zech. Die Planung hat das Bremer Büro Schröder Architekten übernommen. Ziel war nach Angaben des Büros von Anfang an, besonders nachhaltig zu bauen. Krönung dieser Bemühungen soll die Platin-Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen werden.

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