Sicher durch die Innenstadt­

Beirat plant geschützten Radweg an der Stephani-Kreuzung

Anfang des Jahres beschloss die Bremische Bürgerschaft die Schaffung von geschützten Radwegen im Stadtgebiet. Nach einem Projekt am Wall könnte es bald einen weiteren Radweg in der Innenstadt geben.
01.07.2020, 21:44
Lesedauer: 4 Min
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Von Chantal Moll
Beirat plant geschützten Radweg an der Stephani-Kreuzung

In einer potenziellen Gefahrensituation wie dieser sind radelnde Verkehrsteilnehmer auf einem klassischen Radweg einigermaßen geschützt. Anders sieht es im weiteren Verlauf der Doventorstraße aus, wenn sie in Höhe des Bio-Supermarkts auf die Fahrbahn umgeleitet werden. Der Beirat Mitte hat nun vorgeschlagen, auf der Strecke von der Stephani-Kreuzung bis hin zur Martinistraße eine geschützte Radspur einzurichten.

Roland Scheitz

Um sogenannte Protected Bike Lanes (deutsch: geschützte Radspuren) ging es am Montag unter anderem in der Fachausschusssitzung für Bau, Mobilität und Verkehr des Beirates Mitte. In der öffentlichen Sitzung, die in Form einer Video-Konferenz abgehalten wurde, entschieden sich die Mitglieder dazu, eine Strecke in der Innenstadt als geschützte Radspur vorzuschlagen: Die angedachte Route beginnt an der Stephani-Kreuzung bei Radio Bremen und verläuft entlang der Faulenstraße bis hin zur Martinistraße.

Eine Protected Bike Lane ist eine Radspur, die zwar auf der Fahrbahn liegt, jedoch breiter als ein gewöhnlicher Radweg ausfällt und mittels Pollern vom Autoverkehr abgegrenzt wird. Das soll die Radfahrer im turbulenten Stadtverkehr besser vor Unfällen schützen. Im Februar beschlossen die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft, solche Radspuren einzurichten. Der Bremer Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach sich für eine schnelle Umsetzung aus (der WESER-KURIER berichtete.) Das Mobilitätsressort – genauer gesagt, das Referat für strategische Verkehrsplanung – hatte daraufhin alle Beiräte aufgerufen, sich zu überlegen, wo in ihrem Zuständigkeitsgebiet solche Radspuren möglich wären.

Die Strecke an der Stephani-Kreuzung sei dafür geeignet, erklärte Manuela Jagemann während der Sitzung. Die Sachbearbeiterin für den Bereich Bau und Verkehr betonte: „Radfahrer haben es besonders schwer, die Straße zu kreuzen.“ Ob die anvisierte Strecke überhaupt geeignet für eine geschützte Radspur sei, müsse noch geprüft werden.

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Da das Thema gemeinsam mit der Verkehrsführung an der Sielwall-Kreuzung im Bremer Viertel aufkam, machte FDP-Politiker Peter Bollhagen gleich zu Beginn der Debatte darauf aufmerksam, dass es an der Sielwall-Kreuzung keine mehrspurige Straße gebe. Dies sei jedoch gar keine Voraussetzung für die geschützten Radwege, klärte Jagemann auf. Das Thema Sielwall richtete sich auf den Antrag auf eine Fahrbahnverengung. Das betrifft vor allem die Kreuzung von der Auwigstraße zum Sielwall, an der es auch eine Ampel für Fußgänger gibt. Das Amt für Straßen und Verkehr lehnte den Antrag aus technischen Gründen ab. Aufgrund des Gegenverkehrs müsste eine Breite von sechseinhalb Metern gewährleistet sein. Eine Verengung der Fahrbahn würde dieser Regel widersprechen. Bei der Ampel an der Auwigstraße zum Sielwall handelt es sich um eine Bedarfsampel. Das bedeutet, die Ampel ist nur an, wenn jemand auf den Knopf drückt, ansonsten bleibt sie dunkel.

„Autos mit zu hoher Geschwindigkeit übersehen, wenn die Ampel auf Rot schaltet, und fahren durch“, berichtete Jagemann über die Situation vor Ort. Neben der abgelehnten Fahrbahnverengung steht noch der Antrag auf eine sogenannte Ausleger-Ampel aus. Eine solche Signalanlage „schwebt“ mit einem Arm über der Fahrbahn und die Autos könnten sie so besser sehen, sagte Jagemann. Diesen Antrag habe das Amt für Straßen und Verkehr noch nicht abgelehnt. „Wir wollen da dran bleiben“, stellte sie klar.

Da das Thema nicht nur den Beirat Mitte, sondern auch den Beirat Östliche Vorstadt betrifft, war dazu ursprünglich eine gemeinsame Sitzung im März geplant gewesen. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen musste diese abgesagt werden. Beide Beiräte wollen das Treffen aber nachholen. „Es gibt kein Thema, auf das ich häufiger angesprochen werde als auf die Verkehrsberuhigung Sielwall“, betont Jan Strauß (Linke).

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Für Unbehagen sorgte im Fachausschuss ein Bürgerantrag auf eine Blitzanlage am Rembertiring. Dieser Bereich sei schon seit Jahren ein verkehrspolitisches Thema, so Jagemann. Ein Grund: Die zwei aufeinander folgenden Ampeln, die nach der Hochstraße kommen, seien häufig die Ursache für eine überhöhte Geschwindigkeit bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern. „Die Autofahrer wollen beide Ampeln bekommen und fahren dann bei Rot durch“, mutmaßte Jagemann über den Beweggrund.

Es war bereits das zweite Mal, dass ein Bürger die Errichtung einer Blitzanlage an dieser Stelle gefordert hatte. „Der Gedanke dahinter ist natürlich, dass die Autos bei einer Blitzanlage vorsichtiger fahren“, erklärt Jagemann. Die Polizei hatte sich allerdings auch dieses Mal dagegen ausgesprochen. Somit fordert der Beirat nun ein bis zwei Parkplätze direkt an der Ampel wegzunehmen. „Das würde die gefährliche Situation entschärfen“, sagte die Sachbearbeiterin dazu. Darüber zu entscheiden sei dann nicht mehr Sache der Polizei, sondern des Amts für Straßen und Verkehr; und seitens des ASV liege bislang noch keine Antwort vor.

Die zunehmende Umnutzung von leer stehenden Büroräumen in Beherbergungen am Breitenweg stand als nächstes auf der Tagesordnung. In diesem Zusammenhang wurde seitens einiger Beiratsmitglieder die Sorge geäußert, dass diese Art der Umnutzung Überhand im Stadtteil nehmen könnte. Der FDP-Politiker Bollhagen war da anderer Meinung: „Wir können hier nicht in privates Eigentum eingreifen und den Leuten die Nutzung vorschreiben“, sagte er. Der Grünen-Politiker Musch verteidigt die mehrheitliche Meinung des Beirates – die Planung sei schließlich auch und gerade dafür da, um in die Nutzung einzugreifen. Dabei gehe es nicht nur um die Debatte leer stehender Büroräume. „Es besteht auch eine andere Umnutzungsmöglichkeit, zum Beispiel für Bildung und Schule“, verdeutlichte Musch seinen Standpunkt. Klar sei jedoch, dass dahinter immer ein privater Investor stecke, äußerte sich Jagemann. Und der suche sich aus, was ihm am meisten Geld einbringe. Deshalb gehe es darum, in die festgeschriebenen Gesetze einzugreifen, und das gehe nur politisch. „Wir sollten versuchen, das mal richtig zu politisieren“, forderte Musch die Stadtteilpolitiker daraufhin auf, woraufhin Michael Steffen (SPD) sich zustimmend äußerte. Am Ende der Sitzung verständigten sich die Ausschussmitglieder darauf, das Thema auf die Tagesordnung des Beirats zu setzen. Zu der entsprechenden Sitzung sollen dann auch Vertreter der Stadtplanung eingeladen werden.

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