Livestream und Videos

Virtueller Zusammenhalt

Das Tanzwerk Bremen setzt in der aktuellen Situation auf Online-Angebote. Außerdem hat der Verein hat Kurzarbeit beantragt.
18.05.2020, 05:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus
Virtueller Zusammenhalt

Zu Musik führt Alexandra Benthin Tanzschritte und Bewegungsabfolgen vor. Nur ein Camcorder „begleitet“ die Tanzpädagogin im ansonsten leeren Saal.

Roland Scheitz

Tanzen macht Spaß, Tanzen verbindet Menschen, Tanzen ist gesund – doch wer dieser Tage einen vollen Tanzsaal aufsuchen würde, könnte eventuell mit einem Virus nach Hause gehen. Nicht ohne Grund sind Tanzveranstaltungen, Tanzkurse oder Tanztrainings derzeit nicht angesagt, sondern, ganz im Gegenteil, abgesagt. Das trifft viele Tanzstudios und Vereine hart, und das nicht nur finanziell und damit existenziell, sondern auch im eigenen Selbstverständnis: Denn Tanz braucht nicht nur Raum und Musik, sondern auch das menschliche Miteinander, Berührungen, Nähe.

„Wir tanzen weiter – nur etwas anders“ verkündet daher das Tanzwerk Bremen an der Schildstraße und bietet bereits seit Mitte März diverse Angebote in Livestreams und in eigens erstellten Videos an.

„Die Sonne geht auf“, ruft Alexandra Benthin in die Kamera, während sie unter Musikbegleitung Tanzschritte und Bewegungsabfolgen vorführt. Dabei ist sie alleine, nur ein Camcorder „begleitet“ sie im ansonsten leeren Tanzsaal. „Diese Filme gehen dann online, wenn normalerweise die Kurse stattfinden“, erzählt sie später. „Dann können die Schülerinnen und Schüler zum Zeitpunkt des normalen Trainings das Video anschauen.“ Einmal pro Woche gibt es solch ein Video, dass die Teilnehmenden dann via Passwort auf Youtube anschauen können. „Und wir treffen uns auch online, um gemeinsam Choreografien zu erarbeiten oder zu trainieren – um uns in Schwung zu halten, aber auch, um uns zu verbinden.“

Möglich macht das ein Programm für Videokonferenzen, welches in Zeiten von Corona von vielerlei Institutionen und Firmen genutzt wird, denn das geschäftliche Leben muss auch in dieser Zeit irgendwie weitergehen. Und auch das tänzerische Leben muss irgendwie weitergehen, und dafür kann diese Plattform hilfreich sein; wobei: „Das ersetzt sicherlich nicht das Tanztraining, doch wir nutzen das auch, um einen kleinen Blick in das Privatleben untereinander zu erhalten“, erzählt sie. Eine kreative Notlösung, wenn auch eine stark einschränkende Notlösung sei das, doch es gehe ja auch darum, sich zu verbinden, meint Alexandra Benthin. „Und darum, gute Laune zu verbreiten“, sagt die Theater- und Tanzpädagogin, „wir wollen Routine und Alltag vermitteln.“

Christina Holte aus dem Vorstand des Tanzwerks sieht in der Krise mit Videos und Konferenzsoftware auch eine Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten und kulturelle und soziale Teilhabe zu ermöglichen: „Das ist vor Ort natürlich schöner, aber dass wir in solch kurzer Zeit bereits eine Alternative anbieten konnten, ist toll“, sagt sie. Und das sei wichtig: „Wir bringen den Tanz in die Wohnzimmer und halten die Leute in Kontakt.“

Große Solidarität

Insgesamt, und darüber kann auch eine kreative Onlinelösung nicht hinwegtäuschen, ist es aber gerade eine schwierige Zeit für das Tanzwerk: „Diverse Aufführungen mussten wir verschieben, ‚Whirlschool‘ etwa oder das inklusive Tanztheater.“ Neben den ausfallenden Tanzkursen und Trainings ist das natürlich schwer zu kompensieren – Ausfälle, die auch interessante Ideen wie Stuhlchoreografien, bei denen 15 Tanzende im Livestream proben, nicht ungeschehen machen können. Doch Christina Holte ist auch positiv gestimmt: „Wir sind sehr dankbar, dass uns all unsere Mitglieder die Treue halten. Wir haben eine gute Beziehung zu unseren Kursteilnehmenden.“ Den persönlichen Kontakt wolle das Tanzwerk aufrechterhalten, meint sie, zudem sei auch eine große Solidarität spürbar – „und ich hoffe, dass wir zusammen durch die Krise kommen und zusammen durch die Krise tanzen.“

Finanziell sehe die Situation trotz aller Solidarität jedoch nicht rosig aus, meint Wolf Kleinecke, der für die Finanzen im Tanzwerk zuständig ist. „Wir haben aber gleich mit den Kursteilnehmenden kommuniziert und die Bereitschaft ist groß, die Beiträge weiterzuzahlen. Als gemeinnütziger Verein haben wir natürlich eine enge Bindung zu unseren Mitgliedern.“ Kurzarbeit habe der Verein inzwischen aber beantragen müssen, diverse Anträge, etwa bei der Bremer Aufbau-Bank, seien gestellt worden. „Und auch beim ‚Bundesverband Soziokultur‘, um das Tanzwerk digital für die Zukunft fit zu machen“, sagt er.

Dennoch seien sie zuversichtlich, dass es bald weitergeht, sagt Alexandra Benthin, und die Zuversicht entspringt auch der Kreativität des Vereins: „Wir sind zum Beispiel im Gespräch mit dem ‚Licht-Luft-Bad‘, um dort Outdooraktivitäten auszurichten“, erzählt Wolf Kleinecke, „und das wird nochmal eine logistische Herausforderung.“

Eine logistische Herausforderung wird sicherlich auch das nächste Onlineprojekt: „Am 28. Mai wollen wir online einen Tag der offenen Tür anbieten, mit Livechat, Livestreams und Livetutorials. Alles auf unserer Website“, erzählt Christina Holte: „Eine Tanzwerk-Wundertüte.“

Insgesamt hoffe das Team vom Tanzwerk, dass die Zukunft etwas Gutes bringe. „Doch das gemeinsame Tanzen, das sinnliche Erlebnis, das ist nicht zu ersetzen. Wenn das mal vorbei sein sollte, wird groß gefeiert“, meint Christina Holte. „Bis dahin versuchen wir, zusammenzuhalten und uns gegenseitig zu unterstützen.“

Weitere Informationen

Bei Interesse an den Angeboten des Tanzwerks Bremen ist es möglich, sich unter
www.tanzwerk-bremen.de zu informieren.

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