Bremer Spiele-Tage im Bamberger Haus

Tausende Besucher bei den „Bremer Spiele-Tagen“

Besucher aus der ganzen Region lassen sich die “Bremer Spiele-Tage" nicht entgehen. Auch am Sonntag können sie sich durch mehr als tausend Spiele wühlen, mit Erfindern sprechen und vieles mehr.
07.03.2020, 20:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Tausende Besucher bei den „Bremer Spiele-Tagen“

Bum van Willingen (im gelben Shirt) und seine Frau Trudy haben ein Spiel, das einer Waage ähnelt, erfunden.

Sebi Berens

Bereits am Vormittag zeichnete sich ab, dass die 13. Bremer Spiele-Tage ihrem Superlativ wieder gerecht werden. In den Räumen der Bremer Volkshochschule läuft der erste Tag des „größten Spiele-Events im Norden". Das heißt: Neun volle Stunden, in denen die Gäste die Wahl haben unter mehr als tausend verschiedenen Spielen, Neuheiten testen, an Turnieren und Gewinnspielen teilnehmen, auf dem Flohmarkt spielend Schnäppchen machen, und mit echten Spiele-Erfindern plaudern können. Aber Vorsicht: Ansteckend kann hier auf jeden Fall die Spielfreude sein.

Dabei hätte es Organisator Andreas Ebert eigentlich besser wissen müssen. Bei der Zielgruppe handele es sich schließlich um eine überaus entspannte und gelassene Spezies, sagt der Volkshochschul-Mitarbeiter, und bestätigt selbst die Regel: So groß könnte das Gewusel gar nicht sein, dass Ebert sich davon aus der Ruhe bringen ließe. Bereits vor dem Einlass standen die Gäste Schlange. Gegen Mittag war die 1500er-Marke überschritten, und wenn es so weitergehe, werde die Besucherzahl des Vorjahres wieder locker erreicht, sagt der spielbegeisterte Familienvater, der verrät, dass es für ihn keine schönere Bettlektüre gibt als Anleitungsbroschüren.

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Am bewährten Erfolgskonzept gab es nichts zu verbessern, allerdings wurde die Veranstaltung in diesem Jahr auf noch mehr Etagen verteilt. Viel Platz für ihre raumgreifende Installation aus der Abteilung „Tabletop-Spiele„ benötigen zum Beispiel Jan Koch und Sebastian Peschties. Rund um das eigentliche Strategiespiel, das von der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ inspiriert ist, haben die beiden ein gut zwei Quadratmeter großes Schlachtfeld mit Burg und Miniaturwald gebaut, und die rivalisierenden Truppen minutiös in Stellung gebracht.

Jan Koch (l.) stellt ein Tabletop-Spiel vor. Dafür haben er und Sebastian Peschties ein großes Schlachtfeld aufgebaut.

Jan Koch (l.) stellt ein Tabletop-Spiel vor. Dafür haben er und Sebastian Peschties ein großes Schlachtfeld aufgebaut.

Foto: Sebi Berens

So viel Aufwand müsse man nicht treiben, sagt Peschties – aber gerade die Möglichkeit, sich kreativ auszuleben, mache den Reiz dieser Spiele aus. „Viele Leute glauben, dass Tabletop-Spiele super kompliziert sind. Wir möchten ihnen zeigen, dass das überhaupt nicht so ist", erklären die beiden Spielpartner, die sich mindestens einmal pro Woche ihren Fantasien hingeben.

Das Internet sehen die beiden nicht als Konkurrenz für die klassische Spielerei. „Im Gegenteil", sagt Peschties. „Die Spielebranche boomt vielleicht gerade deswegen, weil die Leute ein umso größeres Bedürfnis nach echter Gesellschaft haben“. Im Übrigen heizten die modernen Medien die Lust sogar noch an, erklärt Koch: „Es gibt immer mehr You-Tube-Kanäle, die sich auf neue Spiele spezialisieren.

Bei Glen More II Chronicles“ wollen die Spieler dem eigenen schottischen Clan Macht und Einfluss zu sichern.

Bei Glen More II Chronicles“ wollen die Spieler dem eigenen schottischen Clan Macht und Einfluss zu sichern.

Foto: Sebi Berens

Mindestens 400 Spiele im Keller

Einer davon nennt sich „Cyril's Brettspiele„ und ist der Kanal, auf dem der Bremer Nils Herzmann seine Spieltipps unter etwa 2000 Leute bringt. „In meinem Keller haben sich mindestens 400 Spiele angesammelt“, erzählt der 45-Jährige, der sich als selbsternannter Spiele-Nerd outet. Seine Mission auf den Spiele-Tagen nennt sich „Glen More II Chronicles“ und ist das Produkt des Verlages, den Herzmann mit einigen Freunden gegründet hat. Schauplatz des liebevoll gestalteten Brettspiels sind die schottischen Highlands. Ziel ist es, dem eigenen Clan über Jahrhunderte Macht und Einfluss zu sichern – inklusive einer gut laufenden Whisky-Distillerie. „Ganz schön komplex„, urteilt Mitspielerin Claudia Schuhle. „Die Regeln kann man nicht in fünf Minuten verstehen. Aber dafür macht es bestimmt auch lange Spaß“, vermutet die Besucherin aus Hude.

Keine lange Erklärung, aber viel inneres Gleichgewicht ist für „Balance“ vonnöten, das Trudy und Bum van Willingen an einem der Nachbartische vorstellen. Die Idee sei ihm vor Jahren an einem Silvesterabend gekommen, nachdem er sich mit seiner Frau über den Sinn des Lebens im Allgemeinen und das emotionale Gleichgewicht im Besonderen unterhalten habe, erzählt der pensionierte Chemielehrer aus dem niederländischen Oosteind. Daraus entstand ein Geschicklichkeitsspiel, das einer Waage ähnelt, und mittlerweile 6000 Mal in Europa verkauft wurde. „Unsere Lebenserfahrungen sind wie Spielsteine in der Balance der Emotionen“, erklärt der 85-jährige Spiele-Erfinder. Hauptsache, es macht Spaß.

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Weitere Informationen

Die 13. Bremer Spiele-Tage laufen noch am Sonntag, 8. März, 10 bis 18 Uhr, weiter in der Bremer Volkshochschule, Faulenstraße 69. Auf dem Programm stehen unter anderem ein „Catan Big Game" und ein Vater-Kind-Kickerturnier. Die Tageskarte kostet für Erwachsene 4,50 Euro, Kinder von 7 bis 13 Jahren zahlen 1,50 Euro, Familientickets kosten 9,50 Euro. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter der Adresse www.bremerspieletage.de und bei Facebook (BremerSpieleTage).

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