Kritik an Fischereibehörde

Bremer Sportfischer-Verein fordert konsequenteres Vorgehen gegen Verstöße

Zwei Angler sind in Bremen wegen Tierquälerei verurteilt worden. Dem Sportfischerei-Verein reicht das nicht. Er fordert generell ein konsequenteres Einschreiten der zuständigen Behörde.
30.06.2020, 06:49
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Sportfischer-Verein fordert konsequenteres Vorgehen gegen Verstöße
Von Ralf Michel
Bremer Sportfischer-Verein fordert konsequenteres Vorgehen gegen Verstöße

Angeln könnte so friedlich sein, wenn sich alle an die Regeln hielten. Tun sie aber nicht – und kommen damit auch noch weitgehend unbehelligt durch, klagt der SFV.

Stratenschulte/dpa

Vor dem Amtsgericht Bremen wurden unlängst wie berichtet zwei Angler wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe von je 500 Euro verurteilt. Der Sportfischer-Verein (SFV) Bremen begrüßt dies ausdrücklich, ist aber trotzdem nicht zufrieden. „Warum erst jetzt, warum so milde?“, lautet der Tenor der Kritik, die sich an Gericht und Staatsanwaltschaft richtet, vor allem aber an Bremens Oberste Fischereibehörde.

Das jetzt verurteilte Duo, das in den sozialen Medien als „Drill-Brothers“ unterwegs ist, ist dem SFV seit Langem bekannt, sagt dessen Vorsitzender, Joachim Heuer, auf Anfrage des WESER-KURIER. Nach Erkenntnissen des Angelvereins handelt es sich hierbei um einen Zusammenschluss von wechselnden Mitgliedern, die Fische allein zu dem Zweck angeln, um sie ihrer Fangemeinde anschließend auf Facebook und Instagram als Trophäen zu präsentieren.

Die Fische werden zwar wieder ins Wasser zurückgesetzt. Trotzdem ist diese unter der Bezeichnung "Catch & Release" (Fangen und Freilassen) bekannte Praxis hierzulande verboten. Sie gilt als Tierquälerei, weil den Fischen unnötiges Leid zugefügt wird. Häufig werde der sogenannte Drill, das Herausziehen des Fisches, sogar extra lange hinausgezögert, um entsprechende Videos produzieren zu können, erläutert Heuer.

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Bereits im Sommer 2018 habe der SFV die bei der Senatorin für Wissenschaft und Häfen angesiedelte Fischereibehörde mehrfach gebeten, den Drill-Brothers den Fischereischein zu entziehen. Sogar ein USB-Stick mit etwa 30 Videos und Bildern vom ungesetzlichen Vorgehen dieser Angler habe man der Behörde seinerzeit überreicht. Hintergrund hierzu: Grundsätzlich benötigt man in Bremen zum Angeln einen Fischereischein.

Um ihn zu erhalten, muss in einer Fischerprüfung ausreichende persönliche Sachkunde nachgewiesen werden, wozu unter anderem auch das Wissen über den waidgerechten Umgang mit Fischen gehört. Zum Angeln selbst benötigt man zudem eine Erlaubnis des Eigentümers oder Pächters des jeweiligen Gewässers. Für die meisten stadtbremischen Gewässer ist dies der SFV, ein Verein mit rund 2000 Mitgliedern, der sich seit über 100 Jahren ehrenamtlich für den Gewässer- und Umweltschutz in Bremen einsetzt.

Tierquälerei auf Video

Um an einem der vom SFV gepachteten Gewässern angeln zu können, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Angler tritt dem Verein bei oder er erwirbt eine sogenannte Gastkarte, die nach Vorlage des Fischereischeins problemlos an zahlreichen Ausgabestellen, wie etwa Angelgeschäften, erhältlich ist. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des SFV sorgen jedoch nicht nur für einen guten Zustand der Gewässer, sondern haben auch Befugnisse, wenn Angler gegen fischereirechtliche, tierschutzrechtliche und naturschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen, erläutert Heuer. So kann jedem Vereinsmitglied die Angelberechtigung entzogen werden.

Hiervon mache der Verein auch regelmäßig Gebrauch, nicht selten verbunden mit einem Vereinsausschluss. „Ein legales Fischen an unseren Gewässern ist dann nicht mehr möglich.“ Wer ohne Angelberechtigung erwischt wird, müsse mit einer Anzeige und strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Doch damit enden die Befugnisse des Vereins. Er kann bei Verstößen die Angelrechte an seinen gepachteten Gewässern einziehen, nicht aber den von der Behörde ausgegebenen Fischereischein. Mit dem wiederum kann sich jeder Betroffene sofort wieder eine neue Gastkarte besorgen. Den Fischereischein kann nur die Behörde selbst einziehen.

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Doch im Fall der Drill-Brothers sei man trotz der frühzeitigen Hinweise samt vorgelegter Beweise nicht konsequent genug vorgegangen, ärgern sich die Verantwortlichen des SFV. Die Behörde habe das Duo Ende 2018 zwar zu einem Gespräch gebeten, es dann aber bei einer Ermahnung belassen. Was Sebastian Rösener, Sprecher der Senatorin für Wissenschaft und Häfen, bestätigt. Es sei ein sehr eindringliches Gespräch mit den beiden geführt worden. Diese hätten sich kooperativ gezeigt und zugesagt, ihr Verhalten zu ändern. „Sie wollten alle Fotos und Videos löschen und sogar dem SFV beitreten.“ Ein durchaus übliches Verfahren, betont Rösener.

Beim Verdacht einer Verfehlung werde der Fischereischein nicht sofort eingezogen, sondern das Gespräch gesucht. „Und hier kam danach nichts mehr. Deshalb gingen wir davon aus, dass sie sich gebessert hätten.“ Kopfschütteln aufseiten des SFV: Auch nach dem Gespräch hätten die Drill-Brothers in erheblichem Umfang weitergemacht und ihre widerrechtlichen Taten auch weiterhin in den sozialen Medien dokumentiert, zum Teil unter leicht geänderten Namen. „Jeder kann das sehen, die liefern die Beweise sogar selbst“, wundert sich Vereinschef Heuer auch über Gericht und Staatsanwaltschaft.

Auch vor dem Amtsgericht hatten beide Angler reumütig ihre Fehler eingeräumt, Besserung versprochen und waren deshalb mit einem relativ milden Urteil davongekommen. „Eine einfache Internet-Recherche hätte gezeigt, was von ihrer Einsicht zu halten ist.“ Es sind gleich mehrere Dinge, die den Sportfischer-Verein an diesem Vorgang stören. Zum einen, dass die Tierquälerei trotz des frühzeitigen Hinweises durch den Verein noch rund zwei Jahre fortgesetzt werden konnte. Zum anderen, dass durch solche Vorfälle die weitaus überwiegende Zahl der Angler, die sich vollkommen korrekt an den Gewässern verhalten, in Misskredit gebracht würden.

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Frust bei Ehrenamtlichen

Nicht zuletzt aber erzeuge so etwas Frust bei den Vereinsmitgliedern, die sich ehrenamtlich für den Schutz der Gewässer engagierten, sagt Heuer. Bei denen entstehe dadurch der Eindruck, dass das eigene Engagement für die Gewässer- und Umweltpflege von der zuständigen Behörde weder unterstützt noch wertgeschätzt werde. „Ist egal, was wir melden. Es passiert ja eh nichts.“ Was in diesem Fall allerdings nicht mehr stimmt. Nach dem jüngsten Gerichtsurteil habe man nun doch den Entzug des Fischereischeins bei den Drill-Brothers eingeleitet, berichtet Behördensprecher Rösener. „Uns als Oberste Fischereibehörde ist es sehr wichtig, dass durch zwei ‚schwarze Schafe‘ nicht die ganze Anglerzunft unter Generalverdacht gestellt wird.“

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