Öffnungszeiten des Bremer Weihnachtsmarkts Um 20.30 Uhr gibt's keinen Glühwein mehr

Wochentags haben die Buden des Weihnachtsmarkts und des Schlachtezaubers bis 20.30 Uhr auf. Zu kurz, finden einige Besucher und die Bremer FDP. Sie hat deshalb eine kleine Anfrage an den Senat gestellt.
28.09.2019, 05:59
Lesedauer: 3 Min
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Um 20.30 Uhr gibt's keinen Glühwein mehr
Von Nina Willborn

Dominosteine und Lebkuchenherzen liegen schon wieder in den Supermärkten, die Restaurants für die Firmenweihnachtsfeiern sind längst gebucht, Kinder schreiben die ersten Wunschzettel: Mit dem Herbstbeginn ist's nicht mehr lange hin bis Weihnachten. Die Vorfreude darauf zog 2018 mehr als drei Millionen Menschen in die Innenstadt, ein Internetportal hatte den Bremer Weihnachtsmarkt sogar zum beliebtesten Deutschlands gekürt. Die Zeit, die Besucher mit dem Trinken von Glühwein, Bummeln, dem Kaufen von Kartoffelpuffern oder letzten Geschenken für die Lieben verbringen können, ist in Bremen aber traditionell kürzer als anderswo. Schluss ist wochentags kurz nach der Tagesschau, um 20.30 Uhr. Freitags und sonnabends haben die Stände in der Innenstadt und beim Schlachtezauber eine halbe Stunde länger geöffnet.

FDP will Öffnungszeiten verlängern

Das würde die FDP gerne ändern. In einer kleinen Anfrage will die Fraktion vom Senat erklärt bekommen, warum die Öffnungszeiten des Budenzaubers bislang nicht an die, wie sie in in der Überschrift formuliert, „Realität der Menschen“ angepasst worden sind. Viele Bremerinnen und Bremer arbeiteten bis mindestens 17 Uhr, hätten danach eventuell noch Anfahrtswege, führt die Vorsitzende Lencke Steiner aus, seien also häufig nicht vor 18 Uhr in der Innenstadt. „Für den Besuch des Weihnachtsmarkes bleiben ihnen dann noch etwas mehr als zwei Stunden“, heißt es in der Anfrage. Vielen Besuchern fehle für diese Öffnungszeiten das Verständnis. Deshalb fragen die Liberalen nach der rechtlichen Lage. Inwieweit es möglich sei, Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber unter der Woche bis 22 Uhr zu verlängern und, falls es die Nachfrage dafür gibt, am Wochenende bis 23 Uhr, wollen sie wissen. Weitere Fragen beschäftigen sich mit den wirtschaftlichen Effekten einer Verlängerung. Für Steiner und ihre Kollegen steht fest: Eine Ausweitung der Marktzeiten würde nicht „zu einer Wesensveränderung von Weihnachtsmarkt und Schlachte-Zauber führen“.

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Das sieht Rudolf Robrahn, Vorstand im Schaustellerverband des Landes Bremen, anders. Er warnt seit Jahren vor einer „Ballermannisierung“. „Wir können den Weihnachtsmarkt an allen Tagen bis Mitternacht auflassen“, sagt er. „Das funktioniert in diesem und im nächsten Jahr, und danach hat die Veranstaltung mit einem Weihnachtsmarkt nichts mehr zu tun. Ab einer gewissen Stunde kippt die Stimmung einfach.“ Er und seine Kollegen, übrigens auch die der anderen Bremer Schaustellerverbände, seien sich in dieser Frage weitgehend einig: Am besten keine Experimente beim aus ihrer Sicht gut funktionierenden Konzept Bremer Weihnachtsmarkt.

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„Das Besondere in Bremen ist ja auch der große Anteil Kunsthandwerk“, sagt Robrahn. „Für die wäre eine Verlängerung der Öffnungszeiten nur bedingt interessant.“ Außerdem seien die aktuellen Schlusszeiten bereits ein Kompromiss und Versuche wie die „Shopping Nights“ im Jahr 2012, in denen die Buden bis Mitternacht geöffnet hatten, wären nicht positiv verlaufen. „Das war dann nicht mehr schön“, sagt der Schausteller-Chef. „Außerdem gibt es für die Zeit ab 20.30 Uhr in der Innenstadt auch die stationäre Gastronomie.“

Kein allgemeines Plastikverbot

In einer anderen Frage braucht der Weihnachtsmarkt definitiv mehr Zeit: In diesem Winter wird es dort noch kein allgemeines Plastikverbot geben, sagt Kai Stührenberg, Sprecher des Wirtschaftsressorts. „Das gilt auch für den Freimarkt. Aber wir werden mit den Schaustellern diskutieren, was es für Möglichkeiten in den kommenden Jahren gibt.“ Die Breminale ist in dieser Hinsicht schon weiter: Anders als Frei- und Weihnachtsmarkt hatten es die Veranstalter für alle Gastronomen zur Auflage gemacht, nur wiederverwertbares Geschirr anzubieten. „Für uns wäre ein Plastikverbot kein Problem“, sagt Robrahn. Die Schausteller seien längst darauf vorbereitet. „Mindestens 50 Prozent der Betriebe haben schon seit zwei Jahren umgestellt. Wir hängen das nur nicht so an die große Glocke.“

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