Online-Umfrage für Bremen

Kirche betreibt Meinungsforschung für künftige Ausrichtung

„Wie nehmen Sie die katholische Kirche in Bremen wahr – und was können wir verbessern?“ Mit einer Online-Umfrage will der Gemeindeverband ein breites Meinungsbild einholen.
17.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kirche betreibt Meinungsforschung für künftige Ausrichtung
Von Justus Randt
Kirche betreibt Meinungsforschung für künftige Ausrichtung

Christoph Lubberich, Dekanatsreferent im katholischen Gemeindeverband Bremen, hat die Umfrage mitentwickelt.

Christina Kuhaupt

Unter dem Titel „Wir haben da mal eine Frage“ läuft bis Ende des Monats eine Online-Umfrage des katholischen Gemeindeverbandes, die sich an alle Bremerinnen und Bremer wendet. „Wie nehmen Sie die katholische Kirche in Bremen wahr – und was können wir verbessern?“ Die Antworten sollen eine Grundlage bilden, auf der „wir unsere künftige kirchliche Arbeit in Bremen besser planen und entwickeln“, kündigt Propst Bernhard Stecker auf dem Flyer zur Aktion an.

Seit Beginn der Umfrage, Anfang Januar, hätten sich rund 800 Bremer beteiligt, sagt Dekanatsreferent Christoph Lubberich. „Der Großteil ist katholisch, ein Anteil evangelisch, und auch Personen ohne Religionszugehörigkeit sind dabei.“ Mehr will Lubberich noch nicht verraten. Die Auswertung aller Antworten soll Anfang April auf der Homepage des Gemeindeverbandes veröffentlicht und Mitte September auf einem Stadtpastoraltag vorgestellt werden. Dann werden Ehren- und Hauptamtliche, die auch an der Vorbereitung der Umfrage beteiligt gewesen seien, „über die Konsequenzen sprechen“. Das ist der Plan.

Lesen Sie auch

„Es geht darum, einfach mal ein breites Stimmungsbild zu bekommen, wie die Leute unsere Arbeit wahrnehmen und welche Erwartungen sie an die katholische Kirche haben“, beschreibt Lubberich, was sich der Gemeindeverband von der nicht repräsentativen Umfrage erhofft. „Gegebenenfalls geht es um neue Schwerpunkte in der kirchlichen Arbeit. Worauf sollen wir uns konzentrieren, wenn die Ressourcen schwinden? Was könnten wir als zweites, drittes, viertes Standbein in den Fokus nehmen? Auch wer nicht in der Kirche präsent ist, kann wichtige Impulse geben.“

Die 2019 veröffentlichte „Freiburger Studie“ sagt voraus, dass beide großen christlichen Kirchen langfristig nur noch die Hälfte ihrer Mitglieder haben werden. Das hat auch mit dem demografischen Wandel zu tun. Als im vergangenen Sommer die Statistik der Kirchenaustritte 2019 veröffentlicht wurde, hatte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rund zwei Prozent ihrer Gemeindemitglieder verloren und kam noch auf 20,71 Millionen Mitglieder. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 400.000 Mitglieder zu verkraften und lag bei 23 Millionen.

Bedürfnisse der Menschen verstehen

Die EKD hatte im Sommer angekündigt, die Gründe zunehmender Austritte in einer Studie zu ermitteln. Bremens Propst Stecker bekannte, man wolle die Bedürfnisse der Menschen verstehen und die kirchlichen Angebote daran ausrichten. Dazu dient die Umfrage, die „im Rahmen eines Visionsprozesses in Auftrag gegeben“ worden ist, wie Lubberich sagt. Gemeinsam mit einem befreundeten evangelischen Sozialwissenschaftler hat er den Auftrag umgesetzt.

Im Gebiet des Dekanats Bremen, das sich vom Stadtsüden bis zur Lesum erstreckt und zum Bistum Osnabrück gehört, lebten zum Jahreswechsel 43.700 Katholiken. Im Jahr 2020 waren nach Angaben des katholischen Gemeindeverbandes 594 Mitglieder ausgetreten. Im Jahr zuvor war die Zahl auf 881 hochgegangen. Propst Stecker hatte Zusammenhänge mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gesehen, zu dem im selben Jahr eine Untersuchung veröffentlicht worden war. In der Corona-Pandemie, sagt Christof Haferkamp, Sprecher des katholischen Gemeindeverbandes Bremen, würden zur Begründung von Austritten häufiger finanzielle Gründe genannt. Mit der Mitgliederzahl schwinden auch die Einnahmen. Das, hatte der Propst gesagt, könne zu Abstrichen bei Investitionen und langfristig auch bei Beratungsangeboten führen.

Lesen Sie auch

„Das macht eine zukünftige Schwerpunktsetzung nötig“, sagt Lubberich. „Corona hat die Entwicklung beschleunigt. Weil Begegnungen nicht mehr möglich sind, fragen sich viele: Wofür steht die Kirche in der Gesellschaft?“ Jetzt fragt die Kirche zurück. „Wir müssen sehen, ob sich neue Trends in der pastoralen Arbeit entwickeln. Bisher sind Gottesdienste das Kerngeschäft, obwohl wir auch diakonisch viel machen, für Obdachlose, in der Bildungsarbeit oder der City-Seelsorge zum Beispiel.“

Wer sich an der Befragung beteiligt, kann zum Beispiel ankreuzen, zu welchen Anlässen von Kindergartenfest über Gottesdienst bis zur Bestattung er die katholische Kirche in Anspruch nimmt, wie er sie erlebt, zu welchen „Lebensthemen“ er sich ihre Begleitung wünscht. Und mit welchem Ziel er sich in einer der fünf Gemeinden St. Johann, St. Raphael, St. Katharinen, St. Marien und St. Franziskus engagieren würde – oder sich bereits engagiert. Für eigene Antworten und Anregungen haben die Verfasser des Fragebogens Platz gelassen. Eine Wahlmöglichkeit lautet: „Kirche verändern.“

Weitere Informationen

Die Online-Umfrage des katholischen Gemeindeverbandes Bremen ist auf der Homepage zu finden: www.kgv-bremen.de. Wer sich analog beteiligen möchte, kann den Fragebogen unter Telefon 0421/3694-0 anfordern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+