Krankenhaus-Neubau

Umzug am Klinikum Mitte verzögert sich

Sechs bis acht Wochen soll sich der komplette Umzug in den Neubau am Klinikum Bremen-Mitte verzögern. Unter anderem muss die Lüftungstechnik nachgerüstet werden, wie ein Sprecher bestätigt.
20.08.2019, 20:46
Lesedauer: 3 Min
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Umzug am Klinikum Mitte verzögert sich
Von Sabine Doll
Umzug am Klinikum Mitte verzögert sich

Am 10. Mai wurde der Teilersatzneubau feierlich eröffnet. Jetzt sorgen unter anderem Nachbesserungen an der Lüftungstechnik für Verzögerungen beim Umzug der Abteilungen.

Koch/dpa

„Heute ist ein großer Tag für Bremen. Ein wichtiges Großprojekt wird abgeschlossen. Die Bremerinnen und Bremer bekommen ein hochmodernes Krankenhaus, das kürzere Wege, technische Innovationen und einen wesentlich höheren Komfort für Personal und Patienten bietet. Modernste Medizintechnik auf Spitzenniveau steht den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung" – am 10. Mai sagte die damalige SPD-Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt diesen Satz beim Festakt zur Inbetriebnahme des Teilersatzneubaus am Klinikum Mitte. Während die 300 geladenen Gäste den Reden aus der Politik und der Klinik-Geschäftsführung zuhörten, arbeiteten nebenan die Bauarbeiter. Fünf Tage später zogen die ersten Patienten in den Neubau ein.

Lüftungstechnik macht Probleme

Viel geändert hat sich an dem provisorischen Zustand in dem Klinik-Neubau bis heute nicht: Die Bauarbeiter sind noch da – und sie haben alle Hände voll zu tun. Aktuell verzögern unter anderem Probleme mit der Lüftungstechnik den Abschluss des Großprojekts. „Nach jetzigem Stand verschiebt sich der Terminplan um sechs bis acht Wochen“, sagt der Sprecher des Klinikverbunds Gesundheit (Geno), Rolf Schlüter, auf Nachfrage des WESER-KURIER. „An einigen Stellen muss bei der Lüftungstechnik nachgerüstet werden, sie ist noch nicht optimal eingestellt.“ Konkret geht es um einen besonders sensiblen Bereich in dem Neubau, in dem Krebs-Patienten nach einer Stammzelltransplantation untergebracht sind. Während der Hitzewelle mit Temperaturen deutlich über 30 Grad Celsius hätten sich die Räume zu sehr aufgeheizt, die Lüftungsanlage habe nicht dagegen halten können. Zwei Patienten mussten laut Schlüter vorsichtshalber wieder in den Altbau verlegt werden.

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Für weiteres technisches Ungemach in dem hochmodernen Klinik-Neubau sorgten außerdem sogenannte Windwächter: Diese Steuerung wird verwendet, um etwa Außenjalousien ab einer gewissen Windgeschwindigkeit automatisch einzufahren, damit diese nicht beschädigt werden. Besonders ungünstig sei jedoch die Kombination Sonne und Wind, wobei die Jalousien hochgefahren würden und die Sonne die Räume aufheize, so der Sprecher.

Schlüter: „Das grundsätzlich Problem am Neubau ist, dass noch nicht alles fertiggestellt ist. Als die ersten Abteilungen umgezogen sind, waren in den meisten Bereichen die Bauarbeiten noch in vollem Gang, sodass sich im Gebäude auch noch die ganze Bauluft befand und die Sonne die Räume zusätzlich aufheizte. Aus technischer Sicht waren das nicht die besten Voraussetzungen.“ Idealer wäre es laut Schlüter aus Sicht vieler Fachleute gewesen, wenn alle Abteilungen nach und nach in einen weitestgehend fertiggestellten Neubau mit einem ebenso stabilen Gebäudeklima umgezogen wären – und wenn diese Umzugsphase nicht im Hochsommer stattgefunden hätte.

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Technische Nachbesserungen bei der Lüftungstechnik sind es laut Schlüter jedoch nicht allein, die zu der sechs- bis achtwöchigen Verzögerung führen. Bevor der größte Block, die chirurgischen Abteilungen mit Operationssälen und Intensivstationen verlegt werden, soll die Übungsphase etwa in den OP's verlängert werden. „Dabei werden die Abläufe in den neuen Räumen von Ärzten und Pflegeteams geprobt. Dazu kommen noch zwei Wochen Verlängerung wegen der Herbstferien, weil dann auch viele Mitarbeiter im Urlaub sind“, erklärt der Sprecher. Statt wie zunächst geplant sollen diese Abteilungen daher statt Anfang bis Mitte September nun erst Anfang November umziehen.

Neubau kostet statt 230 Millionen mehr als 400 Millionen Euro

Aktuell sind nach Angaben des Sprechers vier Stationen in dem Teilersatzneubau in Betrieb und gut 100 der insgesamt 818 Betten belegt. Laut Schlüter sollen bis Januar 2020 die „regulären Umzüge“ beendet sein. Danach soll das neue Eltern-Kind-Zentrum belegt werden. Ursprünglich sollte der Neubau vor fünf Jahren in Betrieb genommen werden. Viel ist schief gelaufen, wirtschaftlich und technisch: Statt 230 Millionen Euro kostete der Neubau am Ende mehr als 400 Millionen Euro. Wegen Starkregens stand Wasser im Keller, die Lüftung musste ausgebessert werden, ein Kabelbrand führte zu Verzögerungen, dazu kamen Probleme mit Planern.

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Die CDU hat wegen der neuerlichen Verzögerungen und Technik-Probleme eine Berichtsbitte für die Gesundheitsdeputation verfasst. „Nach meinen Erkenntnissen bestätigt sich deutlich, dass die Inbetriebnahme am 10. Mai ein rein politisch motivierter Termin war“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Rainer Bensch. „Die Verantwortung trägt die SPD, das fällt jetzt der neuen Gesundheitssenatorin auf die Füße. Das ist ein schäbiger Vorgang, der so nicht weiter geführt werden darf. Wir fordern Aufklärung.“

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