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Bremer Karten für den Bürgerpark

Uwe Böer sammelte über Jahre die Bremer Karten der BSAG – jetzt macht er daraus ein Projekt für den guten Zweck. Dafür benötigt der 66-Jährige jedoch die Hilfe anderer Sammler.
23.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Patricia Friedek
Bremer Karten für den Bürgerpark

Uwe Böer will sich von seiner "Bremer Karten"-Sammlung trennen. Er ist auf der Suche nach weiteren Stücken.

Frank Thomas Koch

Wer kennt sie noch, die Bremer Karte? Das waren Trägerkarten aus Plastik mit bunten Motiven auf der Vorderseite, die die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) zwischen 1986 und 2000 ausgab. Sie hatten etwa die Größe der heutigen Bob-Karte, die es bei der BSAG zu kaufen gibt. Ganz vergleichbar waren die Bremer Karten damit jedoch nicht: Sie waren dafür da, ganz klassisch und analog Monatsmarken für Straßenbahnfahrten auf die Rückseite zu kleben. Für 40 Mark pro Karte inklusive Monatsmarke wurden sie schnell zu einem beliebten Sammlerstück.

Uwe Böer gehört zu jenen, die die Bremer Karten über Jahre gesammelt haben. „Wenn man in Rente geht, muss man aufräumen“, sagt der 66-Jährige. Genau dabei ist er auf seine Sammlung aus rund 300 Karten gestoßen. Entgegen der Vermutung, dass die Karten eines Tages an Sammlerwert gewinnen könnten, sei der Markt dafür tot, so Böer. Auf den gängigen Internetseiten gebe es für Sammlungen der Bremer Karten keine Gebote. Doch die kreativ gestalteten Exemplare einfach wegwerfen? Das kam für Böer auch nicht infrage. Deshalb hat er sich etwas überlegt, das außerdem einem guten Zweck dienen soll.

„Schwarzer Roland“

Die Idee: Aus den Bremer Karten möchte Böer jetzt Kartenspiele basteln, für Kinder oder einfach so. Das könne ein Quartett-Spiel sein, ein Pairs-Spiel oder „Schwarzer Roland“, ein bremisches Schwarzer-Peter-Spiel sozusagen. Die Spiele will er verschenken, im Gegenzug sollen die Beschenkten allerdings an den Bürgerpark spenden. Böer hat darüber nachgedacht, die Spiele zu verkaufen; das sei allerdings wegen der Versteuerung zu kompliziert. „Ich habe ja auch nicht gesammelt, weil ich damit Geld verdienen wollte, sondern aus Leidenschaft“, sagt er.

Der Rentner ist für sein Projekt auf der Suche nach weiteren Bremer Karten. Vier Sammlungen habe er bereits bekommen, mehr als 1000 Karten hat er bereits zu Hause. „Das reicht aber auch für den Anfang nicht“, sagt der 66-Jährige. Er bietet Sammlern und Privatpersonen deshalb an, ihn zu kontaktieren, sodass er die Stücke bei ihnen abholen kann.

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Um die Karten auf der Rückseite – also da, wo vorher die Monatsmarken klebten – zu neutralisieren, hat Böer das Logo vom Bürgerpark ausgedruckt; damit beklebt er die Rückseite der Karten. Die Monatsmarken zu entfernen sei allerdings ein ganzes Stück Arbeit, wie er bei den ersten Versuchen gemerkt habe. Deshalb bittet er diejenigen, die ihm Karten zukommen lassen möchten, die Marken vorher mit einem Taschenmesser und einem Schwamm zu entfernen. Um den Druck des Bürgerpark-Logos, die Aufbereitung und den anschließenden Versand der Kärtchen kümmert sich Böer dann selbst. Mit dem Direktor des Bürgerparks, Tim Großmann, habe er sich bereits abgestimmt.

200 Kartenmotive bis zur Jahrtausendwende

Der Sammler schätzt, dass etwa vier Millionen Kärtchen in Umlauf gewesen sein müssten. In einer Excel-Tabelle hat er die verschiedenen Ausgaben der Karten aufgelistet und die entsprechenden Auflagen soweit wie möglich erfasst. Knapp 200 Motive gab es bis zur Jahrtausendwende, über die man sich bei der BSAG nicht selten den Kopf zerbrach, so schrieb es der WESER-KURIER in einem Artikel 1991. Sie waren originell, witzig, bremisch, kritisch und künstlerisch; von bunten Interpretationen der Bremer Wahrzeichen bis hin zu liebevoll gestalteten Sternzeichen-Motiven.

Der italienische Pop-Art Künstler Giuliano Ghelli und die Karikaturistin Marie Marcks gehörten zu den Künstlern, die in dieser Zeit so manche Ausgabe der Bremer Karte illustrierten. Aber auch die Bremer selbst durften bei den Motiven mit abstimmen. Zu Böers Lieblingsmotiven zählen übrigens die, die einen direkten Bremen-Bezug haben: der Roland in bunter Farbe, das Rathaus oder die Karte als Bremer Speckflagge.

Sammler, die Bremer Karten besitzen und diese abgeben möchten, können sich unter der Email-Adresse bremerkarten@t-online.de bei Böer melden.

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