Christian-Weber-Jugendpreis vergeben

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Eine Essenseinladung ans Bremer Seniorencafé als Anstoß für gemeinsame Gespräche und Aktvitäten - mit dieser Kochprojektidee hat die Hemelinger Vaja-Montagsgruppe den Christian-Weber-Jugendpreis gewonnen.
02.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Troue
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Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (v.l.), Katharina Weber-Brabant (Witwe von Christian Weber), Gunnar Erxleben, Theo Schander und Nani Stelling bei der Preisverleihung an diesem Mittwoch.

Christina Kuhaupt

„Ein echt cooles Gefühl, unter den Gewinnern zu sein“, sagt Noah Diekmann, „allein schon, weil wir mit unserer Idee etwas geschafft haben.“ Als der 14-jährige Hemelinger von der Einladung zur Preisvergabe des ersten Christian-Weber-Jugendpreises unter dem Motto „Jung hilft Alt“ erfuhr, wusste er nur, dass das Vaja-Kochprojekt mit Senioren unter den drei Finalisten ist. Als er und die anderen Jugendlichen der Montagsgruppe an diesem Mittwoch in der Hastedter Auferstehungsgemeinde als Hauptpreisträger beglückwünscht wurden und erfuhren, dass ihr Projekt mit 2000 Euro von der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe (WKH) unterstützt wird, waren sie baff vor Freude und Stolz.

Ihre Idee trifft voll ins Schwarze. Denn die WKH möchte mit diesem Preis zu Ehren des verstorbenen Bremer Bürgerschaftspräsidenten Projekte im Stadtteil Hemelingen auszeichnen, in denen sich junge Bremer für ältere Bürger einsetzen. Ganz im Sinne Webers, dem Jugendliche immer besonders am Herzen lagen. Der besondere Charme des Kochprojekts liegt darin, dass die Essenseinladung der Jugendlichen an die Mitglieder des Seniorencafés der St.-Nikolai-Gemeinde nur als Anstoß dafür gedacht ist, miteinander ins Gespräch zu kommen und weitere Aktivitäten zu verabreden. „Wir haben schon Ideen für Folgetermine“, sagt der 14-Jährige. „Brettspiele spielen“, nennt sein Mahndorfer Freund Tobias Lork als Beispiel.

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„Beim Essen wollen wir miteinander ins Gespräch kommen, um herauszufinden, was den Senioren schwer fällt und bei welchen Problemen wir sie unterstützen können“, präzisiert Gunnar Erxleben vom Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (Vaja) die Projektidee. Der Straßensozialarbeiter vom Vaja-Regionalteam Ost macht seit 1996 im Auftrag des freien Trägers aufsuchende Jugendarbeit in Hemelingen, Hastedt und Mahndorf und leitet die Jugendgruppe, die sich seit dreieinhalb Jahren montags ab 16 Uhr im Keller der St.-Nikolai-Gemeinde in Mahndorf trifft. „Diese vertrauensvolle Kooperation besteht seit 2003“, sagt Erxleben.

Im Jugendkeller trifft sich nach Auskunft von Nani Stelling ein Kern von fünf bis sieben Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren. „Je nach Wetter sind auch zehn bis 14 Jugendliche da“, sagt die studentische Hilfskraft bei Vaja, die die Montagsgruppe mit betreut. „Wir quatschen, hören oft Musik, und es ist eine Art Ritual, dass wir uns treffen und zusammen etwas kochen“, sagt Diekmann. Da sei es naheliegend gewesen, etwas für Senioren zu kochen.

Essenseinladung ausgesprochen

Anfang März besuchten acht Jugendliche mit Erxleben und Stelling, die beim Projekt in die Ideenfindung eingebunden waren, das Mahndorfer Seniorencafé. Dort sprachen sie ihre Essenseinladung aus, und sofort wurde ein Termin für Ende April ausgeguckt. Ungefähr die Hälfte hatte sich angemeldet, etwa zehn Senioren.

Der erhoffte Dominoeffekt ihres Kochprojektes wurde schon bei dieser ersten Zusammenkunft ausgelöst: „Eine Seniorin meinte, das Motto ist gut, ich bringe mein Rad mit zum Reparieren“, berichtet Erxleben von dem Treffen. Hilfe bei der Bedienung des Smartphones oder anderer moderner Medien bis hin zu einem Einkaufsnachmittag waren ebenfalls angedacht. „Letztendlich hat das Projekt da schon angefangen, aber es ist wegen Corona dann gar nicht weitergelaufen“, sagt Stelling und meint die Eigendynamik, die schon beim ersten Treffen zwischen Senioren und Jugendlichen aufgekommen sei. Der Lockdown sei daher „bedauerlich“ gewesen.

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Um trotz Corona-Beschränkungen in Kontakt zu bleiben, kommunizierte die Montagsgruppe per Telefon oder über einen Online-Dienst. Dabei handelt es sich laut Diekmann um eine Gaming-App für mehrere Online-Spieler. Die App verfüge über einen Chatroom für Audio- oder Videochats für größere Gruppen. „Da haben wir dann zum Beispiel Montagsmaler gespielt und sind immer wieder über das Projekt ins Gespräch gekommen“, sagt Erxleben.

Projektidee trotz Corona weiterentwickelt

„Es wäre schön, wenn es bald losgehen würde“, sagt der 14-jährige Tobias Lork. „Für uns ist nicht nur der Jugendkeller geschlossen, vieles ist abgesagt.“ Überdies sei die Projektidee trotz Corona weiterentwickelt worden, so Erxleben. „Wir hoffen, dass wir den Kochtermin noch in diesem Jahr nachholen können, wobei zu bedenken ist, Senioren gehören zur Risikogruppe. Sicherheit für alle geht vor.“

Mit Sicherheit motiviert der 1. Platz beim Christian-Weber-Jugendpreis das Vaja-Duo und die Hemelinger Montagsgruppe dazu, weiter an ihrem Konzept zu feilen. Die Gespräche bei der Kochaktion wollen sie mit Fotos und Videos dokumentieren und zu einem Kurzfilm zusammenschneiden. Für die Verwendung des Preisgeldes gibt es ebenfalls Vorschläge: entweder den Jugendkeller besser ausstatten oder mit den Mitgliedern des Seniorencafés eine Unternehmung starten, vielleicht einen Tagesausflug.

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