Ende der Corona-Pause

Wie die Wiedereröffnung im GOP vom Publikum angenommen wurde

Nach 117 Tagen Veranstaltungs-Flaute, bedingt durch den Corona-Lockdown, ist das GOP Varieté-Theater mit dem Metropol Theater eines der ersten Häuser, die in Bremen wieder ihre Pforten öffnen.
11.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie die Wiedereröffnung im GOP vom Publikum angenommen wurde
Von Sigrid Schuer

Das Beste kommt zum Schluss. Der poetische Pas de deux, bei dem der chinesische Akrobat Lin Gao seine Ballerina Xin Liu federleicht auf seinen Schultern balancieren und durch die Luft schweben lässt, wird vom Publikum im GOP Varieté-Theater bejubelt. Das Akrobatik-Ballett ist, gemeinsam mit der ebenso luftigen wie virtuosen Trapeznummer, die das Trio „Wise Fools“ unter der Kuppel des Varieté-Theaters vollführt, der Höhepunkt der eineinhalbstündigen, pausenlosen Show „Vorhang auf“, die bis zum 30. August gezeigt wird.

Die Töchter der Luft gewannen vor fünf Jahren die Silbermedaille beim renommierten Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris. Ohne Netz und doppelten Boden wechseln sie vom Spagat in den Salto. Und das Trio zeigt auch noch eine zweite, exklusiv erarbeitete Akrobatik-Nummer im Laufe des Abends, indem es immer wieder neue Körper-Pyramiden baut.

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Das GOP war im März das wohl letzte Theater, das in Bremen noch eine Premiere präsentierte und ist nun, nach dem 117-tägigen Lockdown, wie auch das Metropol Theater, das erste, das wieder Vorstellungen in geschlossenen Räumen zeigt.

Entspannter Abend

Möglich wird das wegen eines ausgetüftelten Hygienekonzeptes. Das Belüftungssystem, das zeigt ein Einspieler im Foyer, soll alle zehn Minuten für einen Austausch der Luft sorgen. Bar, Restaurant und Terrasse sind gesperrt. Ausverkauft, das heißt unter Corona-Bedingungen: 244 statt 400 sonst möglichen Plätzen sind belegt. Plexiglas-Scheiben sind zwischen den Gängen als Virenschutzschilder eingezogen worden. Zudem werden die Abstandsregeln zwischen den Tischen, wie angeordnet, eingehalten. Das Publikum wird darauf hingewiesen, via QR-Code per Smartphone seine persönlichen Daten zu hinterlassen. Eine analoge Variante der Registrierung wird angeboten.

Corona rückt spätestens dann in den Hintergrund, sobald die Varieté-Fans an den Tischen Platz genommen und ihre Masken abgelegt haben. Cocktail-Gläser klirren aneinander. Es wird gelacht und gefachsimpelt. Es ist so, wie es Werner Buss, künstlerischer Direktor des GOP, vor Beginn der Show versprochen hat. Das Theater-Publikum genießt bei einem Best-of-Programm nach monatelanger Abstinenz und Corona-Stress endlich einmal wieder einen entspannten Abend. Die Produktion des ursprünglich geplanten Programms „Undressed“ musste wegen der Reisebeschränkungen während der Pandemie ausgesetzt werden.

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Diejenigen Artisten, die jetzt im GOP auftreten, befanden sich bereits in der Hansestadt. Die Freude und die Erleichterung, wieder spielen zu dürfen, ist ihnen anzumerken. Applaus sei nun einmal das Brot des Künstlers, wie Philipp Peiniger, Direktor des Bremer GOP, zu Beginn betont hatte.

Eine heiße Nummer

„Vorhang auf“ ist für die Varieté-Fans auch ein Wiedersehen mit so manch bekanntem Gesicht. Beispielsweise mit Moderatorin Chantall, die mit gewohnt loser Berliner Kodderschnauze und so manch schlüpfrigem Witzchen durch das Programm führt. Frei nach der Devise „Ein bisschen Spaß muss sein“. Mal geht sie in den verbalen Clinch mit ihrem trotteligen Sidekick Herrn Riesling, der in einer Pantomime an einem roten Ballon über die Bühne zu schweben scheint.

Im sexy Outfit zerlegt Chantall peitschenknallend eine Zeitung und demonstriert dann, wie frau sich heute einen „Po to go“ à la Selbstvermarktungs-Sternchen Kim Kardashian zulegen kann. Ist der Allerwerteste erst einmal kunstvoll mit Silikon aufgeplustert, lässt Chantall auf ihm gekonnt einen Hula-Hoop-Reifen kreisen.

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Nur gucken, und, liebe Kinder, schon gar nicht nachmachen (O-Ton Chantall), das gilt bei Fibi Eyewalker. Die US-Amerikanerin legt ihre langen, roten Handschuhe mit den Glitzerfransen ab, um Feuer-Schwerter zu schlucken. Eine ganz schön heiße Nummer. Wie macht sie das nur, fragt sich das Publikum? Genauso wie bei dem Puppenspieler Francisco Obregon. Der Chilene legt im Wechsel mit der Puppe Sophia eine Bauchsing-Nummer aufs Parkett. Ganz schwindlig jongliert dagegen zu Beginn der Show Pavel Roujilo das Publikum mit immer neuen Tricks seiner Bälle, die er rasant rotieren lässt. Auch der Russe wurde beim Festival Cirque de Demain in Paris ausgezeichnet.

Die Show „Vorhang auf“ wird bis 30. August im GOP Varieté-Theater gezeigt. Eintrittskarten ab 36 Euro. Kinder bis einschließlich 14 Jahren erhalten 50 Prozent Rabatt. Informationen und Buchungen unter der Telefonnummer 0421 89 89 89 89 oder im Internet unter variete.de.

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