Umbau der Domsheide Verzögerte Weichenstellung

Der Umbau der Domsheide soll synchron zu anstehenden Sanierungsarbeiten der BSAG an dem Verkehrsknotenpunkt vonstatten gehen. Offen bleibt, ob die Politik mit der Zeitplanung der BSAG Schritt halten kann.
09.08.2019, 06:00
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Verzögerte Weichenstellung
Von Ralf Michel

Etwa ein Jahr ist es her, da erklärte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) den Umbau der Domsheide zur Chefsache. Sieling bemängelte die unübersichtliche Situation für Fußgänger und Radfahrer, gipfelnd in der Aussage „Das Ganze ist ein Chaos“. Damit einher ging die Ankündigung, die Domsheide komplett umbauen zu wollen. Schwerpunkt dieser Maßnahme: Die Haltestellen von Straßenbahnen und Bussen sollten neu sortiert werden. Die Chance für die angedachte Radikalkur sollte die „nächste große Sanierung“ der Gleisanlagen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) bieten. Die müsse man nutzen, um das Problem insgesamt anzugehen, erklärte Sieling seinerzeit.

Nun finden seit einigen Tagen umfangreiche Sanierungsarbeiten der BSAG an der Domsheide statt. Vom großen Wurf in Sachen grundsätzlicher Umbau des Verkehrsknotenpunktes aber keine Spur. Weder BSAG noch Baubehörde sehen hierin allerdings einen Widerspruch.

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Die BSAG habe in den vergangenen Tagen vier neue Weichen eingesetzt und diese Maßnahme sei unaufschiebbar gewesen, erklärt Andreas Holling, Pressesprecher des Unternehmens. Die Weichen in diesem viel befahrenen Bereich seien 15 Jahre alt und völlig runtergefahren gewesen. Bereits 2018 habe man sie einmal notdürftig repariert. „Aber das ging jetzt nicht mehr, die waren an der Verschleißgrenze und mussten ausgetauscht werden.“

Dies sei aber weder überraschend gekommen noch in irgendeiner Art und Weise geheimnisvoll, betont Holling. „Die Pläne waren bekannt, es war klar, dass wir da was machen mussten.“ Schließlich seien derartige Sanierungsarbeiten von langer Hand vorzubereiten. Die rund 14 Tonnen schweren Weichengleise müssten auf Maß angefertigt werden, hätten eine Lieferzeit von einem Jahr. Insgesamt wurden laut Holling 220 Meter Gleis erneuert. Als die Politik mit ihren Überlegungen zum Umbau der Domsheide begonnen habe, sei der Austausch der verschlissenen Weichen bei der BSAG längst in Planung gewesen. Der Knotenpunkt habe für die BSAG eine sehr hohe Bedeutung. „Da fahren außer den Linien 1, 5 und 10 alle Straßenbahnen drüber. Da können wir es nicht riskieren, dass da Weichen ausfallen.“

Vier weitere Weichen müssen saniert werden

Ebenfalls längst eingetütet sei daher auch der zweite Teil der geplanten Sanierungsmaßnahmen durch die BSAG, der 2020 erfolgen soll. „Es gibt noch vier weitere abgenutzte Weichen, die gemacht werden müssen“, erklärt Holling. Zwei, die von der Balgebrückstraße in Richtung Hauptbahnhof führen, und zwei in der Kurve vor dem Landgericht von der Violenstraße in Richtung Ostertor.

Klingt nach einem Zeitfenster bis 2020 für den politischen Beschluss, welche Umbauvariante es an der Domsheide letztlich sein soll. Letzter Stand der Dinge war nach mehreren durchgeführten Bürgerbeteiligungen, dass die Entscheidung zwischen zwei (von ursprünglich 14) Entwürfen fallen soll. Beide Entwürfe sehen ähnliche Änderungen vor: Ein barrierefreier Zugang zu dem gesamten Verkehrsknotenpunkt ist in beiden Varianten vorgesehen. Ebenso, dass Busse und Bahnen dieselben Trassen nutzen und gemeinsame Haltestellen bekommen.

Wesentliches Unterscheidungsmerkmal der beiden Entwürfe ist die künftige Anordnung der Haltestellen. Ein- und Ausstieg ausschließlich zwischen Glocke und Postgebäude oder vor dem Postgebäude und in der Balgebrückstraße? Dieser Stand datiert vom Mai dieses Jahres. Seither hat sich auf politischer Ebene nichts getan, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Ressorts für Umwelt, Bau und Verkehr. Was wegen Bürgerschaftswahl und Sommerpause aber auch nicht anders möglich gewesen sei. Die letzte Sitzung der alten Baudeputation fand Anfang Mai statt, die neue Deputation werde erst in den kommenden Wochen tagen.

„Kein Zeitdruck“

Zeitdruck entstehe dadurch aber nicht, betont Tittman. „Wir halten daran fest, das im Einklang mit der BSAG umzusetzen, damit die Domsheide nicht zur Dauerbaustelle wird.“ Dass deren nächste Sanierungsmaßnahme bereits 2020 ansteht, sei kein Problem. Entscheidend sei letztlich vor allem die Frage, nach welcher Variante ausgebaut würde. „Wenn dieser Beschluss gefasst ist, hat die BSAG Gewissheit und kann die Schienen im nächsten Jahr entsprechend verlegen.“

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Wann dann die Stadt tatsächlich mit den geplanten Umbaumaßnahmen beginne – die Rede ist unter anderem von Ruhezonen mit Bänken und Bäumen und von mehr Gastronomie –, stehe auf einem ganz anderen Blatt. Dies werde sich sicherlich hinziehen, räumt auch Tittmann mit Blick auf erneute Bürgerbeteiligungen, eventuellen neuen Wettbewerben und das notwendige Ausschreibungsverfahren ein. Bislang lautet die offizielle Sprachregelung für den Abschluss des Umbaus: „bis 2022“.

Wie weit dies dann tatsächlich synchron mit ohnehin anfallenden Sanierungsmaßnahmen der BSAG an ihrem Schienennetzwerk zu realisieren sein wird, bleibt abzuwarten. Aus Reihen des Verkehrsbetriebs ist zu vernehmen, dass die Verlegung von Haltestellen definitiv eine ganz andere Größenordnung ist als der Austausch abgenutzter Weichen.

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