Schule an der Kantstraße

Vier Tischtennisplatten zu viel

Weil im Geräteraum der Schule an der Kantstraße künftig Stühle und eine mobile Bühne untergebracht werden müssen, können drei Tischtennisgruppen die Turnhalle nicht mehr nutzen.
09.08.2018, 08:00
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Vier Tischtennisplatten zu viel
Von Nina Willborn

Zu wenig Platz ist ein Problem, mit dem viele Bremer Schulen zu kämpfen haben. In erster Linie leiden Schüler, die sich in zu kleine Klassenzimmer quetschen müssen und Lehrer unter der Raumnot. In der Schule an der Kantstraße hat die Enge jetzt aber auch Folgen für drei Tischtennis-Betriebssportgruppen: Sie sind zum Teil dort seit mehr als zehn Jahren zu Hause, können die Turnhalle der Grundschule aber nun nicht länger nutzen. Der Grund: Es gibt dort keinen Platz mehr für die Aufbewahrung ihrer Tischtennisplatten.

So eine Tischtennisplatte ist im zusammengeklappten Zustand etwa 1,80 Meter hoch, 1,65 Meter breit und knapp 70 Zentimeter tief – und bislang passten die vier Platten, die die Betriebssportgruppen von Airbus, dem Martinsclub und dem Getriebehersteller Tandler nutzten, ohne Probleme zusammengeklappt in einen kleinen Abstellraum am Ende des Gerätebereichs in der Gymnastikhalle. Nun aber benötigt die Schule den knapp vier Quadratmeter großen Raum selbst. "Wir haben keine Aula. Für alle Schulveranstaltungen wie zum Beispiel die Einschulungsfeier nutzen wir die Turnhalle", sagt die Schulleiterin Insa Gildemeister. "Dafür wollen wir bald eine mobile Bühne anschaffen." Und diese soll dann in dem Raum gelagert werden, der bisher die Tischtennisplatten beherbergte.

Zusätzlich zu der geplanten Bühne aus Holzelementen hat die Schule bereits 120 Stühle gekauft, die bislang bei Veranstaltungen vom Hausmeister und den Lehrern über mehrere Stufen bis in die Turnhalle getragen werden mussten. Künftig sollen die Stühle vor der Abstellkammer gestapelt werden, weil der Bereich nun nicht mehr zum Hinein- und Hinausschieben der Platten gebraucht wird. "Es ist mir zutiefst unangenehm, und ich bin die Letzte, die die Sportler hier hinauswerfen wollte. Aber es gab einfach keine andere Lösung", sagt Insa Gildemeister.

Jens Arfmann, Vorsitzender der Fachgruppe Tischtennis beim Betriebssportverband, sieht das etwas anders. "Meines Erachtens hätte man schon einen anderen Platz finden können", sagt er. "Wir haben wenig Verständnis für die Entscheidung, und das haben wir in den Gesprächen mit der Schulleitung auch deutlich gemacht." Die rund 60 Sportler der Tischtennisgruppen von Airbus/Erno, dem Martinsclub und des Getriebeherstellers Tandler boten ihre Hilfe an, als sie die Nachricht vom Verlust ihrer sportlichen Heimat vor rund einem Jahr das erste Mal hörten. Alexander Bruns, der für Airbus/Erno spielt, sagt: "Die Halle ist seit Jahrzehnten unsere Heimat, und wir wollten nicht woanders hin. Deshalb haben wir vorgeschlagen, uns auf zwei Platten zu beschränken und dabei zu helfen, die Turngeräte der Schule so umzustellen, dass die Platten doch noch Platz finden. Das wurde aber ausgeschlagen."

Auch das Angebot der Sportler, dafür zu sorgen, dass auf dem Schulhof ein Container aufgebaut wird, in dem die Platten untergebracht werden könnten, war laut Insa Gildemeister nicht umsetzbar. "Wir haben auf dem Schulhof durchschnittlich knapp vier Quadratmeter für jeden unserer 200 Schüler. Wir lassen schon jetzt die Klassen teilweise versetzt Pause machen. Wir nutzen schon jetzt jeden verfügbaren Raum, das wäre einfach nicht drin gewesen."

Die Schule ist 125 Jahre alt, liegt mitten in einem Wohngebiet: Abgesehen von denkmalschützerischen Aspekten gibt es keine Möglichkeiten, das Schulgebäude zu erweitern – und ebenso wenig eine Lösung für das Platten-Problem. Betriebssport wird es auch an der Kantstraße weiterhin geben, nur eben mit Gruppen, die keine Stellmöglichkeiten für großformatige Gerätschaften brauchen.

Die Tischtennisspieler müssen nun zum Teil weitere Wege in Kauf nehmen, das gilt vor allem für die Sportler des Martinsclubs, die beim SV Hemelingen untergekommen sind. Airbus/Erno trainiert ab dem Sommer bei den Verkehrsfliegern von Lufthansa, und die Tandler-Sportler in der Oberschule in Huckelriede. "Das war alles nicht einfach", sagt Jens Arfmann, "wir mussten selbst aktiv werden, weil uns das Hallen-Management vom Landessportbund auch nicht weiterhelfen konnte. Aber immerhin können alle drei Gruppen jetzt weiter trainieren."

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