Baumärkte werden Baustellen

Was aus den ehemaligen Bremer Max-Bahr-Baumärkten werden soll

Mehr als sechs Jahre nach der Max-Bahr-Insolvenz stehen drei der früheren vier Bremer Märkte noch immer leer. Obwohl es neue Besitzer gibt - und obwohl sie Pläne haben.
03.11.2019, 16:09
Lesedauer: 4 Min
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Was aus den ehemaligen Bremer Max-Bahr-Baumärkten werden soll
Von Justus Randt
Was aus den ehemaligen Bremer Max-Bahr-Baumärkten werden soll

Drei der vier ehemaligen Max-Bahr-Baumärkte, hier an der Stresemannstraße, stehen trotz neuer Besitzer auch nach Jahren noch leer.

Christina Kuhaupt

Die spitzgiebeligen Glasportale erinnern an kieloben treibende Schiffsrümpfe. Vor der Havarie war das schick, ein typisches Merkmal der Max-Bahr-Baumärkte. Mit der Insolvenz ist es sinnbildlich geworden. Das war 2013. Nur einer der seinerzeit vier Bremer Bahr-Läden, der im Weserpark in Osterholz, ist auch heute noch ein Baumarkt. Allerdings nicht mehr in Gelb-Blau, sondern im Rot-Weiß der Bauhaus-Kette. An den Adressen in Oslebshausen und an der Stresemannstraße hat sich äußerlich nicht viel getan. Die Fassaden sind blasser geworden. Und das Grün schießt durch die Verbundsteinfugen auf den riesigen Parkplätzen. In Habenhausen machen erste Ausfälle unter den blauen Leuchtbuchstaben den Identitätsverlust sichtbar.

Mömax plant Trendmöbelhaus

Wo abends „AX AHR“ am Werder Karree leuchtet, plant Mömax, eine Tochter des Möbelhauses XXXLutz, schon länger und „weiterhin, in Bremen ein Trendmöbelhaus zu errichten“. Ein Bauantrag der Eigentümer war zunächst genehmigt worden. Anwohner des nahen Wohngebietes an der Anna-Seghers-Straße hatten gegen die teilweise Erhöhung des alten Bahr-Gebäudes geklagt, weil sie eine sogenannte Verschattung befürchteten. „Das sind direkte Nachbarn, kann man sagen“, beschreibt Michael Radolla die Lage. Der Obervielander Ortsamtsleiter schätzt, dass das Verfahren schon zweieinhalb Jahre läuft. „Begonnen hat das alles jedenfalls vor meiner Zeit, ich bin erst seit Ende 2016 da.“ Er verlässt sich darauf, dass der Standort „irgendwann wieder belebt wird“. Und er sagt: „Eigentlich passiert ja was, es kommt nur nicht recht voran.“

Nach Angaben der Baubehörde wird gegenwärtig der nach der Klage geänderte Bauantrag geprüft. Die Eigentümer hätten die Fassade verändert, was nun nachträglich der Genehmigung bedürfe. Keine große Sache, wie es heißt. „Wir befinden uns derzeit noch im Abstimmungsprozess und können dazu keine weiteren Informationen geben“, teilt Mömax-Sprecher Jens Mieke mit, bestätigt aber, dass es um den Habenhauser Standort an der Ernst-Buchholz-Straße gehe.

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Keine Bestätigung gibt es hingegen dafür, dass der Bahr-Markt an der Stresemannstraße 68 weiterhin in der Hand von XXXLutz ist. Auch dort, so lauteten frühere Pläne, sollte ein Möbelmarkt eröffnen. Im Ortsamt Hemelingen ist man froh, dass die jüngste Zwischennutzung beendet ist: Zeitweilig waren in dem alten Baumarkt Autoteile eingelagert. „Daimler ist raus, der Lastwagenverkehr über die Ludwig-Quidde-Straße ist zum Glück wieder weg“, sagt die stellvertretende Leiterin Silke Lüerssen. Ihrem Chef Jörn Hermening ist der Leerstand grundsätzlich ein Dorn im Auge: „Das sieht nicht gut aus. Wir als Ortsamt fänden es gut, wenn da was passierte.“

Hermenings Osterholzer Kollege Ulrich Schlüter kennt solche Sorgen nicht. „Der Weserpark blüht, ja, seit er da ist, das läuft wie geschnitten Brot. Es gibt nie lange Leerstände.“ Folgerichtig, dass auch der frühere Max-Bahr- und heutige Bauhaus-Baumarkt an der Hans-Bredow-Straße 20 gut laufe.

Bauhaus übernahm viele Kollegen

Für den Bürgerschaftsabgeordneten Elombo Bolayela (SPD) war die Übernahme des Osterholzer Baumarktes der einzige Lichtblick im Insolvenzverfahren, das allein in Bremen „um die 200 Beschäftigte“ betroffen habe. Bolayela hat das Drama damals als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Max Bahr in Bremen miterlebt. „Das Gute ist, dass die meisten Kollegen damals zu Bauhaus wechseln konnten, etwa 80 Prozent.“ Ursprünglich wollte Bauhaus auch in Oslebshausen übernehmen, aber daraus wurde am Ende nichts.

Stattdessen erhielt ein Logistikunternehmen den Zuschlag, das zuvor unter anderem eine Halle am Weserpark hatte. „Wir haben den Max Bahr 2015 gekauft, weil wir da mit unserer Logistik rein wollten“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, der nicht namentlich in Erscheinung treten will. „Wir brauchten Büros, stellten dann aber bald fest, dass der Baumarkt zu wenig solcher Räume bot.“ Also seien weitere Gebäude in der Nachbarschaft erworben worden. „Wir hätten gern den Baumarkt behalten, bei Bahr war damals sogar mal eine Erweiterung um ein Gartencenter geplant“, erinnert sich Ortsamtsleiterin Ulrike Pala. „Seit der Toom-Markt in Walle abgebrannt ist, haben wir keinen großen Baumarkt mehr.“ Im August hat Bauhaus im Gröpelinger Fachausschuss für Bau und Verkehr Interesse bekundet, sich am Standort des alten Schlachthofs anzusiedeln.

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Den früheren, mehr als 5000 Quadratmeter großen Max-Bahr-Markt vermieteten die Logistiker als Notunterkunft an die Stadt. Das Grundstück an der Tucholskystraße misst 15.000 Quadratmeter. Im Markt, wo es früher Werkzeug und Baustoffe zu kaufen gab, wurden 100 Kabinen für 350 Geflüchtete hergerichtet. Der Malteser-Hilfsdienst übernahm dort die Regie. Die Sozialbehörde übrigens hätte damals gern auch die Märkte an der Stresemannstraße und in Habenhausen angemietet, sagt ein Sprecher. „Wir haben sie aber nicht bekommen.“ Mittlerweile steht der Laden an der Tucholskystraße längst wieder leer. Das Mietverhältnis mit der Stadt habe von Dezember 2015 bis Ende Januar 2019 bestanden, sagt Peter Schulz, Sprecher von Immobilien Bremen. Die Anstalt öffentlichen Rechts und das Logistikunternehmen sind sich aber über die Bedingungen der Kündigung uneinig und sehen einem gerichtlichen Gütetermin Anfang Januar entgegen.

Im Bereich der Reiher- und der Tucholskystraße will der Beirat nach Möglichkeit Wohnungen bauen. Den Besitzern des alten Max-Bahr-Marktes käme das zupass. „Bebauung könnte ich mir vorstellen“, sagt der Geschäftsführer. Momentan wäre das aber eher die B-Lösung. Die Logistiker haben einen Nutzungsänderungsantrag gestellt. Die Baubehörde bestätigt das. Lärm- und Feuerschutzgutachten lägen bereits vor, sagen die Besitzer: „Da sollen Feiern rein, das wird eine Mehrzweckhalle für türkische Hochzeiten.“

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