Aktionstag "Kunst Unlimited! Ein Tag für alle" "Weltschal" macht Station in der Bremer Kunsthalle

Ein Weltschal aus handgestrickten Flaggen macht Station in Bremen, wenn auch in Form eines Teppichs an der Fassade der Kunsthalle. Er steht als Symbol für Offenheit, Viefalt und eine bunte Welt.
16.08.2018, 18:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Timo Thalmann

Nach Stationen am Hamburger Rathaus, der Kölner Domplatte und einem Konferenzzentrum in St. Petersburg nun also die Kunsthalle Bremen, bevor es als nächstes nach New-York geht: Der seit 2015 immer weiter wachsende Weltschal des Hamburger Vereins Made auf Veddel kommt tatsächlich in der Welt herum. Er besteht aus gestrickten, gehäkelten und bestickten Flaggen, die vollständig aneinandergehängt inzwischen die stolze Länge von 350 Meter erreichen würden. Als Symbol für Demokratie, Vielfalt und Integration versteht Initiatorin und Mode-Designerin Sibilla Pavenstedt den Weltschal.

In Bremen allerdings zeigt sich die bunte Sammlung als haushoher, rund 60 Quadratmeter großer Teppich. Noch einige Tage wird er die Fassade der Bremer Kunsthalle schmücken, nicht zuletzt anlässlich der zum fünften Mal veranstalteten Aktion "Kunst Unlimited! Ein Tag für alle" am Sonnabend, 18. August. Von 10 bis 18 Uhr lädt die Kunsthalle bei freiem Eintritt dann zu zahlreichen Angeboten ein, mit denen das Haus mögliche Hemmschwellen gegenüber zeitgenössischer Kunst abbauen will.

Spezielle Angebote der Aktion "Kunst Unlimited! Ein Tag für alle"

Dazu gehören an diesem Tag einige Kreativ-Workshops, spezielle Angebote für Kinder, Musik der Bremer Philharmoniker sowie einige besondere Kurzführungen, unter anderem mit Vivienne Lovecraft. Die Kuratorin der aktuellen Ausstellung "What is Love?" Jasmin Mickein wird dabei mit der Bremer Dragqueen über Schönheitsideale, Transgender und Homonormavität sprechen. Das ist zugleich ein Beitrag der Kunsthalle zu zahlreichen Aktionen rund um den Bremer Christopher Street Day (CSD) am 25. August. Der CSD erinnert alljährlich an den ersten Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street und gilt als Kampftag für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern.

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Das trifft sich mit den Idealen der Vielfalt, die der Weltschal für Pavenstedt verköpert. Entstanden ist er vor dem Hintergrund des starken Zustroms von Flüchtlingen 2015. Im Sinne von Joseph Beuys ist er als soziale Skulptur zu verstehen, bei der schon der Herstellungsprozess auf die Gesellschaft einwirken soll. In diesem Fall geht es vor allem um die gefüchteten Frauen, die die Flaggen herstellen. Bei Made auf Veddel kümmert man sich schon seit 2008 um diese Klientel. Die Grundidee des Fördervereins: Die Herstellung von Kleidung und Mode wird mit der Integration der Frauen verbunden. "Das knüpft an die hohe Bedeutung an, die Handarbeit in den meisten Herkunftsländern hat", sagt Pavenstedt. Zumeist bringen die Frauen darum bereits ausgeprägte technische Fertigkeiten mit, die der Verein mit einer professionellen Ausbildung, Deutschkursen und modernen Maschinen für die Herstellung hochwertiger Accessoires, Kleidungsstücke und Kollektionen ergänzt.

Inspirationen aus Bremen

Die Idee für das Flaggenprojekt hatte die gebürtige Bremerin Pavenstedt bei einem Besuch im Rhododendronpark. Dort liegen die Texte der 30 Artikel der UN-Menschenrechtskonvention längs der Parkwege in Bronze gegossen. "Das hat mich auf den Gedanken mit den Flaggen gebracht." Um das Projekt realisieren zu können, werden für jede Flagge Patenschaften an Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen und Konsulate vergeben. Mit jeder Patenschaft sind 1000 Euro Spende verbunden, die zur einen Hälfte an diejenige Person geht, die die Flagge herstellt, zur anderen Hälfte für weitere Integrationsprojekte vorgesehen sind, die Made auf Veddel in Hamburg betreut.

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Rund 30 Paten aus Bremen sind inzwischen dabei, die sich entweder eine der noch freien Nationalflaggen ausgesucht haben oder eigene Fahnen mitbrachten. Auf diese Weise kam auch die Bremer Speckflagge und die weiße Werder-Raute auf grünem Hintergrund in die Sammlung. Für letztere hat natürlich der Sportverein selbst gesorgt. Bei der Speckflagge hat der Seidengroßhandel Barth & Könenkamp Pate gestanden. Die Europaflagge geht auf die Bremer Kunstmäzene Karin und Uwe Hollweg zurück. Auch die passend zu den CSD-Aktionen der Kunsthalle integrierte Regenbogenflagge und die rosa-gelb-blaue Fahne der Pansexuellen sind Bremer Sponsoren zu verdanken. "Die Welt ist bunt und wir sind offen für viele Fahnen von Gemeinschaften, Städten und Ländern", kommentiert Pavenstedt.

"Der Weltschal als Symbol für Offenheit und Toleranz passt zur Arbeit der Kunsthalle, genauso wie die Kooperation mit dem Christopher Street Day", meint Christoph Grunenberg dazu. Laut dem Direktor der Bremer Kunsthalle ist der Kontakt zu Pavenstedts Weltschal-Aktion eher zufällig zustande gekommen. Er habe die Modeschöpferin über Bremer Bekannte kennengelernt und irgendwann sei man ins Gespräch über die Flaggen gekommen. "Das fand ich für die Kunsthalle und unseren Aktionstag attraktiv."

Station in New York

Im kommenden Jahr sollen die Flaggen in New York präsentiert werden. Das geht auf eine Demonstration während G-20-Gipfels in Hamburg zurück. Dort haben mehrere Tausend Menschen den Weltschal zum Fischmarkt getragen, immer darauf bedacht, dass sich die nur mit Klettband aneinander gefügten Stoffbahnen nicht lösen. "Niemand wollte verantwortlich dafür sein, dass die Weltgemeinschaft auseinanderbricht", interpretiert Pavenstedt das Ereignis. Und so ähnlich muss das auch der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio empfunden haben, der auf der Kundgebung die Abschlussrede hielt und das handgefertigte Flaggenband in seine Stadt einlud.

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