Rückläufige Fallzahlen

Geländewagen werden häufiger gestohlen

Insgesamt hat die Zahl der Autodiebstähle im vergangenen Jahr abgenommen. Millionenschäden richteten die Täter trotzdem an. Auf bestimmte Modelle hatten sie es dabei besonders abgesehen.
17.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Geländewagen werden häufiger gestohlen
Von Ralf Michel
Geländewagen werden häufiger gestohlen

In Bremen wurden im vergangenen Jahr 117 kaskoversicherte Autos gestohlen.

Heiko Wolfraum /dpa

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 14.229 kaskoversicherte Autos gestohlen, 117 davon stammten aus Bremen. Dies geht aus einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor, die für Bremen zwei Tendenzen nennt: Erstens ging die Zahl der Autodiebstähle leicht zurück, 2018 wurden sechs Wagen mehr gestohlen. Zweitens verschwanden offenbar häufiger günstigere Autos. Denn durchschnittlich zahlten die Versicherer für jeden Fall 16.800 Euro. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 21.600 Euro gelegen.

Mit beiden Werten liegt Bremen im Bundestrend, bei der Zahl der gestohlenen Fahrzeuge im Ländervergleich allerdings leicht über dem Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit sank die Zahl der gestohlenen Wagen laut GDV im vergangenen Jahr um fünf Prozent. Der Schaden, den die Versicherungen dabei begleichen mussten, beziffert der Verband auf fast 280 Millionen Euro.

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Für die Bremer Polizei liegt die Zahl der Autodiebstähle derzeit im normalen Bereich. Keine Auffälligkeiten festzustellen, sagt Pressesprecher Nils Matthiesen. Auch im ersten Halbjahr 2020 bewegen sich die Fallzahlen in etwa auf Vorjahresniveau. Insgesamt ist die Zahl der gestohlenen Pkw in Bremen in den vergangenen fünf Jahren rückläufig.

Gestiegen ist im selben Zeitraum die Aufklärungsquote. „2015 lag sie bei 15 Prozent, 2019 hatten wir eine Quote von 22 Prozent“, so Matthiesen. Was zum einen daran gelegen habe, dass diese Art von Diebstählen nicht selten von Personen aus dem persönlichen Umfeld des Opfers begangen wurde, denen die Polizei schnell auf die Spur kam. Zum anderen aber auch an der verbesserten Technik, wie unter anderem den in Fahrzeugen verbauten Ortungssystemen.

Weniger Diebstähle durch verbesserte Technik

Verbesserte Technik könnte auch verantwortlich dafür sein, dass insgesamt weniger Wagen gestohlen werden, vermutet GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen. „Die Bemühungen der Autohersteller, ihre Keyless-Entry-Systeme sicherer zu machen, zahlen sich offenbar aus.“

Bei älteren Modellen lasse sich diese auf Funkchips basierende schlüssellose Technik noch relativ einfach aushebeln, womit diese Fahrzeuge verstärkt ins Visier der Autodiebe gerieten. Zumindest haben die GDV-Statistiker eine Verschiebung beim Alter der gestohlenen Pkw festgestellt: Die Diebe entwendeten weniger Neuwagen und dafür mehr Fahrzeuge, die zwischen zwei und drei Jahren alt waren.

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In Bremen würden auffallend oft Pkw der Marke VW Tiguan in der Preisklasse 10.000 bis 20.000 Euro gestohlen, berichtet Nils Matthiesen. Zu der Frage nach den Dieben – Einzeltäter oder professionelle Banden? – hält sich der Polizeisprecher bedeckt. „Die Ermittlungen zu Tätern und Absatzwegen dauern an.“

Sie könnten über Deutschlands Grenzen hinausgehen. Liegen via Ortungssystem Informationen vor, dass sich ein gestohlenes Fahrzeug im Ausland befindet, setze sich die Polizei Bremen unverzüglich mit der zuständigen ausländischen Polizeibehörde in Verbindung und versuche, das Fahrzeug auf diesem Wege sicherzustellen, erläutert Matthiesen.

Berlin erneut mit höchster Diebstahlrate

Auch hier und insbesondere zur Frage nach dem Erfolg dieser Bemühungen äußert sich der Polizeisprecher nicht zu Details. Es gehe aber ohnehin um Einzelfälle. Was wiederum damit zusammen hängen könnte, dass in diesem Bereich auch professionell arbeitende Banden tätig sind: „Diese Täter sind durchaus in der Lage zu verhindern, dass in Fahrzeugen verbaute SIM-Karten senden können.“

Im Vergleich der Bundesländer und Großstädte hatte Berlin erneut die mit Abstand höchste Diebstahlrate. Inzwischen findet mehr als jeder fünfte Autodiebstahl bundesweit in Berlin statt. 3130 kaskoversicherte Pkw wurden hier im vergangenen Jahr gestohlen, rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Diebstahlquote in Berlin – gestohlene Wagen pro 1000 Fahrzeuge – lag damit in der Bundeshauptstadt bei 3,3. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 0,4, Bremens Quote lautet 0,5, womit der Stadtstaat im Ranking der Bundesländer auf dem fünften Platz steht.

Besser als Bremen stehen die niedersächsischen Nachbarn dar. Hier sank die Zahl der Autodiebstähle 2019 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent, womit Niedersachsen landesweit mit einer Quote von 0,3 auf 1000 kaskoversicherten gestohlenen Pkw unter dem Bundesschnitt liegt.

Bevorzugte Beute der Autodiebe waren SUV – unter den zehn am häufigsten gestohlenen Modellreihen finden sich davon gleich sechs, an der Spitze dabei die zweite Generation des BMW X6. Besonders hoch im Kurs der Diebe standen Modelle von Toyota. In der Top 10 der gestohlenen Modelle war der japanische Hersteller mit gleich fünf Baureihen vertreten. In absoluten Zahlen liegt bei den gestohlenen Fahrzeugen die Marke VW an der Spitze (2589), gefolgt von Audi (1807), BMW (1676) und Mercedes (1495).

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