Auch Politik zeigt sich entsetzt

Werder Bremen verurteilt Ausschreitungen nach Pokalspiel

Werder Bremen und die Fraktionen von Grünen, CDU und FDP haben die Angriffe auf Polizisten am Samstag mit deutlichen Worten kritisiert. Forderungen gegenüber Werder werden auch in Sachen Pyro-Technik erhoben.
12.08.2019, 14:33
Lesedauer: 3 Min
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Werder Bremen verurteilt Ausschreitungen nach Pokalspiel
Von Ralf Michel

Werder Bremen hat die Gewalt gegen Polizeibeamte nach dem Spiel gegen Atlas Delmenhorst mit deutlichen Worten verurteilt. "Das war ein brutaler Akt, der durch nichts zu rechtfertigen ist", sagte Vereins-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Auch die Solidarisierung der Ultras mit dem Täter sei nicht nachvollziehbar. "Die aktive Fanszene sollte sich an dieser Stelle sehr intensiv hinterfragen." Solche Ausschreitungen würden einen differenzierten Blick auf die Arbeit von Ultra-Gruppierungen erschweren, betonte Hess-Grunewald. "Gewalttäter zu schützen gefährdet alle positiven Effekte dieser Arbeit.“

Nach dem DFB-Pokal-Spiel am Sonnabendabend war es zu Ausschreitungen gegenüber der Polizei gekommen. Dem Vernehmen nach wollte eine Gruppe Ultras in Richtung einer Kneipe auf dem Peterswerder, wo sie Werder-Hooligans und rechte Fans von Atlas Delmenhorst vermuteten. Die Polizei ließ dies nicht zu und begleitete die Ultras durch die Harzburger Straße. Dort soll einer von ihnen auf das Dach eines parkenden Autos gestiegen sein und von dort aus einem Polizeibeamten gegen den Kopf getreten haben.

Als die Polizei versuchte, den Täter festzunehmen, hätten sich andere Ultras mit diesem solidarisiert, die Polizisten mit Pflastersteinen beworfen und mit Stangen und weiteren Gegenständen angegriffen, heißt es in dem Polizeibericht zu dem Vorfall. Dabei seien zwei Polizisten durch Pflastersteine, ein weiterer Beamter durch Schläge verletzt worden. Die Täter konnten anschließend unerkannt fliehen. Inzwischen hat die Polizei zur Aufklärung eine Ermittlungsgruppe eingesetzt.

Auch die Fraktionen von Grünen, CDU und FDP verurteilten die Angriffe auf die Polizisten. „Derartige Attacken gegen die Polizei sind völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen", erklärte der innenpolitische Sprecher und designierte Grünen-Fraktionschef, Björn Fecker. Zugleich betonte er, dass dies auch die Besonnenen unter den Werder-Ultras wüssten. "Wer eine bessere Fehlerkultur bei der Polizei fordert, sollte diese intern auch selbst vorleben."

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Die CDU-Fraktion bezeichnete die Gewalt gegen Polizisten als "Herausforderung unseres Rechtsstaates“. Sie forderte angesichts der jüngsten Ausschreitungen einen schriftlichen Bericht von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). „Eine derartig brutale und hinterhältige Attacke auf Polizisten ist widerwärtig", sagte Marco Lübke, Bürgerschaftsabgeordneter der CDU und in der vergangenen Legislaturperiode Mitglied der Innendeputation.

Darüber hinaus müsse generell über das Thema linke Gewalt gegen die Polizei gesprochen werden, denn es komme in Bremen immer wieder zu Übergriffen und Anschlägen auf die Polizei, sagte Lübke. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Brand von zwei Einsatzfahrzeugen am Polizeirevier Schwachhausen vor einigen Wochen, zu dem sich Linksextremisten bekannt hatten. Derartige Vorfälle dürften nicht einfach als Zahl in der Statistik hingenommen werden – unabhängig aus welcher Richtung die Gewalt komme. Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten sollte über eine dauerhafte und verstärkte Sonderermittlungsgruppe nachgedacht werden, damit solche Delikte schnell ermittelt und geahndet würden.

Von Werder Bremen forderte Lübke auch in anderer Hinsicht ein klares Bekenntnis. "Angesichts des massiven Einsatzes von Pyrotechnik am vergangenen Sonnabend steht der Verein zudem in der Verantwortung, die Kontrollen zu verschärfen und Verstöße zu ahnden“, sagte er weiter.

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Auch hierzu bezog Hess-Grundwald am Montag Stellung. Der SV Werder Bremen positioniere sich seit Jahren engagiert gegen den Einsatz von gefährlicher Pyrotechnik und weise auf die großen Gefahren hin. Die Sicherheitsstrukturen im Stadion seien zertifiziert und auf höchstem Niveau. Zudem führe man ordnungsgemäße Kontrollen durch und ahnde Verstöße bei Identifizierung der Täter gemäß den Sicherheitsrichtlinien des DFB. "Diese Instrumente haben aber auch ihre Grenzen", so der Werder-Präsident. Mit dem Ruf nach härteren Kontrollen und höheren Strafen mache man es sich zu einfach. "An keinem Fußballstandort in Deutschland konnte damit die seit Jahrzehnten bestehende Problematik gelöst werden." Auch deswegen suche Werder gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden nach alternativen Lösungsansätzen.

Ein klares Zeichen forderte auch die Vorsitzende der FDP-Fraktion, Lencke Steiner. Sie allerdings sieht den Senat in der Pflicht. Gewalt gegen Polizisten nehme in Bremen erheblich zu und werde zu einem echten Problem. Der Senat müsse deshalb ein klares Zeichen setzen und Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu verbessern. „Das Entsetzen über den Brandanschlag auf das Polizeirevier in Schwachhausen ist kaum verflogen, schon müssen wir erneut einen hinterhältigen Angriff auf unsere Polizei zur Kenntnis nehmen", so Steiner. Die FDP forderte "eine offene Debatte über die Erweiterung des Einsatzes von Bodycams und eine konsequentere Durchsetzung des Vermummungsverbotes".

+++ Der Text wurde um 18.22 Uhr aktualisiert +++

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