Deutsches Pokalfinale im Tischtennis

Werder verliert das Pokalfinale mit 1:3

Das erste Etappenziel war mit dem Einzug ins Endspiel erreicht - aber mehr wurde es für die Bremer nicht. Bastian Steger kassierte gegen Ochsenhausen die entscheidende Niederlage.
05.01.2019, 17:50
Lesedauer: 6 Min
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Werder verliert das Pokalfinale mit 1:3
Von Jörg Niemeyer
Werder verliert das Pokalfinale mit 1:3

Kämpfte vergeblich um Werders Führung im Pokalfinale: Gustavo Tsuboi.

Benjamin Lau

Werder-Trainer Cristian Tamas sieht seine Mannschaft zwar als Außenseiter, zumal die kurze Pause nach dem gewonnenen Halbfinale gegen den ASV Grünwettersbach (3:1) auch nicht gerade für die Bremer spricht. „Aber wir werden alles geben“, sagt der Coach. Da Werder die Auslosung, wer Mannschaft A und wer B ist, verlor, startet die TTF Ochsenhausen mit ihrem Topmann Hugo Calderano gegen Hunor Szöcs. Danach trifft Bastian Steger auf den Koreaner Jang Woojin, der in dieser Saison heute seinen ersten Einsatz bei den Süddeutschen hat. An Position drei trifft der Franzose Simon Gauzy auf Werders Brasilianer Gustavo Tsuboi.

Mit 4020 Zuschauern ist die Ulmer Ratiopharm-Arena nahezu ausverkauft, die Stimmung ist vor dem Finale prächtig. In Videoeinspielungen auf dem großen Würfel unter der Hallendecke werden die Akteure beider Teams vorgestellt. Pech für Werder: Die Ochsenhauser genießen als Mannschaft, die nur gut 70 Kilometer entfernt ihre Heimat hat, im Prinzip Heimrecht. Der Jubel auf den Rängen fällt entsprechend laut. Mal sehen, was die Werderaner aus ihren Nachteilen - kurze Pause, weniger Fanunterstützung - machen. Vielleicht setzt es ja ungeahnte Kräfte frei. Wie es sich vor einem deutschen Pokalfinale gehört, ertönt vor dem ersten Ballwechsel die Nationalhymne.

Um 14.58 Uhr beginnt die Partie endlich. Und wie! Hunor Szöcs spielt wie entfesselt, holt einen 3:6-Rückstand auf und gewinnt mit einem herrlichen Block den ersten Durchgang. Bahnt sich da eine Sensation an?

Hunor Szöcs zeigte im Finale gegen den Weltranglisten-Sechsten Hugo Calderano eine starke Leistung, verlor aber mit 1:3.

Hunor Szöcs zeigte im Finale gegen den Weltranglisten-Sechsten Hugo Calderano eine starke Leistung, verlor aber mit 1:3.

Foto: Benjamin Lau

Calderano hat auf jeden Fall etwas dagegen. Und dreht im zweiten Durchgang entsprechend auf. Schnell steht es 8:1 für den Brasilianer. Aber eine der Stärken des Werderaners ist sein Kampfgeist. Und er holt tatsächlich bis zum 5:8 auf. Doch schließlich gleicht Calderano mit dem 11:5 zum 1:1 nach Sätzen aus.

Dritter Satz: Wieder legt Calderano los wie die Feuerwehr. 3:0, seine Fans feiern ihn. Doch Szöcs verkürzt auf 3:4, die Kulisse scheint ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Allerdings zieht Calderano auf 7:3 davon. Aber der Bremer lässt sich nicht abschütteln und verkürzt auf 6:8. Noch ist alles drin. Doch mit zwei satten Schlägen erhöht Calderano auf 10:6 und geht nach einem Fehler von Szöcs zum 11:6 mit 2:1 in Führung.

Im vierten Satz lastet riesiger Druck auf Hunor Szöcs: Er muss gegen den Sechsten der Welt, der inzwischen ziemlich klar das Kommando übernommen hat, noch zwei Sätze gewinnen. Beim 2:4 sieht es nicht danach aus. Zu sicher scheint der Brasilianer jetzt in seinen Aktionen. Trotzdem bleibt Szöcs beim 4:5 dran. Beim 4:7 nimmt Szöcs ein Time-out - die letzte Hoffnung, das Ruder doch noch einmal herumzureißen. Der Werderaner verkürzt auf 6:7, aber mehr ging nicht. Mit dem 11:6 bringt Calderano den Favoriten mit 1:0 in Führung.

15.35 Uhr: Jetzt muss es Bastian Steger richten. Werders Topmann trifft auf den Koreaner Jang Woojin, die Nummer elf der Welt. Zum Vergleich: Steger rangiert derzeit auf Position 55. Nach 1:3-Rückstand hält der Bremer die Partie bis zum 6:6 offen, ehe Jang sich auf 11:7 absetzt und den ersten Satz gewinnt.

Starke Leistung im Finale, aber es reichte schließlich nicht: Bastian Steger glich zum 1:1 aus und kassierte schließlich die Niederlage zum 1:3.

Starke Leistung im Finale, aber es reichte schließlich nicht: Bastian Steger glich zum 1:1 aus und kassierte schließlich die Niederlage zum 1:3.

Foto: Benjamin Lau

Zweiter Durchgang: Was ist das denn? Steger legt ein 7:0 vor! Und lässt sich den Durchgang nicht nehmen. 11:3 - Ausgleich zum 1:1, alles ist wieder drin.

Dritter Satz: Start erneut mit Vorteilen des Bremers, der auf 4:2 davonzieht. Im Moment scheint es, als hätte er den Koreaner im Griff. Nach dem 6:5 macht er fünf Punkte in Folge und geht mit 2:1 nach Sätzen in Führung.

Vierter Satz: Jang ist nicht gewillt, klein beizugeben - und geht mit 4:2 in Führung. Er muss den Satz gewinnen, sonst hat Steger den Ausgleich geschafft! Steger verkürzt auf 3:4, dann trifft er den Ball so unglücklich, dass der in zwei Teilen durch die Halle segelt. Die Tischschiedsrichter entscheiden zunächst auf neuen Ballwechsel, aber Jang besteht auf den Punkt. Also 5:3 und dann gleich 6:3. Beim 9:6 spricht alles für Jang. Und mit 11:6 gleicht er auch zum 2:2 aus. Die Entscheidung fällt im fünften Satz um alles.

Der Showdown: Steger legt ein 2:1 vor. Abwechselnd geht es mit Punkten weiter. 4:3 für Steger, 4:4. Ein völlig ausgeglichenes Duell! Mit 5:4 für Jang werden letztmals die Seiten des Tisches gewechselt. 5:5 - 6:5 aus Sicht Stegers - 6:6 - 7:6 nach einem riesigen Ballwechsel! - 7:7, Jang bleibt dran und führt mit 8:7. Die Wende? Nein! Ausgleich Steger zum 8:8, der zum 9:8 nachlegt. Und bei 10:8 zwei Matchbälle hat!!! Ochsenhausens Fans werden leiser... Jang macht das 9:10 - erster Matchball abgewehrt. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Mit einer krachenden Vorhand macht Steger Schluss. Es heißt 1:1 - Werder ist wieder drin im Geschäft!

Mal sehen, was Gustavo Tsuboi gegen Simon Gauzy anstellt... Er zeigt dem Franzosen die Zähne und geht nach ausgeglichener Anfangsphase mit 8:6 und dann 9:7 in Führung. Mit Netzball gleicht Gauzy zum 9:9 aus - die Spannung reißt heute nicht ab. Satz ball Tsuboi, Gauzy gleicht aus, wieder Satzball Tsuboi - und jetzt macht er mit dem 12:10 den Sack zu.

Und Werders Brasilianer, die Nummer 42 der Welt, macht weiter so. Beim 9:7 winkt auch der zweite Satzgewinn, aber Gauzy, die Nummer 34 der Welt, gleicht nicht nur aus, sondern hat jetzt auch Satzball. Den nutzt er zum 11:9 - der Ausgleich zum 1:1.

Und weiter geht's auf Augenhöhe - mit dem besseren Start für Tsuboi, der auf 6:3 enteilt. Und wenig später heißt es 8:4 für den Werderaner, der heute so gut spielt wie während der bisherigen Saison in den Punktspielen leider viel zu selten. Gauzy schöpft mit dem 6:9 neuen Mut - Tsuboi antwortet mit einem Time-out. Neu sammeln, um den Satz dann zu entscheiden? Noch stehen die Chancen sehr gut! Und Tsuboi schlägt auf. Jetzt nur noch 9:8 für den Werderaner. Und nun 9:9. Des Dramas nächster Akt... 10:9, Satzball für Tsuboi. Und noch ein eigener Aufschlag. Da ist das 11:9 - Tsuboi rechte Faust geht hoch.

Jetzt braucht Tsuboi nur noch einen Satzgewinn. Und er startet furios in den vierten Durchgang. 2:0 nach großartigen Schlägen. Aber Gauzy kontert zum eigenen 6:2. Bricht Tsuboi jetzt ein? Er trifft erst mal zum 3:6 - und ist noch wach. 4:6 - es geht wieder los. Die Fans versuchen Gauzy zu pushen - und Tsuboi antwortet mit dem 5:6. Der Gauzy nimmt ein Time-out - letzte Instruktionen von Trainer Dmitrij Mazunov. Bringen die etwas? Offensichtlich. Es heißt 7:5. Tsuboi kämpft weiter - 6:7 aus seiner Sicht. Dann 6:8 und 6:9. Erneut droht ein fünfter Satz! 7:9. 8:9. 9:9 - Gauzy wankt! Und die Halle fiebert mit beiden Akteuren! Satzball Gauzy - 10:9. Und dann das 11:9, der Ausgleich. Es geht also erneut in den Entscheidungssatz! Wahnsinn! Die Fans toben, die Stimmung ist riesig!

Egal, was heute noch passiert: Werder hat die Erwartungen schon jetzt übererfüllt! Und Tsuboi startet wieder wie einer vom anderen Stern: 4:1 nach tollen Ballwechseln. Und dann passiert das Unfassbare: Tsuboi schickt Gauzy meterweit hinter den Tisch - und der Franzose holt jeden Ball! Dann verschlägt Tsuboi - es heißt 2:4, und eine unglaubliche Talfahrt beginnt. Im gleichen Maß, wie Gauzy Oberwasser bekommt, baut der Brasilianer ab. Nichts klappt mehr. Nach einer 0:10-Serie gibt Tsuboi den Satz und das Spiel mit 4:11 ab - Ochsenhausen führt insgesamt mit 2:1.

Nun muss es Steger gegen Calderano richten. Aber der Weltranglisten-Sechste will das wohl nicht zulssen - zumindest nicht tatenlos. Und führt im ersten Satz stets komfortabel. Nach dem 10:6 kann er aber vier Satzbälle nicht nutzen. Der Kämpfer Steger gleicht zum 10:10 aus - und hat schon wieder Satzball gegen sich. 10:11. 11:11. Sechster Satzball Calderano - und diesmal nutzt er ihn zum 13:11.

Zweiter Satz: Rächt sich für Werder jetzt die kurze Pause zwischen Halbfinale und Endspiel? Steger führt mit 6:3 - und scheint danach die Konzentration ein wenig zu verlieren. Calderano dreht das Spiel, gleicht zum 6:6 aus und geht mit dem 11:8 mit 2:0 Sätzen in Führung. Ob der Werderaner die nochmalige Wende schafft? Jetzt muss er drei Sätze am Stück gewinnen!

Dritter Durchgang: Alles oder nichts für Werder. Und beim 2:6 sieht es nach dem Ende aus. Bastian Steger gibt alles, aber Hugo Calderano hat jetzt fast immer die passende Antwort parat. 8:2 - noch drei Bälle trennen Ochsenhausen vom ersehnten Triumph. Noch zwei - 9:2. Steger trifft zum 3:9. Und nun 3:10 - sieben Matchbälle für die TTF! Steger schlägt ins Aus - um 17.41 Uhr sind die TTF Ochsenhausen deutscher Pokalsieger im Tischtennis. Bitter für Werder, aber das Team hat wirklich alles gegeben! Enttäuschung auf Bremer Seite, riesige Freude natürlich beim Sieger!

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