Ende der Debatte um Bremer Museum

Weserburg bleibt auf dem Teerhof

Eines stellte Janneke de Vries, neue Direktorin der Weserburg, bei der Vorstellung ihres Zukunftskonzeptes gleich klar: Sie plane weiterhin mit dem Teerhof als Standort des Museums.
16.11.2018, 16:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Weserburg bleibt auf dem Teerhof
Von Alexandra Knief
Weserburg bleibt auf dem Teerhof

Die Weserburg befindet sich auf dem Teerhof - und das wird voraussichtlich auch so bleiben.

fr

Die jahrelange Debatte um einen neuen Standort des Museums für Moderne Kunst Weserburg scheint ein Ende zu haben. Das stellte Janneke de Vries, neue Direktorin des Museums, am Freitag direkt bei der Vorstellung ihres Zukunftskonzepts klar: „Die Diskussion um den Standort ist – so glaube ich – stillschweigend erledigt“, sagt de Vries. Es gäbe keinerlei Anlass, etwas an dem gemeinsamen Kunststandort von Weserburg, Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) und dem Zentrum für Künstlerpublikationen auf dem Teerhof zu ändern. „Es wäre schwachsinnig, das sehenden Auges aufzugeben“, so de Vries.

Mehrere alternative Standorte für das Museum waren im Laufe der Jahre im Gespräch: Ein ufo-ähnlicher Neubau am Eingang der Überseestadt stand zur Debatte genauso wie ein kleinerer Neubau in den Wallanlagen als Erweiterung der Kulturmeile. Aufgrund der im Vergleich zu anderen Museen eher geringen Besucherzahlen stand auch immer wieder eine Reduzierung der Ausstellungsfläche zur Diskussion. Am Ende haben sich allerdings alle Pläne als nicht umsetzbar erwiesen. Sei es aufgrund der Kosten, der räumlichen Möglichkeiten oder anderer Faktoren.

Lesen Sie auch

Zwar wurde es in den vergangenen Jahren eher ruhig um das Thema, so richtig vom Tisch war es aber nie. Also blieb erst einmal alles, wie es war. Ein Glück für Janneke de Vries. „Ich bin ein Fan dieses Standortes“, betont die neue Direktorin. Und das sei auch allgemein bekannt. Schon in den vergangenen Jahren in ihrer ehemaligen Funktion als Direktorin der Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) äußerte sie regelmäßig Kritik an den Umzugsplänen für die Weserburg. Wenn es weiterhin Pläne für einen Standortwechsel gäbe, hätte man sich sicher jemand anderen als sie ins Haus geholt, mutmaßt de Vries. Denn mit ihr als Direktorin würde diese Debatte „nicht einfach werden“.

Kein Grund für Umzug

Auch Stiftungsratsvorsitzender Klaus Sondergeld, sieht die jahrelange Diskussion als erledigt an. Der offizielle Beschluss der Kulturdeputation hierzu stehe zwar immer noch aus, „der kann aber eigentlich nur heißen: die Weserburg bleibt, wo sie ist“, so Sondergeld. Und damit scheint er richtig zu liegen: „Nach dem aktuellen Planungsstand gehen wir davon aus, dass die Weserburg in ihren Räumlichkeiten bleibt„, sagt Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz auf Anfrage des WESER-KURIER. “Die neue Direktorin hat sich für diesen Standort starkgemacht und ihre Programmatik auf ihn abgestimmt.“

Lesen Sie auch

Für de Vries eine gute Ausgangslage. "In der aktuellen Situation kann endlich wieder inhaltlich über das Haus gesprochen werden", sagt sie. "Es ist für das Museum ein Moment des Durchatmens." Das Durchatmen beziehe sich allerdings, wie de Vries mehrmals betont, nicht auf die finanzielle Lage des Hauses. Darum sei man auch bereits an die Stadt herangetreten, um die zukünftige Förderung der Einrichtung mit Blick auf die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs ab 2020 neu zu verhandeln. „Wir befinden uns mit der Weserburg und Janneke de Vries in sehr konstruktiven Gesprächen über die finanzielle Förderung ab 2020", bestätigt Carmen Emigholz.

Ob und wenn ja wie viel mehr Geld es ab 2020 für die Weserburg geben wird, stehe allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht fest. Aktuell erhält das Museum eine Förderung von 1,276 Millionen Euro. „Zu wenig“, da sind sich alle Museumsmitarbeiter einig. Viele Kulturschaffende hoffen ab 2020 auf eine Zeitenwende. „Es wäre schön, wenn wir das Flaggschiff dieser Zeitenwende wären“, sagt Klaus Sondergeld.

Lesen Sie auch

Geld für Sanierung

Nicht nur für den Museumsbetrieb im Allgemeinen ist laut de Vries dringend mehr Geld notwendig. Bleibt man nun auf dem Teerhof, ist eher früher als später eine umfassende Sanierung notwendig. Eigentlich sollte diese schon im vergangenen Jahr stattfinden, denn der Spruch „Auf Sand gebaut“ der die Außenwand ziert, ist schon seit Jahren mehr oder weniger Programm: Es gibt unter anderem Probleme mit dem Untergrund, genauso wie mit dem Mauerwerk. Auch dieses Thema werde aktuell mit der Stadt diskutiert, denn diese trägt die Verantwortung für das Gebäude auf dem Teerhof und somit auch für dessen Sanierung.

Bis größere Maßnahmen in Angriff genommen werden können, plant das Museum erst einmal im Kleinen: Eine Gruppe Studenten und Studentinnen der Hochschule für Künste (HfK) beschäftige sich aktuell mit der Frage, wie der Eingangsbereich des Museums attraktiver gestaltet werden könne.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+