Clubs und Diskotheken geschlossen

Wo junge Menschen während der Pandemie in Bremen feiern

Die meisten Clubs in Bremen sind pandemiebedingt geschlossen. Ganz auf das Feiern wollen junge Bremerinnen und Bremer jedoch nicht verzichten - wo sie stattdessen unterwegs sind.
22.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wo junge Menschen während der Pandemie in Bremen feiern
Von Eva Przybyla
Wo junge Menschen während der Pandemie in Bremen feiern

Weil die Clubs geschlossen sind, suchen sich viele junge Menschen andere Plätze, wo sie sich treffen können. Zum Beispiel die Schlachte.

Frank Thomas Koch

Fragt man junge Bremerinnen und Bremer an der Schlachte oder am Osterdeich, ob ihnen das Feiern fehlt, ist die Antwort ein klares, mitunter verzweifeltes Ja. Einige berichten, dass sie sich nun – statt etwa im „La Viva“ zu tanzen – zu Hause oder an öffentlichen Orten mit Freunden betrinken würden. Andere rauchen Shisha an der Schlachte.

Seit die Clubs und Diskotheken pandemiebedingt geschlossen sind, bleiben jungen Menschen oft nur Treffen im kleinen Kreis – daheim, im Garten eines Freundes oder eben an öffentlichen Orten. Letzteres macht sich auch bei der Bremer Polizei bemerkbar. Polizeisprecherin Franka Haedke berichtet, dass junge Leute derzeit vermehrt öffentliche Plätze wie etwa Naherholungsgebiete besuchen würden. In Bremen seien insbesondere der Osterdeich und der Werdersee zu nennen. „Diese Gebiete werden bei guten Wetterbedingungen auch ohne Corona-Beschränkungen stark besucht“, sagt Haedke.

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Voller geworden ist demzufolge die Schlachte und ihre Gastronomie sowie das Steintorviertel mit der Sielwall-Kreuzung. Orte, an denen es an Wochenenden mit gutem Wetter sehr voll werden kann. Dort ist die Polizei nach eigenen Angaben auch im Einsatz. Anlass seien überwiegend Verstöße gegen die Corona-Verordnung, insbesondere gegen die Abstandsregelung, erläutert die Polizeisprecherin. Um die Lage zu entschärfen, hatte der Bremer Senat im Juni per Verfügung den Außer-Haus-Verkauf von alkoholischen Getränken an Wochenenden ab 22 Uhr in drei Bereichen der Stadt – an der Schlachte, im Steintor und im Bahnhofsviertel – verboten. Damit es nicht zu Ausschreitungen wie in Stuttgart oder Frankfurt kommt, nutzt die Polizei nach eigenen Angaben auf die Orte angepasste Einsatzkonzepte. Wesentlicher Bestandteil sei die Kommunikation mit den Personen vor Ort und über soziale Medien.

Für viele junge Menschen heißt das: Die Polizei ist ständig präsent an ihren Freizeitorten. Nicht alle finden das gut. „Vor ein paar Wochen ist die Polizei die Straßen rauf und runter gefahren und Patrouille gelaufen – das war echt unangenehm“, sagt eine junge Bremerin, die seit dem Ende des Lockdowns häufiger abends im Ostertor ihre Freizeit verbringt.

Verständnis für die jungen Menschen

Wo gefeiert wird, kommt es nicht selten zu Lärm und Müll. Das führt zu Beschwerden von Anwohnern, die dann etwa beim zuständigen Ortsamt Östliche Vorstadt landen. Ob es mehr Beschwerden seit dem Lockdown geworden sind, konnte die Leitung dort nicht angeben. Sie zeigt Verständnis für die jungen Menschen, die derzeit nicht nur auf Clubnächte, sondern auch auf Urlaubsreisen verzichten müssten.

Dass das Bedürfnis nach Zusammenkunft ernst zu nehmen ist, meint Nora Gaupp vom Deutschen Jugendinstitut. Sie spricht von einer „gesellschaftlichen Aufgabe, Jugendlich-Sein auch unter den Bedingungen des Pandemieschutzes zu ermöglichen“. Es gelte, die Bedürfnisse und Bedarfe junger Menschen nach Geselligkeit und Freizeitgestaltung mit den Notwendigkeiten des Infektionsschutzes ins Verhältnis zu setzen und so weit wie möglich zu vereinbaren.

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Das fordert auch die Bremer Grünen-Abgeordnete Kai Wargalla. „Junge Leute möchten feiern“, sagt sie. Damit das künftig wieder möglich ist, solle die Politik Flächen für Freiluft-Veranstaltungen bereitstellen. Und das möglichst zeitnah und möglichst unbürokratisch. Viel Hoffnung, dass das in Bremen so auch funktioniert, hat die 35-Jährige nicht: „Kultur und junge Leute werden in Bremen oft vernachlässigt.“

Gegen das Verbot verstoßen und illegale Partys veranstalten– laut Wargalla kam es dazu vonseiten der Party-Veranstalter bisher nicht: „Akteure aus der Club- und Feierszene verhalten sich sehr verantwortungsvoll.“ Die Politikerin lobt Kulturveranstaltungen wie das Überseefestival und Summersounds, die unter speziellen Hygiene-Schutzmaßnahmen trotzdem stattfinden. Neben diesen beiden Veranstaltungen nennt eine Sprecherin des Vereins Clubverstärker noch die Komplette Palette als alternatives Feierangebot für junge Menschen.

Feiern heißt für sie eher tanzen

Von den potenziellen Gästen der Konzertreihen, die am Deich in Grüppchen sitzen, nennt jedoch niemand diese Orte als Anlaufpunkte. Feiern heißt für sie offenbar eher tanzen, als vor der Bühne stehen und gesittet einer Band lauschen. Ein Klavierkonzert am Deich verfolgen später nur wenige.

Tanzen während der Pandemie – das geht auch in Bremen, sagt eine 21-Jährige am Osterdeich, die einen Sechserträger Bier neben sich auf die Bank gestellt hat. Über Facebook-Veranstaltungen würden demnach manche Menschen Outdoor-Partys organisieren. Ort und Zeit der Feier würden dort angeblich nur einer begrenzten Personenzahl in Privatnachrichten mitgeteilt. Doch vor Ort seien es dann doch oft mehr Leute als angekündigt, sagt sie. Abstandsregeln seien so mitunter kaum einzuhalten. Ein Grund, warum die junge Bremerin solche Veranstaltungen nicht mehr besuchen wolle. Dass Partys zu Infektionsherden werden können, beschäftigt mehrere befragte junge Bremer am Osterdeich. Keiner will das Risiko eingehen. Ein junger Mann sagt, dass er die derzeitige Situation in Bremen als Luxus empfinde. Schließlich sei der Deich am Wochenende sehr voll.

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