Neues Partyformat in Bremen Wummernde Bässe am Nachmittag

Party in der Bremer Schaulust: Das Café Elektrik mit Techno, Tanz und Törtchen kommt beim Publikum voll an.
20.01.2019, 19:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann

Der Techno-Rhythmus hat sie gepackt: die elegante Frau im Glitzerrock, den Mann mit Mütze auf dem Kopf und in Baggy-Jeans, die Clique der Mitte Zwanzigjährigen, die beiden Mittvierziger mit Sohn, den grauhaarigen Herrn ebenso wie die junge Frau mit blauen Haaren. Sie alle treffen auf der Tanzfläche im Café Elektrik in der Schaulust aufeinander, und genießen Techno, Tanz und Törtchen am Sonntagnachmittag.

Wummernde Bässe dringen nachmittags kurz vor Drei aus der Schaulust, jedes Mal wenn die Tür aufgeht. Noch hat das Team wie immer bis auf den letzten Drücker etwas zu räumen, vorzubereiten, an die richtige Ecke zu stellen. Alle sind aufgeregt. „Wir können nicht einschätzen, wie voll es wird“, sagen Uli Baumann und Frank Barufke, die beiden Initiatoren und Veranstalter. Beide haben „Bock auf Tanzen, aber nicht auf nachts wach bleiben“. Und auch nicht auf die typische Tanzteemusik.

Die äußerst beliebten Technopartys sonnabendnachts überforderten das Team und den Raum, erklärt Frank Barufke, Technikmeister und Gründungsmitglied des Schaulust-Vereins. Deshalb war damit Ende Dezember Schluss. Auf die Idee, „lasst uns das am Nachmittag ausprobieren“, hatten sie überschwängliche Reaktionen bekommen, erzählt die 48-jährige Uli Baumann. Die Jüngeren seien über Tag und Uhrzeit etwas verwundert gewesen. Die vom Salon Puschel und dem Duo Charles und Erika oder als Babette bekannte Akteurin war dennoch optimistisch, Frank Barufke eher skeptisch und rechnete mal vorsichtig mit 50 Gästen.

„Ich lag richtig“, freut sich Uli Baumann bereits nach einer Stunde. Frank Barufkes Schätzung ist schon um hundert Prozent übertroffen. Nach und nach kommen weitere Gäste, holen sich einen Kaffee und ein Stück Torte oder Kuchen und lassen sich auf der Besuchertribüne nieder. Oder gehen gleich auf die Tanzfläche und geben sich dem Rhythmus hin. Rappeldicke voll ist es am frühen Abend, bis 20 Uhr geht die Party.

Eartha Melzer aus Bremen ist mit ihrem achtjährigen Sohn Siegfried und ihrem Freund Joshua Amrhein aus Passau gekommen, weil sie „Lust auf Tanzen und Torte“ hat. Und „Techno probier ich mal aus“, sagt die 45-Jährige und steckt sich die Stöpsel wieder ins Ohr. Ihr Sohn trägt ebenfalls Ohrschützer. Der 45-jährige Joshua Amrhein liebt die elektronische Musik und findet es ganz prima, nachmittags tanzen zu können. „Ich habe schon überlegt, ob ich so etwas auch in Passau anbieten könnte.“ Techno versetze ihn in einen zeitlosen Zustand, Musik mit zu vielen Texten würde ihn eher ablenken. Steckt die Stöpsel ins Ohr und entschwindet auf die Tanzfläche.

„Man muss die Musik spüren“, bekräftigt DJ Mauro Basso, mit bürgerlichem Namen Gianmauro Leuzzi, der seit 1988 in Bremen lebt und seit 1993 hier auflegt. „Der Bass ist ein wichtiger Faktor, dieses Drücken im Bauch.“ Zwischen Deep House und Techno bewege sich die Musik, die im Café Elektrik gespielt werde, erklärt der 41-Jährige. Damit Abwechslung in den „treibenden, auslassenden“ Dauerrhythmus kommt, verpflichtet er gemeinsam mit Needles Musik – dahinter verbirgt sich der 39-jährige Tobias Jodeit – weitere DJs. An diesem Auftaktsonntag ist Andreas Balicki aus Hamburg der Dritte im Bunde.

Friederike Schanz hat einen Drink in der Hand. Sie hat über den E-Mail-Verteiler der Veranstalter von dem Angebot erfahren, „eine feine Sache“. Und das Beste: „Es ist nicht nachts“, sagt die 46-Jährige. Und es gibt Techno. Würde Rockmusik gespielt werden, wäre sie lieber in den Wald gegangen.

Draußen vor der Schaulust hinterm Güterbahnhof stehen einige Raucher, auch eine Gruppe junger Leute zwischen 20 und 30. Nach einem Sektfrühstück sind sie hierher gekommen, „wir sind alle frisch“, scherzen sie. Wie die Älteren finden auch sie es super, tagsüber Party machen zu können. Das muss nicht immer nachts sein. „Da drinnen ist es ja auch ganz dunkel.“ Auf solchen Veranstaltungen treffe man sich ja auch, sagt die Clique aus drei jungen Frauen und drei Männern. In Bremen gebe es nur wenige Angebote und wenig Freiräume für ihre Altersgruppe.

Auch Uli Baumann und Frank Barufke sagen, dass es keine Veranstaltungsorte für solche Art Partys gibt. Die Schaulust bekomme viele Anfragen dafür, sei aber primär eine Theater- und Produktionsstätte. Die beiden Organisatoren und Veranstalter wollen ebenso wie DJ Mauro Basso selber Spaß an ihrem neuen Format haben und sind froh, wenn sie ihre Unkosten wieder hereinbekommen. Fünf Euro Eintritt haben sie genommen. Die nächsten Termine für das Café Elektrik in der Schaulust, Güterbahnhof Tor 48, stehen bereits: Am Sonntag, 10. Februar, von 15 bis 20 Uhr wird neben Mauro Basso und Needles Musik der DJ aus Paris, Rolandson Johansson, auflegen. Weitere Techno-Partys am Nachmittag sind für den 17. März und 21. April (Ostersonntag) geplant.

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