Ausstellung im Schnoor

Zwei Mal Kuba

Das Künstlerehepaar Claudia Cruz und Joa Tejeiro blickt in seiner neuen Ausstellung im Schnoor auf das Heimatland von Tejeiro – und zeigt den Inselstaat aus völlig unterschiedlichen Perspektiven.
29.07.2018, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christiane Mester
Zwei Mal Kuba

Claudia Cruz und Joa Tejeiro mit ihrem ersten gemeinsamen Werk: Es lässt sich drehen und hat damit sprichwörtlich zwei Seiten.

Gerbracht

„Dos miradas“ – „zwei Blicke“ auf Kuba zeigt das Künstlerehepaar Claudia Cruz und Joa Tejeiro in seiner ersten gemeinsamen Ausstellung in der Kunstmix Produzentengalerie. Der afrokubanische Maler thematisiert mit seiner Portätserie den Rassismus in seiner Heimat, während die Fotografien der gebürtigen Mexikanerin Claudia Cruz den Umgang der kubanischen Bevölkerung mit staatlichen Verordnungen kontrastieren.

„Die kubanische Gesellschaft ist gespalten“, sagt Tejeiro. Der 38-jährige Maler, der seit drei Jahren in Bremen lebt, setzt sich in seinen Werken mit der systematischen Benachteiligung der afrokubanischen Minderheit auseinander. Die sozialen Unterschiede seien in der Gesellschaft des kommunistisch regierten Inselstaates tief verwurzelt, berichtet er. Sie sind das Resultat der kolonialen Vergangenheit. Aus Afrika verschleppt und versklavt, arbeiteten die Vorfahren der heutigen Afrokubaner einst auf den Zuckerrohr- und Tabakplantagen des Landes. Heutzutage verrichteten sie vor allem niedrig bezahlte Tätigkeiten, sagt Tejeiro. „Sie fegen die Straßen, gehen putzen oder bedienen die Gäste in den Restaurants.“

Die alltägliche Diskriminierung der Afrokubaner ist ein Thema, das Joa Tejeiro immer wieder auf die Titelseiten der größten kubanischen Tageszeitung bringt. Die „Nachrichten“ macht der Künstler in diesem Fall allerdings selbst, indem er einzelne Seiten der Zeitung „Granma“ zu seiner Leinwand macht. Er bemalt sie mit Porträts von Afrokubanern und macht die Menschen damit sichtbar. Die Frau, die ihre Lippen aufeinander presst, verweist in der Ausstellung stumm auf das, was nicht besprochen wird. Die „Granma“, die sich der 38-Jährige Künstler gleich kiloweise von Freunden aus Kuba mitbringen lässt, berichte nicht frei, sagt er. „Es ist keine unabhängige Zeitung, sondern das Verlautbarungsorgan der Kommunistischen Partei“, sagt Tejeiro.

Das verseuchtes Trinkwasser eine Cholera-Infektion zur alltäglichen Gefahr für die gesamte Bevölkerung macht, hat in der offiziellen Darstellung ebenfalls keinen Platz. „Waschen Sie sich gut die Hände. Vermeiden Sie Krankheiten“, lautet die spärliche Anweisung der kubanischen Regierung. Claudia Cruz macht sie zum Titel ihrer Fotoserie. Die 45-jährige Künstlerin erklärt das wiederkehrende Motiv: „In öffentlichen Gebäuden müssen für die Besucher drei Flaschen aufgestellt werden, die jeweils gefüllt sind mit Wasser, Chlor und Seife. Dazu ein Gefäß, das die Flüssigkeiten bei der Benutzung auffängt.“

Dass diese Anweisung in Santiago de Cuba mehr schlecht als recht in die Praxis umgesetzt wird, sehen die Besucher beim Gang durch die Ausstellung in der Kunstmix-Galerie. Bildlich festgehalten ist der Umgang der Bevölkerung mit staatlichen Handlungsanweisungen. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird deutlich. Entstanden sind die Arbeiten bei einer Reise, die das Künstlerpaar vor zwei Jahren unternommen hat.

Die Ausstellung zeigt auch die erste gemeinsame Arbeit des Künstlerpaares, das vor zwei Jahren geheiratet hat. Das Kunstwerk steht im Zentrum der Ein-Raum-Galerie im Schnoor-Viertel. Es ist aufrecht auf einem beweglichen Untersatz montiert und wird damit zu einem drehbaren Objekt. Damit hat die gemeinsame Arbeit sprichwörtlich zwei Seiten. Je nachdem wie sie vom Betrachter gewendet wird, dominiert der poetisch-blumige Anblick oder die visualisierte Schärfe unzähliger Pfefferschoten.

Die Ausstellung „Dos miradas“ ist noch bis zum 24. August 2018 in der Kunstmix Produzentengalerie im Schnoor, Kolpingstrasse 18, 28195 Bremen zu sehen. Geöffnet ist die Galerie an drei Tagen in der Woche: donnerstags und freitags jeweils von 11 bis 13 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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