Beirat Neustadt informiert Bürger

Abgestellte Räder schaden jungen Bäumen

Junge Bäume nehmen Schaden, wenn Fahrräder an ihnen angelehnt oder angebunden werden. Der Beirat Neustadt will mit einem Info-Flyer erreichen, dass die Stadtteilbewohner mehr Rücksicht nehmen.
04.05.2020, 06:40
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Abgestellte Räder schaden jungen Bäumen

Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne) verteilt in diesen Tagen in der Neustadt Informationsblätter mit dem Aufruf, Straßenbäume zu schützen.

Roland Scheitz
SUD Beirat Neustadt will junge Straßenbäume schützen und startet Flyer-Aktion gegen abgestellte Räder auf Baumscheiben. Kornstraße
Foto: Roland Scheitz

Seit Jahren kämpft der Neustädter Beirat darum, mehr Straßenbäume in den Stadtteil zu bekommen. Etwa 70.000 städtische Bäume wachsen in Bremen am Straßenrand. Damit neu gepflanzte Bäumchen aber auch eine Chance bekommen, langfristig gesund zu überleben, hat das Stadtteilparlament nun erneut eine Informationskampagne gestartet.

In diesen Tagen wirft Ingo Mose (Grüne) Zettel in Briefkästen an Straßen, wo er Fahrräder sieht, die an jungen Bäumen angebunden stehen. Besonders viele hat der Beiratssprecher entlang der Gastfeld- und Kornstraße entdeckt. Aber auch in den Seitenstraßen und anderen Teilen der Neustadt stehen immer wieder einzelne oder gleich mehrere Räder auf den Baumscheiben genannten Flächen ohne Asphalt an die Stämme gelehnt.

SUD Beirat Neustadt will junge Straßenbäume schützen und startet Flyer-Aktion gegen abgestellte Räder auf Baumscheiben. Kornstraße

An einigen Stellen wie an der Delmestraße im Flüsseviertel (links) kümmern sich Menschen aus der Nachbarschaft augenscheinlich liebevoll um die Baumscheiben und verhindern so, dass dort Räder abgestellt werden wie es an der Kornstraße häufig zu sehen ist (rechts).

Foto: Roland Scheitz

Auf dem Papier ist zu lesen, dass vom Fahrradparken auf Baumscheiben eine Gefahr für die Bäume ausgeht. „Insbesondere jüngere Bäume werden leider sehr oft durch angelehnte Fahrräder, zum Beispiel durch Lenker, Pedalen, Kettenkränze oder Schlösser, beschädigt. Schäden in der Rinde sind ein Einfallstor für Schädlinge, die Bäume krank machen oder sogar zum Absterben bringen können!“, steht auf den Zetteln.

Aus dem Umweltbetrieb Bremen, der für die Pflege der städtischen Straßenbäume zuständig ist, ist zusätzlich zu erfahren: „Stadtbäume haben es ohnehin nicht leicht, weil sie nicht an ihrem natürlichen Standort wachsen. Wird dazu noch ständig auf ihrer Baumscheibe geparkt oder darauf herumgetrampelt, wirkt sich das negativ auf die Sauerstoffversorgung der jungen Wurzeln aus.“

Flyeraktion verpufft

Aus Sicht des Grünenpolitikers kommt es immer häufiger vor, dass Menschen Bäume als Abstellmöglichkeit für ihre Räder nutzen. „Einerseits wollen wir ja, dass immer mehr Bremer das Rad nutzen, andererseits müssen wir Lösungen finden, wie wir die Bäume schützen können“, erklärt er den Hintergrund der Aktion.

Erst im Herbst 2019 hatte Gerhard Bomhoff einen ähnlichen Versuch unternommen, die Neustädter zu mehr Rücksicht gegenüber den Straßenbäumen zu bewegen. Der ehemalige Vorsitzende des Vereins „Dein Werdersee“ hatte mit Unterstützung des Beirates kleine Flyer auf Gepäckträger von Rädern geklemmt, die auf Baumscheiben geparkt waren.

„Aua!“ stand darauf in großen roten Buchstaben, und weiter: „Dein Fahrrad steht auf meinen Füßen!“ Auf der Rückseite waren ebenfalls Erklärungen dazu zu finden, warum Mülltonnen, Gelbe Säcke und Unrat sowie Fahrräder auf Baumscheiben Schaden anrichten können.

Menschen sollen sensibilisiert werden

„Aus meiner Sicht haben die Flyer nahezu nichts gebracht, ich bin mittlerweile sehr frustriert“, sagt Bomhoff rückblickend zu der Aktion. Er habe an manchen Stellen immer wieder dieselben Räder auf Baumscheiben entdeckt und mit einem Flyer versehen – am Verhalten der Eigentümer hätte das augenscheinlich nichts geändert.

Ingo Mose ist trotzdem optimistisch, dass der neue Anlauf etwas bringen könnte. „Das Ziel ist, dass die Leute sensibilisiert werden und uns Hinweise geben, wo noch Fahrradbügel gebraucht werden“, so der Beiratssprecher. Dass die Menschen Alternativen zu den Jungbäumen brauchen, um ihre Räder sicher anschließen zu können, ist ihm klar. „Denn nicht jeder kann einen Vorgarten nutzen oder hat eine Abstellmöglichkeit im Wohnhaus.“

Eine erste Rückmeldung ist bei ihm bereits eingegangen, Eine Anwohnerin der Gastfeldstraße begrüßt ausdrücklich die Informationskampagne. Zwei Punkte sind ihr allerdings wichtig: Für den Bau neuer Abstellplätze für Räder sollten keine Parkplätze für Autos wegfallen. Daher seien die Baumscheiben selbst für sie der naheliegendste Ort für neue Fahrradbügel. Zum Zweiten schlägt sie vor, vor gut besuchten Gaststätten wie dem Gastfeld mehr Abstellmöglichkeiten zu schaffen.

Derartige Hinweise werden im Ortsamt als Bürgerantrag gewertet. „Der nächste Schritt ist dann, dass der Beirat dazu Stellung nimmt, ob dort Bügel aufgestellt werden sollen“, erklärt Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon. Danach sei das Amt für Straßen und Verkehr am Zug und müsse prüfen, ob und wie das regelkonform möglich sei. Die Finanzierung erfolge dann später entweder über das Stadtteilbudget des Beirates oder über Haushaltsmittel der Stadt.

Die Baumscheiben selbst sind allerdings für Fahrradbügel Tabu, erklären die Fachleute vom Umweltbetrieb Bremen. Denn dadurch würden Radfahrer ja ermuntert, ihren Drahtesel dort über den Wurzeln der Bäume abzustellen. Bodenverdichtung wäre die Folge und der Baum hätte es deutlich schwerer, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen.

An manchen Stellen wie im Hohentor hat die Stadt in den vergangenen Jahren neue Bäume entlang der Straßen gepflanzt. „An anderen Stellen sind aber leider auch einige Plätze leer geblieben, wo zuvor ein Baum gefällt werden musste“, bedauert Mose.

Nachbarn werden Paten

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Teilweise liegt es am Untergrund, der mit vielen Leitungen und wenig Platz für die Wurzeln der Bäume eine Neupflanzung nach den aktuellen Standards unmöglich macht. So verhält es sich beispielsweise an der Delmestraße im Flüsseviertel, hat der Beirat erst 2019 vom Umweltbetrieb erfahren.

„Umso wichtiger ist es, dass wir die Jungbäume schützen und verhindern, dass sie Schaden nehmen und eventuell sogar sterben“, mahnt Ingo Mose. Optimal findet er die Lösung an Stellen, wo Menschen aus der Nachbarschaft eine Patenschaft für einzelne Baumscheiben übernommen haben und sie seither pflegen. „Da gibt es tolle Beispiele zu sehen, wie dort fast schon kleine Gärten angelegt sind“, lobt der Grünenpolitiker Engagement.

147 von stadtweit 300 Patenschaften dieser Art gibt es bereits links der Weser, teilt der Umweltbetrieb mit. „Neue Patenschaften für Baumscheiben sind herzlich willkommen“, sagt Kerstin Doty vom Umweltbetrieb. Ein freiwilliger Einsatz der Nachbarschaft, der im Ergebnis nicht nur schön aussehe, sondern auch den Bäume gut tue, findet Mose: „Wo es so schön bepflanzt ist, stellt niemand sein Rad mitten hinein.“

Weitere Informationen

Wer die Pflege einer sogenannten Baumscheibe übernehmen möchte, kann dem Umweltbetrieb Bremen eine E-Mail an die Adresse office@ubbremen.de schicken oder unter der Telefonnummer 361 29 20 anrufen. Wichtig ist die Angabe der Straße, wo die Pflege stattfinden soll. Weitere Informationen gibt es online auf www.umweltbetrieb-bremen.de.

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