Neubaugebiet

Bautagebuch: Wie geht es bei der Gartenstadt Werdersee voran?

In unserem Bautagebuch zur Gartenstadt Werdersee berichten wir in einer Artikelreihe über den Baufortschritt des Großprojekts. Im ersten Teil geht es um die Erschließung des 16 Hektar großen Gebiets.
02.03.2019, 05:23
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Bautagebuch: Wie geht es bei der Gartenstadt Werdersee voran?

Aus luftiger Höhe ist zu sehen, was in den vergangenen fünf Monaten geschehen ist: Neben Kanalbau und Baustraßen sind auch Anfänge der ersten Reihenhäuser zu sehen.

Christian Walter

Als ob sich ein riesiger Maulwurf auf der ehemals grünen Wiese neben dem Huckelrieder Friedhof mächtig ausgetobt hätte, so sieht es in der künftigen Gartenstadt Werdersee aus: Überall sind ausgehobene Gruben zu sehen und riesige Sandhaufen türmen sich hinterm Deich der kleinen Weser. Fünf Monate ist es erst her, da haben die Bauarbeiten so richtig begonnen. Und das offenbar in hohem Tempo, denn seither ist bereits die gesamte Fläche von Baggern in allen Größen und Formen aufgegraben worden. Und eine stattliche Anzahl an Arbeitern bringt parallel stattliche Kanalrohre in die Erde, baut Baustraßen oder zieht bereits die Mauern der ersten Reihenhäuser hoch.

Noch ist schwer vorstellbar, dass dort am Rande des Werdersees in fünf Jahren ein völlig neues Wohnquartier mit 590 Wohnungen und Reihenhäusern stehen soll, das mit viel Grün auch die Erwartungen an den klangvollen Namen Gartenstadt erfüllt. Doch so weit ist es noch nicht, zunächst sind die Straßen dran sowie alles, was unter der Erde vorbereitet werden muss, damit die künftigen Bewohner den Komfort ihres neuen Zuhauses auch nutzen können: Das Regen- und Schmutzwasser muss abgeleitet und sauberes Stadtwasser zugeleitet werden. In die Tiefe unter die künftigen Gehwege müssen auch Leitungen für Strom, Telefon und Internet sowie Gasleitungen für das eigenständige Wärmenetz des Wohngebietes.

Außerdem schichten die Arbeiter gewaltige Erdmassen um: Von Stellen, die für Straßen und Baugruben ausgehoben werden hin zu Bereichen, die erhöht werden müssen. Das ist nötig, damit das Regen- und Schmutzwasser in den Rohren vom Deich bis zum Anschluss an das städtische Kanalnetz an der Habenhauser Landstraße durchgehend bergab fließen kann. Außerdem hat der westliche Rand zum Friedhof hin zusätzlich eine drei Meter dicke Erdschicht erhalten. Dort wird später eine Grünfläche entstehen. Für den Bau zu lehmiger Boden wird hingegen abgefahren und im Gegenzug heller Sand herangeschafft.

An diesem Tag kommen die ersten Asphaltladungen für den Wiederaufbau der Habenhauser Landstraße an. Für die Autofahrer, die seit Monaten im Wechsel einspurig über eine Behelfsstraße neben der Baustelle fahren müssen, sind die blauen Laster, die die zähe schwarze Masse auf das Straßenstück kippen, ein wichtiges Signal. Bedeutet es doch, dass der Kanalanschluss für das Neubaugebiet unter dieser wichtigen Verkehrsader für Habenhausen endlich verlegt ist und die Straße bald wieder auf voller Länge zweispurig befahrbar sein wird. „Ende März sollte es soweit sein“, kündigt Uwe Schierloh an.

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Er ist Geschäftsführer der Projektgesellschaft Gartenstadt Werdersee (PGW), einem Zusammenschluss der Bremer Firmen Interhomes, Gebrüder Rausch und Dr. Hübotter Grundstücksgesellschaft. Der PGW gehört mit sieben Hektar ein Großteil des Baulandes vor Ort, etwa zwei Hektar hat die Gesellschaft außerdem an die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba verkauft, die in Mehrfamilienhäusern überwiegend Sozialwohnungen errichten wird (dazu mehr im kommenden Teil der Artikelreihe). Zusammen wollen die Bauherren dort nach eigenen Angaben 200 Millionen Euro investieren.

In einem blauen Baucontainer zeigt Schierloh auf bunten Bauzeichnungen, wie das etwa 16 Hektar große Gebiet Stück für Stück erschlossen wird. Eine logistische und technische Herausforderung, für die er eine Arbeitsgemeinschaft von drei Baufirmen beauftragt hat. „Damit das Ganze schnell Fahrt aufnehmen kann, denn wir haben mächtig viel Zeit aufzuholen“, sagt Schierloh.

Doppelt so schnell wie geplant

Ein halbes Jahr ist der Zeitplan beim Baustart wegen unerwartet vieler Bombenfunde im Verzug gewesen. Aus Sicht des Geschäftsführers der PGW läuft aber zumindest die Erschließung jetzt nahezu doppelt so schnell wie geplant. 150 Meter Kanalrohre schaffen die Arbeiter in drei Teams pro Woche. Auf insgesamt einem Kilometer Länge werden nach Abschluss der Tiefbauarbeiten die Rohre unter den Baustraßen liegen. Ein besonders dickes fürs Regenwasser und ein dünnes für alles, was aus den Abflüssen der Häuser kommt.

Dass der Regen über einen Meter Durchmesser Platz im Kanal unter der Gartenstadt hat, hat einen besonderen Grund. Es ist eine Art mechanisches Rückhaltesystem mit einem Überlauf, der auch bei stärkeren Regenfällen nur wohldosiert das Wasser ins bestehende Entwässerungsnetz abgibt. „Die umliegenden Fleete und der Krimpelsee können nicht zuviel zusätzliches Wasser auf einen Schlag aufnehmen“, erklärt Schierloh. Genau deswegen hat es auf dem Baugebiet selbst auch ein eigenes Sickerbecken gegeben. Dorthin wurde das Grundwasser und nicht versickerte Regenwasser gepumpt, damit die Schächte und Gruben während der Tiefbauarbeiten nicht volllaufen.

Fertigstellung 2024

Wenn die Arbeiter das hohe Tempo halten, sind alle Baustraßen mit Kanal darunter Anfang August fertig und asphaltiert. Etwa 50 000 Kubikmeter Sand, 6000 Tonnen Schotter und 6500 Tonnen Asphalt werden dann in den Straßen verarbeitet sein. Umgerechnet sind das gut 3000 Laster-Ladungen Material. „Sobald dort kein Baustellenverkehr mehr unterwegs ist, machen wir die letzte Deckschicht drauf“, sagt Schierloh. Die Verwandlung in fertige Wohnstraßen. Erst danach übernimmt die Stadt die Verantwortung für die neuen Verkehrswege. Wenn das Neubaugebiet tatsächlich 2024 fertig ist, werden seit der ersten Planung elf Jahre vergangen sein.

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Zur Sache

Artikelreihe zum Neubaugebiet Gartenstadt Werdersee

Bis zum Jahr 2024 will die Projektgesellschaft Gartenstadt Werdersee (PGW) gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba ein neues Wohnquartier am linken Weserufer errichten. In unserer Artikelreihe „Bautagebuch Gartenstadt Werdersee“ werden wir fortlaufend diese Entwicklung begleiten. Jeder Teil der Reihe nimmt einen besonderen Aspekt des Großprojektes in den Blick: Von der Erschließung über Aspekte der Nachhaltigkeit bis hin zur Vermarktung und dem Abschluss der Arbeiten. Dabei sprechen wir beispielsweise mit Käufern und Verkäufern, Bauleitern, Grünplanern und lassen auch Kritiker des Bauvorhabens zu Wort kommen. Im April wird in unserem zweiten Teil zu lesen sein, wie der Bau der Miet- und Eigentumswohnungen sowie Reihenhäuser über das Gelände verteilt geplant ist und mit welcher sozialen Infrastruktur die künftigen Bewohner rechnen können.

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